Polen: erster offen schwuler Bürgermeister

Robert Biedron (Bild: Adrian Grycuk - CC-BY-SA-3.0-pl)Im tief katholischen und konservativen Polen gibt es erstmals einen Bürgermeister, der aus seiner sexuellen Orientierung kein Geheimnis macht und zu seiner Homosexualität steht. Robert Biedron wurde in 90.000 EinwohnerInnen zählenden Stadt Slupsk in einer Stichwahl zum Bürgermeister gewählt.

Mitte November machten gerade einmal 498 Stimmen den Unterschied aus, dass Robert Biedron den zweiten Platz bei der Bürgermeisterwahl in der nordpolnischen Stadt Slupsk errang und so den Kandidaten der nationalkonservativen Partei PIS auf Platz 3 verwies.

Biedron gewinnt in Stichwahl

Am 30.11. schließlich fand die Stichwahl zwischen dem 39-jährigen Robert Biedron mit seiner Liste Nareszcie Zmiana (Endlich Wechsel) und dem liberalkonservativen Gegenkandidaten statt.

Bei der Stichwahl erhielt Biedron, der 2011 – ebenfalls als erster offen Schwuler – für die linksliberale Partei Twoj Ruch (Deine Bewegung) in den Sejm (polnisches Parlament) einzog,  rund 57 % der abgegebenen Stimmen und ist somit der erste offen homosexuelle Bürgermeister im tief konservativ-katholischen Polen.

Homophobe Beleidigung im Wahlkampf

Im Wahlkampf versuchte die in Polen mächtige katholische Kirche die Wahl von Robert Biedron zum Bürgermeister zu verhindern und kampagnisierte gemeinsam mit der nationalkonservativen PiS von Ex-Regierungschef Jaroslaw Kaczynski, in dem behauptet wurde, Biedron kämpfe gegen die Kirche.

Darüber hinaus sah sich der siegreiche Biedron im Wahlkampf mit homophoben Beleidigungen konfrontiert. So wurde er im Fußballstadion des lokalen Fußballvereins Griff Slupsk als „Schwuchtel“ beschimpft.

Langjähriger LGBT-Aktivist

Auch wenn es in Polen noch immer große gesellschaftliche Vorurteile gegenüber LGBTs gibt, die besonders von nationalistischen, konservativen Kreisen und der katholischen Kirche geschürt werden,  so ist die Wahl eines offen homosexuellen Politikers in das Amt eines Bürgermeisters ein weiterer Meilenstein am Weg zu mehr Toleranz gegenüber LGBTs.

Bereits 2001 gehörte Biedron zu den GründerInnen eine Kampagne gegen Homophobie und seitdem kämpft er für die Gleichstellung von Rechte von LGBTs.

Zwar gibt es seit 2003 ein Anti-Diskriminierungsgesetz, doch ein Rechtsinstitut zur Anerkennung von gleichgeschlechtlichen PartnerInnenschaft fehlt trotz zahlrecher Anläufe noch immer.

(Bild: Adrian Grycuk – CC-BY-SA-3.0-pl)
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1 Comment
  1. Deutsch-Pole says

    Ein Homosexueller und auch ein Atheist wurde durch die letzten Wahlen Bürgermeister. In Anbetracht der Reaktionen und Kommentaren in den deutschen Medien haben die meisten Polen ganz offensichtlich weniger Vorurteile als die meisten Deutschen über die angeblich so rückständigen und erzkonservativen Polen…

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