ÖVP-LH Pühringer: Gleichstellung von Lesben und Schwulen Abwertung der ‚heiligen Familie‘

Im Interview mit der Tageszeitung ‚DerStandard‘ erklärt der oberösterreichische ÖVP-Landeshauptmann Josef Pühringer, dass er strikt gegen die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen ist. Für ihn ist zwar Toleranz gegenüber Lesben und Schwulen angebracht, aber die gleichen Rechte wie heterosexuelle Personen und das heilige Maxim der ÖVP – die tradionelle Familie – darf nicht ‚abgewertet‘ werden durch die Gleichstellung von Lesben und Schwulen. Pühringer beweist damit erneut, wie reaktionär und offen diskriminierend die sich schimpfende Volkspartei ist.

Trotz EGMR-Urteils zur Stiefkindadoption (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und zahlreicher weiterer Höchstgerichtsentscheidungen in Österreich, die mittlerweile einige Gemeinheiten der ÖVP, die diese in das Gesetz zur Eingetragenen Partnerschaft hineinreklamiert hat, will die ÖVP nicht und nicht im 21. Jahrhundert ankommen und „kapieren“, dass Familie dort ist, wo Kinder sind und sich Personen liebevoll um diese kümmern.

Das neueste Beispiel liefert nun – nach der ÖVP-Justizministerin Beatrix Karl (thinkoutsideyourbox.net berichtete) – der oberösterreichische ÖVP-Landeshauptmann Josef Pühringer im Interview mit der Tageszeitung „derStandard„, wo er eindringlich vor der Gleichstellung von Lesben und Schwulen warnt.

Josef Pühringer: „Ich warne eindringlich vor Gleichstellung“

Im Interview lässt Pühringer seiner unfassbaren Intoleranz, auch wenn er von Toleranz gegenüber Lesben und Schwulen spricht, freien Lauf. Völlig realitätsfern und wider allen wissenschaftlichen Studien und Untersuchen zum Kindeswohl in Regenbogenfamilien oder in anderen Familienmodellen abseits des von der ÖVP als „heilig“ empfundenen tradionellen Familienbildes, bestehend aus Vater-Mutter-Kind(ern) wettert Pühringer gegen die Gleichstellung von Lesben und Schwulen.

Pühringer schafft es auf die Frage, ob die ÖVP nicht ihr Familienbild an die heutige Zeit anpassen sollte, selbst zu widersprechen. So erklärt er:

„Ich bin dafür, dass man niemanden ausgegrenzt und der freien Entscheidung Respekt entgegengebracht wird. Ich bin aber auch dafür, dass sich die ÖVP zu ihren Grundwerten bekennt. Unser Idealbild ist die Familie und bleibt die Familie mit Mutter, Vater und Kindern. Das zu sagen ist nicht uncool, sondern genau das Gegenteil.“

Spannend. Niemand solle ausgegrenzt werden, aber Lesben und Schwule und deren Kinder dürfen dennoch keine Familie sein. Wenn das keine Ausgrenzung ist, was ist es dann?

Im gesamten Interview nennt Pühringer keine einzigen Fakten, die die Verweigerung der gleichen Rechte für Lesben und Schwule und das rechtliche Zulassen von Familie sein untermauern. Ganz in Manier der Rechtspopulisten warnt Pühringer schließlich „eindringlich vor Gleichstellung“ und konstruiert erneut ein Bedrohungsszenario, das nicht besteht.

„Ich warne eindringlich vor Gleichstellung. Denn da wird das Grundbild abgewertet, das man anzustreben hat. Toleranz heißt nicht Gleichstellung. Toleranz heißt nur, dass ich akzeptiere, dass es das andere auch gibt. Es ist das Recht einer politischen Partei wie der ÖVP, familienpolitisch ein Ziel zu haben.“

Wieso wird ein Grundbild, nämlich das Grundbild der „heiligen traditionellen Familie und Ehe“ entwertet, wenn auch Lesben und Schwule Familie sein dürfen? Zahlreiche Länder in Europa zeigen dies seit Jahren mit der entsprechenden rechtlichen Absicherung und immer mehr Länder in Europa erkennen dies.

Pühringer: „Unser Ziel ist nun mal die tradionelle Familie“

Dennoch will die ÖVP – und das macht Pühringer deutlich – ihre ideologischen Scheuklappen nicht ablegen. Viel lieber wird weiterhin eine ganze Bevölkerungsgruppe einzig aus ideologischen Gründen ungleich behandelt. So legt er im Interview nach:

„Unser Ziel ist nun mal die traditionelle Familie. Wir haben großes Verständnis, wenn die mal nicht gelingt – also für Alleinerzieherinnen und so. Ich halte mich an die heilige Schrift: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Deswegen kann man aber nicht seine Idealbilder aufgeben.“

Idealbild ist, wenn Verantwortung für Kinder übernommen wird

Ein Idealbild ist nicht die traditionelle Familie, bestehend aus Vater-Mutter-Kind(er). Ein Idealbild ist, wenn sich ein Elternteile oder beide Elternteile unabhängig der sexuellen Orientierung fürsorglich und liebevoll um das Kinder oder die Kinder kümmern. Das ist Familie. Das ist Geborgenheit. Das ist das Beste für das Kind. Das ist Kindeswohl.

Exakt das beweisen tagtäglch viele Familien abseits des tradionellen – und der ÖVP heiligen – Familienbildes. Einzig das Verweigern der gleichen Rechte für alle Familien ist entgegen dem Kindeswohl. Stattdessen macht die ÖVP lieber Politik auf Zuruf der römisch-katholischen Kirche, die unter dem gestern aus dem Amt geschiedenen Papst Benedikt XVI offen homophob agierte und gegen die Gleichstellungsbestrebungen hetzte (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Das Verweigern der ÖVP, diese Realität anzuerkennen und allen Familien und Kindern Rechtssicherheit zu geben, ist nicht gegen das Kindeswohl. Das Beharren auf dieser Rechtsunsicherheit ist grob fahrlässig.

(Bild: Dieter Zirnig – CC-BY-2.0 – Flickr)
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5 Comments
  1. […] von SPÖ und Die Grünen nach der Öffnung des Adoptionsrechts und der Ehe für Lesben und Schwule (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Fern jeglichem sachlichen Argument verwies Pühringer auf die Bibel. Damit zeigte sich, dass die […]

  2. tuckenalarm says

    hm. ich finde, was der gute mann da ablässt ist, um seine worte zu benutzen, nicht

    „cool, sondern genau das Gegenteil.”

    gut, dass die sich alle selbst entlarven.

  3. […] etwa der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer in einem Interview in Der Standard (thinkoutsideyourbox.net berichtete), Wiens VP-Chef Manfred Juraczka (thinkoutsideyourbox.net berichtete), oder die Rechtspopulisten […]

  4. […] Josef Pühringer (ÖVP Oberösterreich-Obmann, Landeshauptmann): Gleichstellung von Lesben und Schwulen entwertet “heilige Familie”. Daher “warne ich dringend vor Gleichstellung”. […]

  5. […] Josef Pühringer (ÖVP Oberösterreich-Obmann, Landeshauptmann): Gleichstellung von Lesben und Schwulen entwertet “heilige Familie”. Daher “warne ich dringend vor Gleichstellung”. […]

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