Rat der britischen Muslime: Homo-Ehe „unnötig und nutzlos“

Nachdem der konservative britische Premierminister David Cameron die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule in dieser Legislaturperiode seiner Koalitionsregierung mit den Liberaldemokraten im Herbst 2011 ankündigte (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und die Gleichstellungministerin Lynne Featherstone den Regierungsentwurf zur Konsultation vorlegte (thinkoutsideyourbox.net berichtete), bezogen die „Curch of England“ (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und die katholische Kirche (thinkoutsideyourbox.net berichtete) klar  Stellung gegen das Ende dieser Diskriminierung . Nun bezieht auch der Rat der britischen Muslime gegen die Ehe-Öffnung Stellung und bezeichnet diese als „unnötig und nutzlos“.

Trotz der Kritik von Glaubensgemeinschaften und einer nach US-Vorbild gestarteten Kampagne (thinkoutsideyourbox.net berichtete) gegen die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule, legte die britische Regierung vor wenigen Tagen den Entwurf zur Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare vor.

Nun schaltet sich auch der Rat der britischen Muslime, dem 500 nationale, regionale und lokale Organisationen, Moscheen, Schulen und karitative Einrichtungen angehörten, in die Diskussion eingeschalten.

Rat der britischen Muslime: Homo-Ehe „unnötig und nutzlos“

In einer Stellungnahme verlautbarte der Rat seine Unterstützung mit der „Church of England“ und der katholischen Kirche, die bereits zuvor gegen die Gleichstellung von Lesben und Schwulen im Eherecht aufgetreten sind. Erst vor wenigen Tagen wurde in ca 2.500 Kirchen ein Hirtenbrief von den beiden Vorsitzenden der Bischofskonferenz verlesen, indem vor der Ehe-Öffnung gewarnt wird und diese als „ungemein radikaler Schritt“ bezeichnet wird (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Farooq Murad, Generalsekretär des MCB, zur Debatte um die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule:

„Während wir alle Formen von Diskriminierung ablehnen – inklusive Homophobie – so ist unserer Meinung nach die Neudefinition der Ehe unnötig und nutzlos.“

Für den Generalsekretär des Rats der britischen Muslime ist die Diskriminierung von Lesben und Schwulen bereits mit der Einführung der Eingetragenen PartnerInnenschaften (Civil Unions) beseitigt. In Anbetracht der Kultur und der langjährigen Prägung des Ehebegriffes wäre es daher falsch, die Ehe neu zu definieren.

Ehe-Definition obliegt der Glaubensgemeinschaft

Weiters erklärte er, dass im Islam die Ehe als eine Verbindung zwischen Mann und Frau definiert ist. Während der Staat Homosexuelle Beziehungen mit der Eingetragenen PartnerInnenschaft (Civil Unions) bereits als eheähnliche Verbindungen anerkennt, so werden die islamischen Institutionen Ehen zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts nicht segnen. Weiters heißt es:

„Wir haben vollkommenen Respekt für Schwule und Lesben und wir freuen uns sehr, dass es eine Eingetragene Partnerschaft gibt. Wir glauben, dass das Lesben und Schwulen alles gibt, das sie brauchen.“

Wie gütig. Eine Glaubensgemeinschaft, die die Ehedefinition für sich beansprucht, beaunsprucht auch für sich, zu wissen, was Lesben und Schwule brauchen. Ähnlich wie bereits die geäußersten, teils offen homophoben – Aussagen diverser anderer Glaubensvertreter der „Church of England“ oder der katholischen Kirche, beansprucht auch der Rat der britischen Muslime die Definition der Ehe für sich.

Alle Glaubensgemeinschaften sollen sich zur Trennung von Religion und Staat bekennen und daher sind Aussagen bzw. die Forderungen, wonach der Glaubensgemeinschaft das Privileg zufällt, den Begriff der zivilrechtlichen Ehe zu definieren, auf das Schärfste zurückzuweisen.

Diese Forderung ist weiters in einem säkularen Staat nicht haltbar, zumal selbst im Regierungsentwurf, der vor wenigen Tagen von der Gleichstellungsministerin Lynne Featherstone veröffentlicht wurde, ohnehin die Schließung von Ehen in religiösen Institutionen  explizit ausgeschlossen ist, selbst wenn die Glaubensgemeinschaft diese durchführen würden.

Dieser Ausschluss der Freiwilligkeit der Glaubensinstitutionen widerrum handelte ihr umgehend Kritik von LGBT-Organisationen ein, da dies keine Gleichstellung, sondern eine Fortsetzung der Diskriminierung sei.

Im Gegensatz zu verschiedenen Vertretern der „Church of England“ oder der katholischen Kirche hat der Rat der britischen Muslime sich keiner offen homophoben Rhetorik bedient. Das sollte durchaus erwähnt werden.

(Bild: Mayesha K – CC-BY-2.0 – Flickr)
Anzeige
8 Comments
  1. Peter says

    Die britischen Muslime versuchen zumindest dem Beitrag zufolge auch nicht, Einfluss auf die rechtliche Gleichstellung zu nehmen, sondern kündigen nur an, bzw bestärken, dass sie gleichgeschlechtlichen Paaren keinen Segen erteilen werden. Das ist bei weiten liberaler, als das Geplapper der katholischen Fundis. Denn die versuchen ja unentwegt, dem Staat und dem Gesetz ihre heuchlerische Moral überzustülpen.

    Wie immer: Ein bisserl differenzieren wäre nicht schlecht.

    lg/Peter

  2. thinkoutsideyourbox.net says

    @ Peter:

    Der Rat der britischen Muslime sagt sehr wohl, dass sie eine Neudefinition der zivilrechtlichen Ehe ablehnen.

    Jedoch – und das ist erwähnens- und lobenswert – sprechen sie sich klar gegen Homophobie aus. Das ist ein großer Unterschied zu den jüngsten Äußerungen von Vertretern der „Church of England“ oder der katholischen Kirche, die auf homophoben Fundamentalkurs geschalten haben.

  3. […] Rat der britischen Muslime: Homo-Ehe “unnötig und nutzlos” […]

  4. Azadeh Sepehri says

    Das ist ja ein großer Fortschritt! Nach islamischem Recht müssen Homosexuelle hingerichtet werden, undzwar auf einer sehr brutalen Art. Der Druck auf islamische Verbände und ihre Anhänger hat also gewirkt!

  5. […] Lauf lässt, hat der Rat der britischen Muslime sich dazu bekannt, dass Homophobie abzulehnen ist (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Dennoch beansprucht auch der Rat der britischen Muslime die Ehe-Definition für sich – was […]

  6. […] berichtete) oder der “Zentralrat der britischen Muslime” (thinkoutsideyourbox.net berichtete), die sich gegen die Ehe-Öffnung […]

  7. […] (thinkoutsideyourbox.net berichtete) oder auch der “Rat der britischen Muslime” (thinkoutsideyourbox.net berichtete) gegen die Ehe-Öffnung mobil und beanspruchten die Definition der Ehe für sich. Dabei erklärte […]

  8. […] Auch diese Argumentationslinie ist nichts neues, wurde sie doch schon in der Vergangenheit mehrfach von GleichstellungsgegnerInnen genannt. Darüberhinaus hat sich der “Rat der britischen Muslime” ebenfalls massiv gegen die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule ausgesprochen und diese im März 2012 für “sinnlos und nutzlos” erklärt (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

Leave A Reply

Your email address will not be published.

*

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.