Spanien: Kirche fordert Ende der Ehe für Lesben und Schwule

Im Jahr 2005 machte Spanien unter der sozialistischen Regierung von Premier José Luis Rodríguez Zapatero gegen den Widerstand der römisch-katholischen Kirche den Schritt in das 21. Jahrhundert und öffnete die Ehe für Lesben und Schwule. Nun regiert wieder die konservative Partei unter Premier Mariano Rajoy, die grundsätzlich gegen das Eherecht für gleichgeschlechtliche Paare ist. Die römisch-katholische Kirche wittert nun ihre Chance und will Spanien wieder gesellschaftspolitisch in vergangene Zeiten katapultieren.

Die römisch-katholische Kirche in Spanien maßt sich wieder an, sich in zivilpolitische Angelegenheiten einzumischen. Bei der begonnen Bischofskonferenz hat diese am Montag die konservative Regierung von Premier Mariano Rajoy „dringend“ aufgefordert, die Ehe wieder nach dem kirchlichen Begriff zu definieren.

Ehe muss „dringend“ repariert werden

Im Jahr 2005 öffnete Spanien unter der sozialdemokratischen Regierung von Premier José Luis Rodríguez Zapatero die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare – die römisch-katholische Kirche protestierte auf das heftigste und mobilsierte ebenfalls zu Großkundgebungen.

Am Montag nahm die Bischofskonferenz die nun regierende konservative Volkspartei in die Pflicht und forderte diesse auf, den Ehebegriff möglichst rasch zu korrigieren und Lesben und Schwulen das Eherecht wieder abzuerkennen.

Auch kritisierten die Bischöfe bei dieser Frage den mangelnden Reformwillen der Partei. Kardinal Antonio Maria Rouco zeigte sich verwundert, dass die Regierung noch immer nicht die „kirchenfeindlichen“ Gesetze der sozialdemokratischen Regierung rückgängig gemacht habe.

Kirche: „Schutz der Grundrechte von Kindern“

Weiters erklärte Rouco, dass der Staat die Ehe als eine Verbindung zwischen Mann und Frau und diese „Besonderheit“ wieder anerkennen müsse. Daher müsse das Gesetz geändert werden, da dies auch zum Schutz der Kinder erfolge:

„Es geht darum, die Grundrechte von Kindern zu schützen, die einen Vater und eine Mutter benötigen.“

Die Rechte von Kindern in Regenbogenfamilien scheint der Kirche in ihrer religiös-ideologischen Ablehnung von Lebensmodellen abseits des traditionellen Familien-/Ehebegriffs kurz gesagt, egal zu sein.

Recht auf Abtreibung „kirchenfeindlich“

Der römisch-katholischen Kirche scheinen die sozialen Herausforderungen, mit denen das Land zu kämpfen hat, relativ egal – auch wenn diese ebenfalls angesprochen wurden – zu sein, denn als zweite dringende Aufgabe an die Regierung stellte die Kirche die „kirchenfeindliche“ Fristenregelung.

Vor drei Jahren wurden die Abtreibungsgesetze liberalisiert, wogegen ebenfalls die Kirche heftig protestierte. Der damalige Premierminister Zapatero ersetzte die restriktive Indikationsregeglung durch eine modernere Fristenregelung, die den Frauen mehr Recht auf Selbstbestimmung einräumte.

Während die spanische Bischofskonferenz ihre Forderungen an die Regierung deponierte, wurde Premier Rajoy von Papst Franziskus empfangen – ebenfalls ein erklärter Gegner von Homosexuellen-Rechten (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

(Bild: scoobygirl – CC-BY-2.0 – Flickr)
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