VP-Wien Juraczka: Vater und Mutter für Kindesentwicklung sinnvoll

Die ÖVP ist scheinbar auf Fundamentalkurs bei gesellschaftspolitischen Fragen umgeschwenkt. Kaum ein Tag vergeht, wo von den Konservativen kein realitätsferner Kommentar zur Diskussion über das Kindeswohl und den Gleichstellungsforderungen von Lesben und Schwulen kommt. Nun erklärt der Chef der Wiener ÖVP, dass er zwar für das Standesamt als Ort zur Schließung von Eingetragenen Partnerschaften ist, jedoch das Adoptionsrecht strikt abgelehnt wird – zum Wohl der Kindesentwicklung.

Erst gestern wetterte der oberösterreichische ÖVP-Landeshauptmann Josef Pühringer im Interview mit der Tageszeitung „DerStandard“ gegen die Forderungen von SPÖ und Die Grünen nach der Öffnung des Adoptionsrechts und der Ehe für Lesben und Schwule (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Fern jeglichem sachlichen Argument verwies Pühringer auf die Bibel. Damit zeigte sich, dass die ÖVP Politik auf Zuruf der römisch-katholischen Kirche betreibt.

ÖVP Wien-Chef Juraczka: Ja zum Standesamt

Gestern Abend erschien im Onlineangebot der Tageszeitung „Die Presse“ ein Interview mit dem Chef der Wiener ÖVP, Manfred Juraczka. Darin erklärt er, dass er dafür eintrete, dass Eingetragene Partnerschaften nicht auf den Bezirksämtern geschlossen werden, sondern auf den jeweiligen Standesämtern.

Damit schert der ÖVP Wien-Obmann aus der Linie der Bundespartei aus, die weiterhin gegen die Standesämter-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare ist. Dabei war es die Partei selbst, die dieses Verbot in das Partnerschaftensgesetz „hineinreklamierte“. Zwar ist der Vorstoß begrüssenswert, jedoch „vergisst“ Juraczka, dass dass rot-grün regierte Wien die Standesämter bereits längst geöffnet hat (danke Lücke im Gesetz) für gleichgeschlechtliche PartnerInnenschaften.

Von dieser Forderung würden jedoch viele andere Lesben und Schwulen in den Bundesländern profitieren, wo in fast allen Gemeinden die Standesämter mit wenigen Ausnahmen in Stataturstädten für Lesben und Schwule derzeit ein Tabu zu sein haben.

Juraczka: Hetersexuelle Eltern für Kindeswohl sinnvoll

Von seiner liberalen Haltung bei der Frage des Standesamtes als Ort der „Verpartnerung“ für gleichgeschlechtliche Paare, ist bei der Frage nach dem Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare wenig übrig. Obwohl der EGMR im ergangenen Urteil deutlich machte, dass der Gesetzgeber keine nachvollziehbaren Gründe vorlegen konnte, warum das Verbot aufrecht bleiben sollte (thinkoutsideyourbox.net berichtete), will Juraczka – ganz zur Bundeslinie und der Meinung ÖVP-Justizministerin Beatrix Karl (thinkoutsideyourbox.net berichtete), das Verbot des Adoptionsrechts aufrechterhalten – zum Kindeswohl.

So erklärt Juraczka im Interview auf die Frage nach dem Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare:

„Ich glaube, dass es für die Entwicklung sinnvoll ist, wenn man Vater und Mutter hat.“

Damit negiert ein weiterer ÖVP-Politiker aus ideologischen Gründen alle wissenschaftlichen Untersuchungen und Studien zum Kindeswohl. Sämtliche Studien kommen zum Schluss, dass das Kindeswohl nicht von der Familienzusammensetzung, sondern von der gebotenen Liebe, Fürsorge und Geborgenheit abhängt.

ÖVP will es nicht kapieren

Die Hoffnung, dass die ÖVP endlich im 21. Jahrhhundert und der gesellschaftlichen Realität ankommt, schwindet immer mehr. Tagtäglich beweisen zahlreiche Familien, die nicht dem der ÖVP „heiligen“ Familienbild, bestehend aus Vater-Mutter-Kind(er) entsprechen, dass sie sehr wohl Familie sind. 

Das Idealbild ist nicht die traditionelle Familie, bestehend aus Vater-Mutter-Kind(er). Ein Idealbild ist, wenn sich ein Elternteil oder beide Elternteile unabhängig der sexuellen Orientierung fürsorglich und liebevoll um das Kind oder die Kinder kümmern. Das ist Familie. Das ist Geborgenheit. Das ist das Beste für das Kind. Das ist Kindeswohl.

Das Verhalten der ÖVP ist nicht nur wider dem Kindeswohl, es ist sogar grob fahrlässig.

(Bild: Dieter Zirnig – CC-BY-2.0 – Flickr)
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5 Comments
  1. […] Interview in Der Standard (thinkoutsideyourbox.net berichtete), Wiens VP-Chef Manfred Juraczka (thinkoutsideyourbox.net berichtete), oder die Rechtspopulisten von H.C. Strache, wie beispielsweise Familiensprecherin Anneliese […]

  2. […] Aus dem EGMR-Urteil oder anderen Höchstgerichtsentscheidungen zur Gleichstellung von Lesben und Schwulen hat die ÖVP jedoch bis heute nichts gelernt. Weiterhin blockiert die ÖVP längst überfällige Gleichstellungsschritte und argumentiert mit bereits widerlegten Argumenten – bis es wieder Höchstgerichte erzwingen. So hat beispielsweise im März erst der neue ÖVP Wien-Chef, Manfred Juraczka erklärt, dass für die Kindesentwicklung Vater und Mutter sinnvoll sind (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  3. […] Wien-Obmann Manfred Juraczka, der ein Problem mit dem Adoptionsrecht für Lesben und Schwule hat (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und damit wider dem Kindeswohl handelt (thinkoutsideyourbox.net berichtete), die […]

  4. […] Manfred Juraczka (ÖVP Wien-Obmann): Vater und Mutter für “Kindesentwicklung sinnvoll” […]

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