Queerer Pop aus Wien: „pop:sch“ veröffentlichen Debütalbum

Glitzer, Glamour, Mut und Dreck – Die Band pop:sch veröffentlicht Debütalbum
Gastbeitrag von Jimmy Vienna

Wer aus Wien kommt, kennt sie unlängst. Der Rest der Welt wird sie bald kennenlernen. Die Band pop:sch. Im Juni diesen Jahres erscheint nun das Debütalbum der Vierer-Bande aus Wien, kommenden Mittwoch, am 27. April 2011 sind die vier in der Arena Wien beim Global 2000 / Rocken gegen Tschernobyl live zu sehen.

Nun könnte man das Lexikon der modernen Musikjournalistik aufschlagen und sich durch die Synonyme für Pop wälzen. Jeder Begriff wäre bestimmt treffend. Aber zu einfach. pop:sch, eine Band, die sich nicht darauf reduzieren lässt, wenn man ihr die Plattitüden des Genre nachträgt und man sie in den Topf der Hymnik, Harmonik und U-Musik wirft. pop:sch scheint zu gelingen, woran andere grandios gescheitert sind. Denn: Popmusiker plagiieren nicht selten, bekannte Themen und Motive wärme sie im Drei-Akkordgewitter immer wieder neu auf.

pop:sch dagegen schaffen sich eine eigene Authentizität in „plastikaler“ Musik . Obwohl auch sie Anleihen nehmen an Musik der 80er Jahre. Obwohl auch sie die Oszillatoren-Klänge bekannt erscheinen lassen. Aber analysiert man das musikalische Werk dieser Band, merkt man: alles ist ganz anders, ein eigener Stil des Elektro-Pops.

Die Band hat ihre Wurzeln im „anderen“ Wien, jenem Teil der Stadt, fernab der touristisch geprägten Klischees zwischen Walzer und Wiener Prater. In dem Teil, der nicht von Alltagsrassismus, Ausgrenzung und faschistoidem Gedankengut geprägt ist. Was in diesem Teil Wiens entsteht, hat Relevanz. Bedeutung. Und die Größe, dass es in jeder Metropole dieser Welt entstanden sein hätte können. pop:sch sind eine Wiener Band und doch losgelöst von aller folkloristischen Attitüde. Das Lebensgefühl ist queer, die Haltung politisch korrekter. Wenn es ein modernes Wien gibt, das Wien des Fortschrittes und der künstlerischen Relevanz, dann ist pop:sch ein Vertreter mehr, den es sich lohnt näher anzusehen. Obwohl sie Popmusik machen. Oder gerade weil sie Popmusik machen.

Denn blickt man auf die Geschichte des Pops, dann wird klar, dass pop:sch sich einer langen Tradition in der Popmusik annehmen: Politische Aussagen, die tanzbar sind. Sicherlich: innerhalb einer queeren Szene ist es nicht sonderlich relevant, darüber zu singen, das ein Typ einen Polizisten liebt, oder dass eine Frau mit einer anderen Frau Sex hat. Die Umwelt bestimmt den politischen Gehalt. Aber auch da setzen pop:sch an. Sie könnten zu Hause bleiben, in den altbekannten Clubs singen und sich feiern lassen. Aber die Themen Liebe, Sex und Partnerschaft, aber auch soziale Ungerechtigkeit müssen dorthin transportiert werden, wo noch Dogmen in den verhärmten Schädeln aufgebrochen werden müssen. Nicht umsonst werden pop:sch nach Ungarn reisen und dort ein Konzert geben. Das ist mutig.

Die Arbeit mit Suggestion und Reklame für das Thema, für eine Welt ohne Homophobie und ohne soziale Ungerechtigkeit – welche Band wagt sich schon an diesen Spagat! – wird seinen Wirkungsgrad erzielen. Und alle anderen, denen Texte von Prinzip her egal sind, bekommen elektronische Popmusik, deren musikalische Rafinesse, Detailverliebtheit und Verspieltheit außergewöhnlich ist. Und musikalisches Erlebnis mit einer Band, die Spaß und Freude verbreitet und die einen mitreissen kann.

Denn in pop:sch eine reine Polit-Pop-Band zu sehen, wäre wieder zu kurz gegriffen. Sie sind latent politisch, aber nicht ideologisch, es bleibt der Spielraum zur Interpretation. Und es gibt jenen Glitzer und Glamour, jene Dekadenz und Larmoyanz, jene Allüre, aber auch den Trash und Dreck, die wir an Popbands so lieben; weil sie sich dadurch vom Publikum so abheben und das sind, was man selbst sich nie zu wagen traut oder zu trauen wagt.

Das Album erscheint am 17. Juni 2011 bei Las Vegas Records. CD-Release im Anschluss an die Regenbogenparade im WUK.

Debütsingle von „pop:sch – shave“

Link: „pop:sch“ auf Facebook

(Bild: © pop:sch)
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