Papst-Vertreter ruft nach interkonfessioneller Koalition im Kampf gegen Homo-Ehe

Der apostolische Nuntius der katholischen Kirche in Großbritannien, Erzbischof Antonio Mennini begibt sich auf Fundamentalkurs und ruft dabei andere – allen voran die jüdische und muslimische – Glaubensgemeinschaften in Großbritannien auf, in einer Koalition gegen die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule zu kämpfen. In einer Ansprache an katholische Bischofe warnte der oberste Papst Vertreter in Großbritannien, dass die Glaubensgemeinschaften mit „mächtigen politischen und kulturellen Strömungen“ zugunsten einer Neudefinition der Ehe konfrontiert seien.

In seiner Ansprache vor katholischen Bischöfen von England und Wales bei ihrer Plenarsitzung in Leeds rief er die Bischöfe auf, dass sie sich auf eine „langwierige und wahrscheinlich schwierige Kampagne“ einstellen müssten. Weiters rief er dazu auf, wie der britische „Telegraph“ berichtet, eine Koalitionen mit anderen christlichen und auch anderen Glaubensgemeinschaften zu bilden, im gemeinsamen Kampf gegen die von der britischen Regierung von David Cameron und der schottischen Regierung angedachten Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule. So ergänzte Antonio Mennini:

„Ich frage mich, ob wir nicht fragen und nach mehr Unterstützung bei anderen christlichen Konfessionen und – in der Tat – bei Personen anderen Glaubens suchen sollten.“

Mennini wiederholte dabei die jüngsten Kommentare von Papst Benedikt XVI, der die Kirche mit „mächtigen politischen und kulturellen Strömungen“ zu Gunsten der Neudefinition der Ehe sieht.

Mennini weiters:

„Es scheint mir, dass in Bezug auf die Institution der Ehe und die Heiligkeit des menschlichen Lebens, wir mit der jüdischen Gemeinde, dem Oberrabiner und vielen bedeutenden Vertretern des Islams viel gemeinsam haben.“

Zweithöchster kath. Vertreter, Smith: Homo-Ehe-Pläne „gefährlich“

Die jüngsten Aussagen von Antonio Mennini kamen unmittelbar, nachdem der zweithöchste Geistliche der katholischen Kirche in England erst kürzlich sagte, dass es bereits „formale“ Kontakte mit jüdischen Gruppen gab, um eine gemeinsame Front gegen die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule zu bilden.

Die Bildung einer gemeinsamen Front gegen die Ehe-Öffnung sei notwendig, da die

„…Neudefinition der Ehe kein guter Dienst an der Gesellschaft sei und zu Verwirrungen führen werde.“

Weiters erklärte Erzbischof Peter Smith, dass die Pläne der Regierung zur Neudefinition der Ehe „gefährlich“ seien.

Rat der britischen Muslime: Ehe für Lesben und Schwule „unnötig und nutzlos“

Ob sich die Muslime auf die fundamentale Rhetorik der römisch-katholischen Kirche einlassen, wird sich zeigen. Im März schaltete sich auch der Rat der britischen Muslime in die Diskussion um die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule ein. Gleichlautend zur „Church of England“ und der römisch-katholischen Kirche lehnt auch die muslimische Glaubensgemeinschaft die Ehe-Öffnung ab.

Im Gegensatz zur „Church of England“ und der römisch-katholischen Kirche, die ihrer Homophobie und markiger Rehtorik freien Lauf lässt, hat der Rat der britischen Muslime sich dazu bekannt, dass Homophobie abzulehnen ist (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Dennoch beansprucht auch der Rat der britischen Muslime die Ehe-Definition für sich – was auf das Schärfste zurückzuweisen ist.

Farooq Murad, Generalsekretär des MCB, zur Debatte um die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule:

“Während wir alle Formen von Diskriminierung ablehnen – inklusive Homophobie – so ist unserer Meinung nach die Neudefinition der Ehe unnötig und nutzlos. (…) Wir haben vollkommenen Respekt für Schwule und Lesben und wir freuen uns sehr, dass es eine Eingetragene Partnerschaft gibt. Wir glauben, dass das Lesben und Schwulen alles gibt, das sie brauchen.”

Gleichstellungsministerin kritisiert Glaubensgemeinschaften

Die Glaubensgemeinschaften treten vielfach gegen die Ehe-Öffnung ein. Dabei besagt der von der Gleichstellungsministerin Lynne Featherstone vorgelegte Entwurf, dass gleichgeschlechtliche Ehe – auch wenn es die Glaubensgemeinschaft ermöglichen wurde – nicht von Glaubensgemeinschaften geschlossen werden können. Somit tangiert die zivilrechtliche Ehe die religiöse Eheinstitution in keinster Weise (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Gleichstellungsministerin Featherstone zeigte sich bei der Vorstellung des Entwurfs hocherfreut und  bezeichnete die Ehe als eine Feier der Liebe, die für jedermann und jederfrau offen stehen sollte:

“Ich glaube, wenn ein Paar sich liebt und sich verpflichtet will gemeinsam zu leben, sollten sie die Möglichkeit einer standesamtlichen Trauung erhalten, unabhängig von ihrem Geschlecht. Heute ist ein enorm wichtiger Schritt, da wir überlegen, wie das Verbot der Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare aufgehoben werden kann.”

Gleichstellungsministerin Lynne Featherstone bezeichnete die teils offen homophoben Äußerungen verschiedener Glaubensvertreter. So sagte sie:

“Hier geht es um Liebe und Verantwortung und das sind Dinge, die für die Gesellschaft und Familien gut sind. Es ist eine Angelegenheit der Liebe und Engagement. Ich habe homophobe Äußerungen in Zusammenhang mit diesem liebevollen und progressiven Schritt gehört.”

Außerdem erklärte sie weiter, dass die homophoben Äußerungen sie “an dunkle Zeiten” erinnere (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

(Bild: Vik Nanda – CC-BY-2.0 – Flickr)
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  1. […] vergangenen Monaten machten zahlreiche Glaubensgemeinschaften, wie die römisch-katholische Kirche (thinkoutsideyourbox.net berichtete), die “Church of England” (thinkoutsideyourbox.net berichtete) oder auch der “Rat […]

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