Zurich Pride mit Alex Minsky: Tausende fordern Ehe für alle ohne Grenzen

Bild: Zurich Pride Festival„Gleichstellung ohne Grenzen“ lautete das Motto des 21. Zurich Pride Festivals. Das Festival wurde gestern, Freitag, 19. Juni 2015, auf dem Kasernenareral eröffnet und dauert bis Samstag 23.00 Uhr. Mit dem Auftritt der Kultband Snap! fand schon am Freitag ein großes Highlight auf der Showbühne statt. 

Zum ersten Mal in der Geschichte der Zurich Pride nahmen elf Botschaften am Marsch für Gleichberechtigung teil. Insgesamt 16.000 Menschen marschierten für „Gleichstellung ohne Grenzen“, unter ihnen auch das männliche US-Supermodel Alex Minsky, Kriegsveteran und Kämpfer für LGBT-Equality.

„Niemand ist frei, solange es nicht alle sind“

Am Samstagnachmittag fand der traditionelle Demonstrationszug der Zurich Pride statt. Die Eröffnungsreden wurden von Aline Trede, Nationalrätin der Grünen, und US-Botschafterin Suzy LeVine gehalten.

Mit ihrer engagierten, kämpferischen Rede für absolute Gleichstellung feuerte Aline Trede die Menge zum Demonstrieren an. Dabei geisselte Trede die diskriminierende CVP-Initiative und rief der Menge zu, dass wenn das konservative Irland die Ehe für alle öffne, dann sei es höchste Zeit, dass die Schweiz dies auch könne.

Die amerikanische Botschafterin Suzi LeVine erinnerte daran, dass einer ihrer ersten Auftritte als Botschafterin in der Schweiz die Teilnahme am letztjährigen Pride-Umzug gewesen sei. Sie freue sich sehr, heute als an diesem wichtigen Anlass teilnehmen zu dürfen und ermutigte die Anwesenden, weiter für Gleichstellung weltweit zu kämpfen und schloss mit dem Satz:

„Niemand von uns ist frei, bis alle von uns frei sind.“

Zuvor hatten die vier nationalen Dachorganisationen, der Dachverband Regenbogenfamilien, Pink Cross, LOS und TGNS die Anwesenden begrüsst. Anschliessend heizte Drag Queen Gloria Viagra der versammelten Menge ein und forderten die Anwesenden eindringlich dazu auf, lautstark für ihre Rechte zu demonstrieren.

Elf Botschaften an der Zurich Pride

Mit einer einmaligen Sensation startete der diesjährige Demonstrationsumzug: Das Zurich Pride Team eröffnete die Demonstration mit elf Botschaften, welche den Umzug anschließend bis zum Demonstrationsende anführten. Die BotschafterInnen marschierten an vorderster Front und hielten den Demonstrationsbanner mit dem Motto „Gleichstellung ohne Grenzen“.

Getreu diesem Motto waren denn auch BotschafterInnen aus der ganzen Welt vertreten, um zu demonstrieren, dass Gleichstellung keine Frage eines Staates ist. Anwesend waren folgende Botschaften.
USA: Suzi LeVine, Botschafterin
Kanada: Jamieson Weetman, Botschaftsrat
EU: Richard Jones, Botschafter
Grossbritannien: David Moran, Botschafter
Schweden: Magnus Hartog-Holm, Botschafter
Norwegen: Thomas Hauff, Botschafter
Finnland: Jari Luoto, Botschafter
Montenegro: Maja Jovovic Schmidt, Konsulin
Bosnien-Herzegowina: Boro Bronza, Botschafter
Israel: Yigal B. Caspi, Botschafter
Spanien: Luis Calvo Merino, Generalkonsul
EDA-Vertreter: Philippe Flück, Konsul

Der Umzug setzte sich um 14:30 Uhr vom Helvetiaplatz Richtung Werdmühleplatz in Bewegung. Die zahlreichen Wagen und  Fussgruppen verschiedener Vereine, Organisationen und Institutionen aus der LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender)-Community präsentierten sich den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern und forderten absolute Gleichstellung. Am Demonstrationsumzug nahmen 16.000 Menschen teil.

Tosender Applaus für engagierte Reden

Nach der Demonstration ging das Programm auf dem Kasernenareal beim Zurich Pride Festival weiter. Unter anderem hielten BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti, SP-Nationalrat Daniel Jositsch und Ehrengast, das amerikanische Supermodel, Kriegsveteran und Gleichstellungskämpfer Alex Minsky engagierte Reden für die rechtliche Gleichstellung von LGBTs und ernteten für ihre entschlossenen Forderungen für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft tosenden Applaus.

Unverständnis in 100 Jahren

Daniel Jositsch zeigte sich überzeugt davon, dass die Gesellschaft in 100 Jahren zurück blicken wird und darüber staunen wird, dass sie sich als demokratisch und rechtsstaatlich betrachtete, während sie gleichgeschlechtlichen Paaren die Ehe verweigerte.

Gleichzeitig zog Jositsch Parallelen zwischen Rassismus und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und rief die Teilnehmenden auf Stop zu sagen, wenn Menschen diskriminiert würden. Gleichzeitig freute sich Jositsch über den Erfolg von letzter Woche, als der Ständerat sich für ein Verbot von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung aussprach.

Jositsch hatte dies bereits im Jahre 2009 gefordert, war damals im Nationalrat damit aber unterlegen. Trotz dem plötzlich eintretenden Regen harrten die Besucherinnen und Besucher bei seiner Rede aus und honorierten sie mit Jubelrufen und einem langanhaltenden, frenetischen Applaus.

Packen wir es an!

Rosmarie Quadranti freute sich über die durch das Stimmvolk angenommene Ehe-Öffnung für homosexuelle Paare in Irland. Gleichzeitig erinnerte sie die Teilnehmenden daran, dass Homosexualität in noch über 80 Ländern der Welt unter Strafe gestellt ist. Quadranti warnte  vor wertkonservativen Strömungen in der Schweiz, welche sich beispielsweise im Kampf gegen den Lehrplan 21 stark mache oder einen Verein „für eine traditionelle Familie“ gegründet habe.

Als BDP Nationalrätin wisse sie, was es bedeutet, angefeindet zu werden. „Packen wir es an“ rief sie der Menge zum Schluss zu.

Kampf gegen CVP-Initiative

Mehrere Rednerinnen und Redner wandten sich denn auch in ihren Ansprachen gegen die diskriminierende CVP-Initiative zur „Abschaffung der Heiratsstrafe“, welche in Tat und Wahrheit nichts weiter als einen diskriminierenden Ehebegriff in der Verfassung verankern will. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmern zeigten durch ihren Applaus und Zwischenrufe deutlich auf, dass die Community diese Initiative entschlossen bekämpfen wird.

(Text/Titelbild: Zurich Pride Festival)
Anzeige

Leave A Reply

Your email address will not be published.

*

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.