Rechte Zeitschrift „Fakten“ hetzt gegen Lesben und Schwule

Nachdem die FPÖ in den letzten Monaten ihre intolerante und menschenverachtende Rhetorik gegen Lesben und Schwule verstärkt hat, kommt auch von ganz rechts ein neuer Schwall Homophobie. In der vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingestuften Zeitschrift „Fakten“ (Ausgabe 7-8/10) wird erneut gegen homosexuelle Menschen gehetzt und fragwürdige Aussagen getätigt.

Heute wurden thinkoutsideyourbox.net per E-Mail Screenshots der Zeitschrift „Fakten“ übermittelt, da sich diese in der Ausgabe 7-8/10 ausführlich mit dem Mitte Juli in Wien stattgefunden Life Ball, bzw der Anfang Juli durchgeführten Regenbogenparade beschäftigt. Auf mehreren Seiten wird ausführlich berichtet, wieso Homosexualität eine Sünde ist, eine Gefahr für die Kinder und die Gesellschaft oder „schräge Vögel“ ein Niedergang von Moral und Anstand sind.

Schwule Touristen in Wien…

Gleich zu Beginn wird kritisiert, dass sich Wien gemeinsam mit Berlin um schwule Touristen matcht. Gilt Wien doch als eines der beliebtesten Urlaubsdestinationen in Europa. Offensichtlich will aber „Fakten“ auf den enorm wichtigen Wirtschaftsfaktor, homosexuelle TouristInnen, verzichten.  Dadurch werden aber im Tourismus und in nachfolgenden oder auch vorgelagerten Branchen viele Jobs gesichert, zumal laut Studien homosexuelle Touristen deutlich mehr Geld im Urlaub ausgeben als heterosexuelle Touristen.

Dennoch: Homosexuelle Touristen in Wien? Unvorstellbar. Da werden lieber zahlreiche neue Arbeitslose riskiert, aber hauptsache homosexuelle Männer und Frauen kommen nicht in die schöne Donau-Metropole.

Burgtheater von Homosexuellen „okkupiert“

Ähnlich wie der selbsternannte Pornojäger Martin Humer stößt sich „Fakten“ auch daran, dass der Life Ball heuer neben dem Rathaus, auch im Burgtheater stattfand, sowie, dass im Parlament ein Galadinner samt Versteigerung abgehalten wurde. Humer demonstrierte neben dem Burgtheater gegen die „Schändung durch Homosexuelle„:

Die Folge dieses Missbrauchs wird sein, dass in Zukunft auch andere Vereinigungen das Burgtheater beanspruchen werden. Wir lassen nicht zu, dass die diversen ›Marktschreier‹ unsere kulturellen Einrichtungen vereinnahmen dürfen.

Ins gleiche Horn stößt nun die Zeitschrift „Fakten. Und so wird die Entehrung des Burgtheaters mit Genehmigung des Wiener Rathaus kritisiert. So heißt es:

„Das rote Wiener Rathaus, dem anscheinend nichts heilig ist, hat nun auch das Burgtheater dem Schwulen-Rummel ausgeliefert.“

Nicht nur, dass die Formulierung polemisch ist, ist der Life Ball in keinster Weise ein „schwules Event“. Der Life Ball ist Europas größtes Charity Event im Kampf gegen HIV/Aids und leistet einen wichtigen Beitrag, um Geld zu lukrieren. An einem Abend im Jahr können Menschen aus der Prüderei und Konformität ausbrechen und das ausleben, was sie wirklich fühlen – Extrovertiertheit und Freude am Leben.

In Bezug auf die Demonstration des Pornojägers Humer  samt ein paar „Greisen“ vor dem Burgtheater meint „Fakten“:

Aus ihren Lautsprechern hörte man den Protest gegen die Schändung von Burgtheater, Rathaus und Parlament, gegen die schamlose Propagierung sexueller Ausschweifungen und gegen die politischen Kreise, die Sitte und Menschen würde zu vergiften versuchen.

In weiterer Folge werden die Life Ball TeilnehmerInnen als „widerlich kostümierte Figuren“ bezeichnet. Nachdem die Kundgebung Humers ein Reinfall schlechthin, weil peinlich, war und selbst von Qualitätszeitungen mehr belächelt wurde, schreibt „Fakten“ weiter:

Wir sind anders! Wir haben den Mut zum Aufstand der Anständigen! Wir lieben das Burgtheater! Wir lieben die Kunst! Wir lieben sittlich Werte! Wir lieben Gott, wir glauben an ihn! Wir leisten Widerstand: Gegen Regietheaterchaoten! Gegen Diktatur des Häßlichen! Gegen Homo-Verherrlichungen! Gegen heillose und gottlose Politik.

„Fakten“ zum Life Ball: „Pfui Teufel“

Darüberhinaus ergeifert sich „Fakten“ daran, dass Medien wie beispielsweise „derStandard“, der im Gegenzug zur als rechtsextrem eingestuften Zeitschrift „Fakten“, die gesellschaftspolitische Bedeutung erkannt hat, ausführlich über das Charity-Event berichten. So heißt es:

Jetzt aber Schluß mit lustig, ihr Latex-Girls und Zeitungsschmieranksis! Wie armeslig seit ihr! Medienzaren besolden und kommendieren euch, daß ihr Menschen verspottet, die an Gott glauben und sittliche Werte verteidigen!

Für Fakten ist der Kampf gegen die Immunschwächekrankheit HIV/Aids jedenfalls kein Kampf für das Leben. In blinder Intoleranz und Hass auf Homosexuelle ist der Life Ball ein Ball nur für Schwule und Lesben:

Ball des Lebens nennt ihr das? Entstehen aus dem, was Homos treiben, Kinder und Leben? Sollen unsere Kinder, welche wir als Vater und Mutter aufziehen, denen, die sich der Zeugung und Erziehung von Kindern verweigern, einmal die Pension finanzieren?

Nun, ja! Denn die Leistung für eine Gesellschaft ist nicht einzig und allein auf das Zeugen und Großziehen von Kindern zu reduzieren. Lesben und Schwule leisten den gleichen Beitrag für die Gesellschaft wie andere. Oder würde jemand fordern, heterosexuellen Paaren die Pension zu streichen, nur weil sie keine Kinder in die Welt gesetzt haben? Resümee: Selten bescheuerte Annahme…

„Fakten“: „Weg mit den Regenbogenfetzen“

Dann wird in weiterer Folge gegen die alljährigen CSD-Paraden gewettert. Jene Paraden, die weltweit an die ersten Aufstände von Lesben, Schwulen und transidenten Personen in New York gegen Polizeigewalt und Diskriminierung erinnern, sowie eine bunte Demonstration für die gleichen Rechte darstellen.

Wir verlangen vom Bürgermeister unserer Heimatstadt Wien: Weg mit den Regenbogenfetzen der Schwulen und Lesben von unserer Straßenbahn! Weg mit den roten Schlingen von Rathaus, Burgtheater und Parlament! (…) Wir sagen, auch wenn uns die Herrschenden und das Gesindel verhöhnen: Wir sind normal – und das ist gut so!

„Wir sind normal – und das ist gut so“

Klaus Wowereit, amtierender Bürgermeister in Berlin, hat seinerzeit mit dem Ausspruch „Ich bin schwul. Und das ist gut so“ geoutet. Heute ist diese Aussage vielen Menschen bekannt und Wowereits Homosexualität ist im Großen und Ganzen nur für Ewiggestrige ein Problem.

„Fakten“ stellt die Fragen, auf welchen Druck hin Christopher-Street-Day-Paraden und „Homo-Paraden“ aus den USA nach Europa geschwappt sind.

Diese Frage sei einfach beantwortet: Durch Druck von Lesben, Schwulen, transidenten Personen und BefürworterInnen in allen Ländern, dass alle Menschen, unabhängig der sexuellen Orientierung, die gleichen Rechte, Wertschätzung, Toleranz und Akzeptanz erfahren. Dass dies in das Weltbild ewiggestriger Kreise nicht passt, ist wenig verwundertlich…

„Fakten“: „Homo-Paraden und Life-Bälle sind Schamlosigkeiten“

Abschließend wird zum Widerstand gegen die ausufernden „Homo-Umtriebe“ aufgerufen und stellt einen Vergleich mit Sexverbrechern dar. Übrigens: Gott bedroht die schamlosen Homosexuellen ohnehin mit Strafe…:

Wir  glauben an Gott. Wir glauben an einen liebenden Gott, der, wenn es not tut, auch straft. Die großen monotheistischen Religionen lehnen Homosexualität als sündhafte Verirrung ab. Widernatürliches stellt man nicht lustvoll zur Schau. Man hat ihm entgegenzuwirken. Auch sexbesessene Vergewaltiger heilen wir nicht, indem wir Notzuchtverbrechen straflos hinnehmen oder gar propagieren. Im Menschen neigt auch manches zum Bösen. (…) Unsere Aufgabe ist es, diese Triebe zu zähmen, nicht Wahn und Wollust zu steigern. Homo-Paraden und Life-Bälle sind Schamlosigkeiten. Denkt an Kinder, an Enkel!  Habt bitte auch Kinder! Aus Homo-Ehen kommen sie nicht! Wehren wir uns! Haben wir den Mut zum Aufstand der Anständigen! Was auch immer andere treiben, wir bleiben treu und bekennen:

Wir sind normal – und das ist gut so!

Das sind die per E-Mail übermittelten Ablichtungen aus „Fakten“ (Ausgabe 7-8/10):

Autor des hetzerischen und menschenverachtenden Artikels: Walter Marinovic

Wer hat denn nun diese Intoleranz verfasst und hetzt gegen eine ganze Bevölkerungsgruppe?  Walter Marinovic, von vielen als rechtsextrem bezeichnet und  im April 2009 Gastredner im Parlament auf Einladung von FPÖ-Nationalrat und 3. Nationalratspräsidenten, Martin Graf.

Marinovic ist ein ehemaliager Gymnasialleher und Publizist. Neben der vom DÖW als rechtsextrem eingestuften Zeitschrift „Fakten“ fungiert Marinovic auch in der ebenfalls als rechtsextremen eingestuften Zeitschrift „Die Aula“ und der NPD-Zeitschrift „Deutsche Stimme“ als Autor (laut Wikipedia).

Herausgegeben wird die Zeitschrift „Fakten“ von der „Partei Kritische Demokraten“ in Seebarn (siehe DÖW). Laut DÖW fungiert die Partei als Bindeglied zwischen der rechtsextremen und neonazistischen Szene und der FPÖ.  Ihr Vorsitzender ist Horst Jakob Rosenkranz. Rosenkranz ist der Ehemann von Barbara Rosenkranz, der letzten FPÖ Bundespräsidentschaftskandidatin. Jene FPÖ-Politikerin, die  eidestattlich erklären musste, dass sie das Verbotsgesetz nicht in Frage stelle. Ihr Ehemann, Horst Jakob Rosenkranz, wird vom DÖW wie folgt beschrieben:

Der ehemalige NDP-Aktivist und nunmehrige Vorsitzende der Kritischen Demokraten Horst Jakob Rosenkranz avancierte in den letzten Jahren zu einer der zentralen Figuren der rechtsextremen Szene und kooperiert mit einer Vielzahl einschlägig bekannter Gruppen und Einzelpersonen.

Vor wenigen Wochen hat sich die FPÖ-nahe Zeitschrift „Zur Zeit“, Herausgeber ist der FPÖ-EU-Parlamentarier Andreas Mölzer, darüber beschwert, dass „Wien Tourismus“ eigene „Gay-Packages“ anbietet. Auch Barbara Rosenkranz hat in der Vergangenheit von der Gefahr für die Gesellschaft gewarnt, wenn Lesben und Schwule eine „Homo-Ehe“ eingehen könnten. Selbst FPÖ-Bundesparteiobmann HC Strache hat in der Vergangenheit von der Krankheit Homosexualität gesprochen. Selbstverständlich müsse das fehlerhafte Partnerschaftsgesetz repariert werden – Lesben und Schwule haben viel zu viele Rechte bekommen…  Wie sich so mancher Kreis im rechten Lager schließt: Menschenverachtung, Hetze, Ewiggestrigkeit und Intoleranz scheint jedenfalls Programm zu sein im recht(spopulistisch)en Lager – egal wie weit rechts.

Hinweis in eigener Sache: Der Artikel beruht auf den übermittelten Screenshots und den daraus entnommenen Inhalten. Eine intensive Recherche lässt die Echtheit vermuten. Mangels „Fakten“-Abo und Verfügbarkeit im Internet, muss die Echtheit (vorerst) angenommen werden. Sollte sich diese nicht behaupten, wird Beitrag gelöscht und Aussagen/Kritik widerrufen.

(Alle Bilder: © Fakten 7-8/10)
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2 Comments
  1. Rubberinchen says

    Wer wohl zu den „Latexgirls“ gehört?

    Eschreckend ist, daß Mölzer im EU Parlament sitzt. Und dort Österreich mitrepräsentiert. Einerseits ist Österreich von den Einnahmen aus dem Fremdenverkehr abhängig, andererseits wettert man so gegen (potentielle) Gäste.
    Die tiefe Hetze gegen den Life Ball ist ein Symptom für das Herrenrassendenken vieler Rechtsradikaler, die am liebsten für HIV positive wieder T4 einführen würden.
    Den Haß auf die Regenbogenparade kann man verstehen, wenn man die „Buden“ und die „Brüderlichkeit“ der Burschenschafter kennt.
    Das Problem – so lange die katholische Kirche in Österreich noch diese Macht besitzt und das Netz der Burschenschafter bis in Ministerien und sogar ins Parlamentspräsidium reicht, so lange wird sich daran nichts ändern.

  2. […] Diesem Schritt müssen viele weitere folgen. Gleichzeitig haben sich in den letzten Monaten homophobe Ausritte von verschiedenen Kreisen gehäuft. Auch die Forderung nach einer “Reparatur” […]

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