Vorarlberg: Schwules Paar im Zug bedroht und attackiert

(Bild: sejanc - BY-NC-ND-2.0 - Flickr)Nach dem jüngsten Verweis eines lesbischen Paares aus einem Kaffeehaus in Wien sorgt ein weiterer Vorfall für Aufregung. In Vorarlberg soll ein schwules Paar im Zug nach Feldkirch zunächst verbal bedroht und schließlich tätlich angegriffen worden sein.

Vergangene Woche wurde in Wien ein lesbisches Paar nach einem Begrüßungskuss aus dem „Café Prickle“ geworfen (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und schon gibt es Berichte über einen weiteren Vorfall – mit offensichtlich homophoben Hintergrund.

Schwules Paar im Zug bedroht und attackiert

Wie das „V Magazin“ online berichtet, soll am Samstag ein schwules Paar im Zug nach Feldkirch bedroht und attackiert worden sein. Auf Facebook hat der betroffene junge Mann aus Dornbirn, Patrick S den Vorfall öffentlich gemacht.

So heißt es laut „V Magazin“ in dem Facebook-Post, der den Vorfall schildert:

„Vorgestern Nachmittag bin ich mit meinem Freund Zug gefahren. Verliebt wie wir nun mal sind haben wir uns geküsst. Daraufhin wurden wir, von zwei ca. Mitte 20 Jahre alten Moslems die im Abteil nebenan waren, ausgelacht. Danach fragten sie uns, ob es denn nicht genug Frauen auf der Welt gäbe. Mein Freund, weitsichtig und klug wie immer, sagte zu mir, wir sollen sie einfach ignorieren.

Das taten wir dann auch. Sie lachten weiter und redeten miteinander in einer Sprache die ich nicht identifizieren konnte. Irgendwann wurde es uns zu blöd und wir wechselten zu Plätzen am anderen Ende des Zuges. Als wir uns hinsetzten bemerkten wir das uns einer der Beiden folgte.

Er blieb neben uns stehen und sagte zu uns, falls wir uns noch einmal in der Öffentlichkeit küssen oder uns die Hände halten wird er uns verprügeln. Er sagte wir seien krank im Kopf und unser Leben sei unwert. Ich antwortete ihm das es nicht seine Sache sei. Daraufhin schlug er mir auf den Kopf und trat mir auf mein Bein. Er lief zum Anderen zurück und wir stiegen bei der nächsten Haltestelle aus.

Ob Moslem, Christ oder meinetwegen Buddhist, ist doch irrelevant, er handelte unabhängig seines Glaubensbekenntnisses. Anfeindungen gegenüber Homosexuellen gibt es schließlich in allen Kulturen. Trotzdem werden mein Freund und ich fast ausschließlich von Moslems aufgrund unserer Sexualität angepöbelt, geschlagen oder bedroht, mittlerweile bin ich mir sicher dass dies kein Zufall ist. „

Auf Nachfrage des Magazins erklärte der junge Mann, dass es nicht der erste erlebte Vorfall aufgrund seiner sexuellen Orientierung gewesen sei. So wurde er vor ein paar Wochen ebenfalls im Zug angepöbelt, jedoch sieht er die verbalen Beleidigungen mittlerweile gelassener:

„Obwohl ich mir öfters homophobe Beleidigungen anhören muss, stört es mich persönlich nicht wirklich, das ignoriere ich einfach”

 Homophobie unter MigrantInnen weiter verbreitet

Im Mai 2013 veröffentlichte die „Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA)” eine Umfrage zu Lebensrealitäten von LGBTs in Europa durch (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Das Ergebnis zeigte, dass Homophobie und Transphobie leider Alltag sind.

So fühlen sich fast 50 % der befragten LGBTs diskriminiert. 2 von 3 an der Umfrage teilnehmenden LGBT-Personen verbargen oder verheimlichten in der Schule ihre sexuelle Ausrichtung. Außerdem äußerten mehr als 80 % der UmfrageteilnehmerInnen aus allen EU-Mitgliedstaaten, dass sie sich an negative Äußerungen oder schikanöses Verhalten gegenüber LGBT-Personen während ihrer Schulzeit erinnerten.

26 % der LGBT-Personen, die an der Umfrage teilnahmen, waren in den vergangenen fünf Jahren tätlich angegriffen worden oder Gewaltandrohungen ausgesetzt. 66 % der Befragten in allen EU-Mitgliedstaaten wagen es nicht, in der Öffentlichkeit die Hand ihres gleichgeschlechtlichen Partners zu halten. Bei homo- und bisexuellen Männern lag der Anteil bei  75 %.

Eine repräsentative Untersuchung aus der deutschen Hauptstadt Berlin aus dem Jahr 2007 unter 1.000 SchülerInnen zeigte, dass Homophobie unter muslimischen Jugendlichen deutlich häufiger auftreten, als bei SchülerInnen mit einem anderen oder keinem religiösen Bekenntnis.

Auf einer Skala von 0 bis 4 drückten hohe Werte starke Homophobie aus. Jugendliche ohne Migrationshintergrund liegen bei 0,96 und jene mit türkischen Wurzeln bei 2,08. Der Aussage „Wenn ich wüsste, dass mein Nachbar schwul ist, würde ich lieber keinen Kontakt zu ihm haben“ stimmten unter den Deutschstämmigen nur 0,4 Prozent der Mädchen und 16,1 Prozent der Jungen zu. Bei den Türkischstämmigen waren es 21,1 % der Mädchen und 49,5 % der Jungen.

Abgefragt wurde auch die Aussage: „Wenn ich ein Kind hätte, das schwul oder lesbisch ist, hätte ich das Gefühl, in der Erziehung etwas falsch gemacht zu haben.“ Hier stimmten 5,7 Prozent der deutschen Mädchen und 26,9 Prozent der Jungen zu. Bei den türkischstämmigen Schülern waren es 59,2 Prozent der Mädchen und 69,8 Prozent der Jungen.

Für Studie Deutsch?Türkische Lebens? und Wertewelten aus dem Jahr 2012 wurden insgesamt 1.011 Personen mit türkischem Migrationshintergrund befragt. 51 Prozent stimmten der Aussage zu, dass Homosexualität eine Krankheit sei.

„WASt“: Studie zur Lebenssituation von LGBTIQs in Wien

In Wien läuft derzeit eine Umfrage der „WASt“ zur Erhebung der Lebenssituation von LGBTIQs. Die Teilnahme ist für in Wien wohnende LGBTIQs dringend empfohlen und dauert rund 20 Minuten.

Der Fragebogen wurde von ForscherInnen aus der lesbischen, schwulen, trans*gender Community in Zusammenarbeit mit der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen ausgearbeitet und hat daher ausdrücklich die Verbesserung der Lebenssituation von LGBTIs zum Ziel.

Der Fragebogen ist anonym, die Teilnahme ist freiwillig. Alle Ihre Angaben werden sorgfältig behandelt und mit wissenschaftlichen Methoden ausgewertet.

(Bild: sejanc – BY-NC-ND-2.0 – Flickr)
Anzeige
2 Comments
  1. […] Leider passieren auch immer wieder homophobe Hassverbrechen, einzig aufgrund der sexuellen Orientierung/geschlechtlichen Identität, wie erst im Jänner in Vorarlberg, als ein junger Schwuler von anderen jungen Männern mit Migrationshintergrund, wo leider Homophobie noch viel weiter verbreitet ist, bedroht und attackiert wurde (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

Leave A Reply

Your email address will not be published.

*

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.