Top 10 #Fail-Argumente der GleichstellungsgegnerInnen

Immer wenn es um die Gleichstellung von Lesben und Schwulen gehen, argumentieren GleichstellungsgegnerInnen mit Argumenten dagegen, die sich regelmäßig wiederholen und bei näherer Betrachtung eines gemeinsam haben: sie halten einer genaueren Betrachtung nicht stand und entpuppen sich als leere Worthülsen, die weder wissenschaftlich fundiert sind, noch sachlich haltbar sind.

Hier nun die „Top 10 #FAIL-Argumente“ von GleichstellungsgegnerInnen gegen die Ehe-Öffnung, die allesamt haltlos sind und bei einer näheren Betrachtung als ideologisch konstruierte Aussagen demaskiert werden, die einzig das Ziel haben, Lesben und Schwule weiterhin zu diskriminieren und ihnen die gleichen Rechte, wie der heterosexuellen Mehrheitsbevölkerung, vorzuenthalten.

  1. Natur: Es ist nicht natürlich.
    Es ist eines der Hauptargumente von GleichstellungsgegnerInnen, wonach die Ehe zwischen zwei Personen nicht dem Willen der Natur entspräche. Hier liegen bereits von Grund auf die GegnerInnen des Eherechts für Lesben und Schwule einem gehörigen Irrtum auf. Weder ist Homosexualität nicht natürlich, schließlich ist die gleichgeschlechtliche Orientierung bei vielen anderen Arten auf dem Planeten Erde wissenschaftlich nachgewiesen und belegt, noch ist die Ehe von zwei Personen des gleichen Geschlechts wider der Natur. Es wird kurzerhand ignoriert, dass die Ehe ein soziales Konstrukt ist, also eine  eingeführte und gesellschaftlich anerkannte Institution. Wenn also mit dem „Argument Natur“ gegen die Rechte von Lesben und Schwule argumentiert wird, so wird dahinter einzig und allein die Homophobie und Intoleranz kaschiert.
  2. Fortpflanzung: Die Ehe ist für die Fortpflanzung gedacht.
    Dies ist eines der weiteren beliebtesten Argumente gegen das Eherecht für gleichgeschlechtliche Paare. Hier wird ausgeführt, dass Ziel und Zweck der Ehe die Zeugung von Kindern ist. Dabei wird negiert, dass die Zeugungsfähigkeit kein Kriterium für die Eheschließung von heterosexuellen Paaren ist. Auch bleiben viele Ehepaare – gewollt oder ungewollt – kinderlos. Auch werden laut jüngsten Daten rund 50 % Kinder in nicht eheliche Familien geboren. Das Argument ist weiter haltlos, da viele Paare nicht zum Zweck der Fortpflanzung heiraten, sondern aus Liebe, Fürsorge und weil sie Verantwortung füreinander übernehmen möchten.
  3. Religion: Es ist gegen meine Religion (Weltanschauung).
    Bei jeder Debatte um das Eherecht treten die großen anerkannten Glaubensgemeinschaften auf den Plan und wettern gegen die Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare, begründen dies einerseits mit den Argument 1 und 2, sowie ergänzen dies um Argument 3, es ist gegen den Willen Gottes. Schließlich ist Homosexualität auch zB.  in der Bibel oder im Koran als Sünde festgeschrieben. Dabei wird negiert, dass es vielfältige Auslegungen dieser beiden Glaubensbücher gibt und bei wortwörtlicher Auslegung bestimmte Vorgaben aufgrund gesellschaftlicher Normen einfach nicht mehr wortwörtlich genommen werden. Weiters negieren Glaubensgemeinschaften und gläubige GleichstellungsgegnerInnen, dass in säkularen Staaten die Glaubensgemeinschaften keinen Anspruch auf die Definition der zivilrechtlichen Ehe haben. Die Eheinstitution der Glaubensgemeinschaften wird durch eine Neudefinition der zivilrechtlichen Ehe nicht berührt. Religiöse Ehedefinitionen dürfen nie die zivilrechtlichen Eherecht anderer beschneiden – tun sie aber derzeit.
  4. Neudefinition: Die Institution Ehe erfährt fälschlicherweise eine Neudefinition.
    GleichstellungsgegnerInnen argumentieren immer, dass die Ehe „schon immer“ eine Verbindung zwischen Mann und Frau gewesen sei und daher eine Neudefinition des Ehebegriffes verhindert werden müsse. Im geschichtlichen Kontext jedoch hat die Ehe öfters Neudefinitionen erfahren, mit verschiedenen Zuschreibungen für die Geschlechter oder dem Umstand, dass bei früheren Ehedefinition die Frau als das Eigentum des Mannes angesehen wurde. Auch war im geschichtlichen Kontext die Ehe zwischen verschiedenen Ethnien oder Eheschließungen von SklavInnen verboten (z.B. USA), bis dieses Verbot im BürgerInnenrechtskampf (in den USA durch den US Supreme Court im Jahr 1967)gekippt wurde. 1967 entschied der US Supreme Court, dass alle BürgerInnen unabhängig der Ethnizität das gleiche Eherecht haben. Für Lesben und Schwule gilt dies nicht, denn in der Mehrheit der US-Bundesstaaten dürfen gleichgeschlechtliche Paare, ebenso wie in der Mehrheit der Staaten weltweit, noch immer nicht heiraten, egal wie lange sie bereits ein Paar sind.
  5. Heiligkeit: Gleichgeschlechtliche Ehen sind eine Gefahr für die heilige heterosexuelle Ehe.
    GleichstellungsgegnerInnen behaupten weiters, dass die heterosexuelle Ehe eine heilige Institution ist. Dabei vermischen sie die Institution Ehe der Glaubensgemeinschaft mit der zivilrechtlichen Ehe und fordern deren Definition auch für die zivilrechtliche Ehe ein. Weiters wird in den Raum gestellt, dass die heterosexuelle Ehe in Gefahr ist, wenn Lesben und Schwule ebenfalls das Eherecht erhalten. So, als ob verschiedengeschlechtliche Eheleute sich scheiden lassen, um nun eine gleichgeschlechtliche Ehe zu schließen. Die Kriterien für das Funktionieren einer Ehe sind Liebe, Respekt und Bemühen, um den/die PartnerIn und nicht, ob nebenan ein gleichgeschlechtliches Ehepaar wohnt.
  6. Kinder: Es schädigt die Kinder.
    Während sämtliche wissenschaftlich anerkannte, uanbhängige und methodisch korrekt durchgeführte Studien und Untersuchungen das Gegenteil belegen, berufen sich GleichstellungsgegnerInnen bei der Argumentation gegen die Gleichstellung von Lesben und Schwulen auf Studien, die nachweislich nicht wissenschaftlich korrekt durchgeführt wurden und es den Anschein nach „Auftragsstudien“ sind, wo das Ergebnis bereits im Vorfeld definiert wurde. So wird auch immer wieder das Argument ausgeführt, dass Kinder eine Mutter und einen Vater für eine gesunde Entwicklung benötigen. Jedoch haben Kinder auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen Bezugspersonen von beiden Geschlechtern und  das gesunde Großwerden sowie Kindeswohl ist nicht von der Familienzusammensetzung, sondern von Liebe, Fürsorge, Geborgenheit abhängig.
  7. Diskriminierung: Gläubige Menschen werden diskriminiert.
    Ebenfalls in der Debatte um das Eherecht für Lesben und Schwule verdrehen einige GleichstellungsgegnerInnen die Tatsachen. So behaupten sie, dass durch die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, sie selbst diskriminiert werden, da ihnen die – ihrem Glauben entgegen stehende – Ehedefinition aufgedrängt wird. Auch dieses Argument ist haltlos, da – wie bereits zuvor geschrieben – es einzig um die zivilrechtliche Ehedefinition geht und die religiöse Ehedefinition davon nicht berührt ist. Glaubensgemeinschaften steht es frei, gleichgeschlechtliche Eheschließungen durchzuführen, jedoch werden sie dazu nicht verpflichtet.
  8. Ehe-Öffnung führt zu Mehrfachehen, Ehen mit Tieren, Kindern,…
    Mit diesem „Argument“ versuchen GleichstellungsgegnerInnen ein Szenario zu zeichnen, das von LGBT- und GleichstellungsaktivistInnen in keinster Weise gefordert wird und auch in allen Staaten, wo die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet wurde, nicht erfolgt ist. Viel mehr wollen Lesben und Schwule einzig das gleiche Recht haben, die Person, die sie lieben, heiraten zu dürfen, so wie diese Möglichkeit verschiedengeschlechtliche Paare haben.
  9. Eingetragene Partnerschaft: Eigenes Rechtsinstitut ist ausreichend.
    Viele GleichstellungsgegnerInnen sehen als „Ausweg“ für das Streben von LGBTs nach gleichen Rechten in der Einführung von eigenen Rechtsinstituten für gleichgeschlechtliche Paare – solange dieses nicht Ehe heißt. Damit sollten gleichgeschlechtliche Paare „eheähnliche“ Rechte und Pflichten erhalten (jedoch nicht die exakt gleichen Rechte). Dieses Argument ist jedoch ebenso haltlos, da zwei verschiedene Rechtsinstitute nie die Gleichstellung bringen können, die die Liebe von zwei Personen, unabhängig des Geschlechts/der sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität verdient. Die Trennung von Bevölkerungsgruppen in zwei verschiedene Rechtsinstitute zeigt, dass diese Bevölkerungsgruppen nicht gleichwertig sind und daher verschieden zu behandeln sind. Ähnliche Dinge zeigten sich in der Geschichte, wie beispielsweise in den USA während der Rassentrennung. George Clooney hat weitestgehend recht, wenn er sagt, dass der Kampf nach dem Eherecht für Lesben und Schwule „das letzte große BürgerInnenrechtsthema“ ist. Auch ist für den Fall, dass beide Rechtsinstitute mit gleichen Rechten ausgestattet sind, rechtliche schwierig, diese völlig gleich zu novellieren und letztlich bleibt es bei dem Faktum: 2 Rechtsinstitute = Ungleichbehandlung.
  10. Staaten haben das Recht, Gesetze zu erlassen.
    In Demokratien obliegt es dem Gesetzgeber, die Gesetze zu erlassen. Doch handeln die gewählten VolksvertreterInnen im Auftrag der BürgerInnen und sie haben die Aufgabe, alle BürgerInnen gleich zu behandeln. Für sie sollten die Grundsätze Freiheit, Gleichheit, Brüder-/Schwesterlichkeit gelten und all ihre Handlungen daran orientieren. Faktum ist jedoch, dass in vielen Staaten viele Regierungen und gewählte VertreterInnen ihre Haltungen und Handlungen gemäß den Punkten 1 bis 9 setzen und somit Punkt 10 ad absurdum führen. Der Staat muss dafür Sorge tragen, dass alle BürgerInnen, unabhängig von Ethnizität, Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung (Menschen mit besonderen Bedürfnissen) und Religion (Weltanschauung) die gleichen Rechte zugesprochen bekommen und Zugang zu den gleichen Rechtsinstituten haben, damit Ungleichbehandlung und Diskriminierung verhindert wird. Daran muss jedoch noch in vielen Staaten gearbeitet werden, damit wirklich alle BürgerInnen gleich behandelt werden.

Kurz gesagt: Es gibt KEIN einziges rationales und sachlich haltbares Argument gegen die völlige Gleichstellung von Lesben und Schwulen. Die Zukunft gehört der Gleichbehandlung aller BürgerInnen – auch im Eherecht. Daran – und das ist richtig so – führt kein Weg vorbei. Und sollte jemand gegen das Eherecht für gleichgeschlechtliche Paare sein, ist es ganz einfach: Heiratetet keine Person des gleichen Geschlechts. Punkt.

(adapt. Huffpost, Bild: makelessnoise – CC-BY-2.0 – Flickr)
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7 Comments
  1. Joshua says

    Okay, not right. Yes we live in another time, but you cannot just take things from the Bible I say that is what you will follow and this I do not care about. As a Christian you would have to follow the New Testament. Meaning No abortion, No Christmas (Jesus only ordered us to celebrate his death in Luke). But about homosexuality. Not ONCE does the Bible say homosexuality is ring as such. Only gay sex is wrong. So you can still be gay and kiss and hug your boyfriend or girlfriend. Only sex is forbidden.

    Yours The Bible reader

  2. […] Top 10 #Fail-Argumente der GleichstellungsgegnerInnen — Immer wenn es um die Gleichstellung von Lesben und Schwulen… […]

  3. Steff says

    Warum wird sich hier von Mehrfachehen abgegrenzt? Was wäre so schlimm daran, wenn man auch mehrere Personen heiraten kann, wenn man mehrere Personen liebt und sich nicht entscheiden möchte?

    Das ist einer der Gründe, warum ich diese ganzen Eheforderungen – auch wenn ich natürlich all deinen Argumenten zustimme und für Gleichberechtigung bin – nicht zustimmen kann. Viel sinnvoller und progressiver – bei so einer sturzkonservativen Angelegenheit wie der Ehe – wäre es doch, eine Möglichkeit der Absicherung für alle zu forden, unabhängig vom Geschlecht und Unabhängig von der Anzahl der Beteiligten. Wenn der Konsens erwachsener Menschen vorliegt, warum ist es verboten und warum grenzen sich schwullesbische Communitys davon ab?

    In den Anfängen der Schwulen- und Lesbenbewegung ging es mal um sexuelle Befreiung(!!!). Da hat niemand die Ehe gefordert, weil das eine patriarchale und heteronormative Institution ist. (Der Mann konnte bis 1977 den Job der Frau kündigen, wenn sie „ihre häuslichen Pflichten“ vernachlässgte! Bis 1996 war die Vergewaltigung in der Ehe straffei!) Jetzt ist jedoch die bürgerliche Fraktion am Zug und denkt, mit Eheöffnung und Adoptionsmöglichkeit fallen die letzten Bastionen und dann ist endlich alles gut. Nichts ist gut! Zahlen zu Homophobie in der Bevölkerung sprechen eine ganz andere Sprache. Und daran wird auch die Öffnung der Ehe nichts ändern. Die Foderung nach der Ehe ist Politik einer bürgerlich-konservativen Minderheit, die die Hetereosexualisierung von Homo- und Bisexualität vorantreibt. Nach den Motto: „Bloß nicht auffallen! Wir sind genauso normal wie ihr! Bitte bitte lasst uns an euren Privilegien teilhaben und genauso spießig werden wie ihr! Wir passen auch auf, dass keine anderen Bevölkerungsgruppen diese Rechte erhalt (= nicht-monogam lebende Menschen)“.

    Mehrfachbeziehungen sind in meinem Umfeld gelebte Realität! Und sich hier abzugrenzen, ist genauso ignorant als wenn heterosexuelle Leute sich von der „Homo-Ehe“ abgrenzen und sämtliche beknackte Argumente aus der Mottenkiste holen, die es so gibt. Es wäre schön, wenn schwullesbisch lebende Leute da weiter wären und nicht das gleiche mit Menschen machen, die in polyamourösen Konstellationen leben!

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  5. […] Mit diesen Aussagen handelt die ÖVP wider dem Kindeswohl und bedient sich ungeniert längst widerlegten “Argumenten” von GleichstellungsgegnerInnen. […]

  6. […] Mit diesen Aussagen und der betriebenen Politik handelt die ÖVP wider dem Kindeswohl und bedient sich ungeniert längstwiderlegten “Argumenten” von GleichstellungsgegnerInnen. […]

  7. […] wider dem Kindeswohl, wider einer weltoffenen Gesellschaft und bedient sich ungeniert längst widerlegten “Argumenten” von GleichstellungsgegnerInnen, die einzig versuchen, ihre Homophobie zu […]

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