Homophobie: Gewalttätige Übergriffe auf 1. CSD in Bratislava – inkl. Videos

Heute hätte der Duhovy Pride, die erste Regenbogenparade, in der slowakischen Hauptstadt Bratislava stattfinden sollen. Der geplante Kundgebungszug für Akzeptanz, Toleranz und die gleichen Rechte von Lesben und Schwule durch die Innenstadt wurde von (gewaltbereiten) Neonazis und Gegendemonstranten leider erfolgreich verhindert. Dennoch ist der Duhovy Pride ein „erster Sieg“ für Lesben und Schwule.

Der Duhovy Pride hätte heute der erste CSD in der Geschichte Bratislavas werden sollen. Stattdessen musste der ca. 1-stündige Demomarsch durch die Hauptstadt bereits vor Beginn aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Wie Queer.de berichtet, wurden zahlreiche Neonazi-Gruppen wurden in der Stadt gesichtet. Die Polizei konnte, nach 2 tätlichen Angriffen in der Stadt, die Sicherheit aller Paradenteilnehmer_innen nicht mehr gewährleisten. Stattdessen wurden die Paradenteilnehmer_innen gleich direkt zum geplanten Platz der Abschlusskundgebung gebeten, wo mehrere Reden abgehalten wurden.  Doch selbst am Platz der Abschlusskundgebung gab es Störaktionen von Gegendemonstranten, die sich unter die CSD-Teilnehmer_innen gemischt hatten.

Wie Yavuz Kurtulmus, Mitbegründer des lesBiSchwulen Migrant_innen-Vereins MiGaY gegenüber thinoutsideyourbox.net berichtete, wurden die 250 bis 500 Paradenteilnehmer_innen mit Tränengas beworfen. Ein anderer Augenzeuge widerum spricht davon, dass das Tränengas von der Polizei stammte, die an Gegendemonstranten gerichtet waren, da diese offensichtlich bis kurz vor die Bühne gelangen konnten. Wer durch die Stadt spazieren wollte, wurde „gebeten“, alle „lesBiSchwulen Symbole“ nicht sichtbar zu tragen, wie Kurtulmus weiter mitteilte.

Ulrike Lunacek mit Eiern und Steinen beworfen

Die Grüne Abgeordnete zum Europäischen Parlament und ehemals einzig offen lesbische Abgeordnete im österreichischen Nationalrat nahm ebenfalls an der Regenbogenparade teil. Während ihrer Rede wurde sie mit Steinen und Eiern beworfen.

Die Polizei war nicht mehr in der Lage, Lesben und Schwule in ausreichendem Ausmaß vor Übergriffen zu schützen, wie Medienberichte ausführen. Womöglich hat die Polizei die gewalttätigen Gegendemonstranten und Neonazis in ihrer Vehemenz und Gewaltbereitschaft schlicht unterschätzt. Laut einem Augenzeugen ist die Polizei zwar mit Vehemenz gegen die Gegendemonstranten vorgegangen, jedoch fehlte eine ausreichende Polizeipräsenz und ein koordiniertes Vorgehen. Dabei hätte die Polizei gewarnt sein müssen. Bereits im Vorfeld hatte der Vorsitzende einer rechten Partei dazu aufgerufen, die Teilnehmer_innen des CSD in Bratislava zu bespucken. So meinte er, dass er persönlich kommen werde, um Schwule anzuspucken. Weiters hat bereits vor einer Woche der deutsche Politiker Volker Beck die Polizei Bratislava davor gewarnt, die Gegendemonstranten so nahe an die Kundgebung zu lassen.

Polizei-Eskorte für Marsch der Teilnehmer_innen zur Pride Party

Nach dem Ende der Kundgebung wurden die Teilnehmer_innen von der Polizei zur geplanten After Pride Party auf einem Schiff begleitet. Wie Yavuz Kurtulmus um kurz nach 17 Uhr thinkoutsideyourbox.net berichtete, waren mittlerweile über 600 CSD-Teilnehmer_innen vor Ort. Sie trotzten den Drohungen der rechtsextremen Gruppierungen und marschieren unter Polizeischutz zur CSD-Party in einem Schiff an der Donau. Wenn schon kein Marsch durch die Innenstadt, so konnten Lesben, Schwule und Transgender wenigstens am Weg vom Kundgebungsplatz zur Afterparty öffentlichen Raum „besetzen“ und sichtbar Lebensfreude und Weltoffenheit demonstrieren.

Kundgebung dennoch ein „erster Sieg“

Auch wenn die Gegendemonstranten und die Neonazis den Marsch durch die Stadt verhinderten, so ist es dennoch ein erster Sieg: Ein erster Sieg für die Menschenrechte, für Lesben und Schwule. Ulrike Lunacek, am CSD Bratislava selbst mit Steinen attackiert, meint passend dazu folgendes:

Auf jeden Fall: die heutige Kundgebung, das Fest hier am Hauptplatz macht trotz der Bedrohung vielen Leuten, Mut. Und es ist ein erster Sieg, dass es überhaupt stattfindet, nach viel Druck von Seiten von EU-BotschafterInnen und auch von uns im EP: 6 MEPs der LGBT-Intergroup aus fünf Fraktionen hatten dem Bürgermeister geschrieben und „Bratislava Pride“ unterstützt.

Wie aufgeheizt die Stimmung auf Seite der (teilweise gewaltbereiten) Gegendemonstranten in Bratislava war, zeigen folgende YouTube-Videos.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=A8wTcGPpv9I]

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Han9wmHzmQ4]

Dieses Video stellt auch einen schönen Unterschied dar. Auf der einen Seite „dunkle“ Gestalten, auf der anderen Seite fröhliche Menschen, die Toleranz und Lebensfreude zeigen:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=PB4w1HwA5vk]

Laut Yavuz Kurtulsmus, MiGaY-Mitbegründer, wurden die Paradenteilnehmer_innen von 200 PolizistInnen, Hubschrauber und Polizei-Boot zum „Party-Schiff“ begleitet. Dieses wurde noch von einem Pyrotechniker uberprüft und erst dann freigegeben. Des weiteren hat die Polizei bis 2 Uhr Nachts für Polizeischutz gesorgt. Allen Teilnehmer_innen wurde angeraten, beim Verlassen der CSD-Party mit Taxi direkt zum Bahnhof, ins Hotel oder Nachhause zu fahren…

Letztes Update: 23.5. 2010 8:00 Uhr

(Logo: © Duhovy Pride)

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12 Comments
  1. Erik says

    Im Sinne der Objektivität möchte ich da eine alternative, weniger kronenzeitungauferegte Sicht anbieten, denn ich finde das leicht übertrieben. Was stimmt, ist, dass die Polizei tw. unterrepräsentiert war und eine schlechte Einsatztaktik hatte. Sie haben nur reagiert und nicht vorausschauend geplant.

    Das Tränengas war von der Polizei, die den ersten „Angriff“ (anscheinend konnten sie sich ungehindert bis unmittelbar vor die Bühne gehen) abgewehrt hat.

    Ein Gegenstand hat Ulrike Lunacek verfehlt. Der Täter wurde sofort äußerst brutal zu Boden getreten und verhaftet. Desgleichen drei Skins, die sich dem Boot der Afterparty zu sehr genähert hatten – auch sie wurden im Polizeigriff abgeführt.

    Die Polizei war schlecht vorbereitet, aber absolut nicht passiv oder untätig.

  2. thinkoutsideyourbox.net says

    Erik, danke für dein Feedback und deine Schilderung. Habe den Artikel nun mit deinen Schilderungen überarbeitet und upgedatet.

  3. Yavuz says

    Übertrieben finde ich die obige Darstellung gar nicht, denn die
    Polizei hatte heute tatsächlich einige Male falsch, verspätet oder
    nicht ausreichend reagiert. Der Staatssender STV meinte sogar, die
    Polizei selbst hattedarauf gepocht, den Umzug durch die Stadt
    abzusagen.

    Dass die Rauchbomben mit Tränengas (auch) von den Radikalen kamen,
    bestätigen auch slowakische Medien: „Medzitým vhodili radikáli medzi
    dav ?alšiu dymovnicu“, schreiben tvnoviny.sk, die übrigens auch davon
    berichten, dass zwei junge Männer wegen einer Regenbogenfahne beim
    Nationaltheater angegriffen waren und medizinisch betreut werden
    mussten. (Diese Angriffe kamen übrigens nachdem angekündigt worden
    war, dass der Umzug nicht stattfindet.)

    Es war teilweise schon schlimm, aber es war eben schön dabei zu sein,
    als Geschichte geschrieben wurde. Irgendwann muss ja Gleichheit
    beginnen.

  4. www.erstaunlich.at says

    Warum werden eigentlich alle die Homosexualität ablehnen, als Nazi oder Rechtsextremisten bezeichnet?
    http://www.erstaunlich.at/index.php?option=com_content&view=article&id=715:gibt-es-eigentlich-homosexuelle-nazis&catid=1:erstaunliches

  5. thinkoutsideyourbox.net says

    Mich wunderts immer wieder, dass du so gerne über homosexuelle Menschen und deren Streben nach Gleichstellungen, schreibst. ;-)

    Dein Beitrag ist wahrlich erstaunlich. Erstaunlich, dass du – anstatt die gewaltbereiten und gewalttätigen Gegendemonstranten zu verurteilen – eine böse „Theorie“ schmiedest, wonach alle die gegen homosexuelle Gleichstellung sind, gleich Nazis sind. Erstaunlich, denn das hat niemand behauptet. Erstaunlich, dass du mal wieder eine derartige Schlussfolgerung ziehst, die an den Haaren herbeigezogen ist.

    Man kann sich eine Welt und Argumente so zusammen zu deuten, die diese Ungerechtigkeit auch noch gerecht erscheinen lässt. Das ist traurige Tatsache…

    Und auch wenn du dir wünscht, dass homosexuelle Menschen mit weniger Vehemenz für ihr Anliegen eintreten, wird dies nicht passieren. Um’s überspitzt zu sagen: Wenn es dich stört, dann gebt „uns“ unsere vorenthaltenen Rechte und „ihr“ habt Ruhe von „uns“.

    Das slowakische Nachrichtenportal SME berichtete ebenfalls über die Duhovy Pride 2010. Via MiGaY:

    Verhaftet worden sind übrigens 29 Menschen, und es hat insgesamt 10 verletzte gegeben. SME schreibt, es habe um 16.42 uhr an der brücke einen tätlichen konflikt zwischen polizei und radikalen gegeben.

    Der berühmte slowakische Schriftsteller, Michal Hvorecký, der auch bei der Parade gesprochen hat, hat in SME auch folgendes geschrieben:

    „Während meiner Rede hatte es vor der Bühne Panik gegeben. Die Neo-Nazis hatten geschafft, zwischen die Menge Tränengas reinzuwerfen. Das habe ich im Laufe des Nachmittags mehrmals gesehen.“

    „Die ersten Flyer der Neo-Nazis über ihre Pläne wurden schon im März veröffentlicht. Was also überhaupt macht die SIS (der Verfassungsschutz), welche uns jährlich eine Milliarde kostet? Wieso konnte die Polizei durch den Angriff der Radikalen überrascht werden?“

    „Ich bin froh, bei der Parade teilgenommen zu haben, und sogar die Ehre hatte, aufzutreten. Eine große Zahl an Besucher hatte die Aktion unterstützt, mehr als ich mir dachte. Sogar meine Eltern sind gekommen. Bratislava hat sich als tolerante und moderne Großstadt gezeigt. Aber es hat sich auch wieder mal gezeigt, wie viele Menschen aus ihr gerne eine zurückschauendes, hassendes Provinzloch machen würden.“

  6. www.erstaunlich.at says

    ZITAT:
    Mich wunderts immer wieder, dass du so gerne über homosexuelle Menschen und deren Streben nach Gleichstellungen, schreibst. ;-)
    ZITATENDE:

    Ich finde nichts verwunderlich daran, denn dieses Thema gibt viel her. Leute (und dies gilt nicht nur für Homosexuelle) die sich derart aufdringlich in den Vordergrund drängen und andere Personen permanent zwangsbeglücken wollen, sind immer ein beliebtes Thema.

    Für die Themenfindung im homosexuellen Bereich ist Dein Magazin eine schier unerschöpfliche Quelle. Und das ist nicht negativ gemeint.

    ZITAT:
    Um’s überspitzt zu sagen: Wenn es dich stört, dann gebt “uns” unsere vorenthaltenen Rechte und “ihr” habt Ruhe von “uns”.
    ZITATENDE:

    Kennst Du das Märchen von der Fischersfrau??? Du solltest dies unbedingt lesen, dann weißt Du vielleicht was ich meine.

  7. www.erstaunlich.at says

    Korrekt heißt das Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“. Dass Du nicht lange suchen musst, habe ich Dir den Link herausgesucht.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Fischer_und_seiner_Frau

  8. […] Jahrhundert – ähm, vorigen Jahrhundert. Im Vergleich mit anderen (Nachbar)Staaten, wo z.B. CSD-Paraden von Neonazis bedroht werden, ist Österreich fast schon fortschrittlich. Die Bevölkerung jedoch mehr, als die […]

  9. […] gegen Homosexuelle“. Auch beim östlichen Nachbarn kam es der im Mai erstmals abgehaltenen CSD-Parade zu gewalttätigen Protesten. Bereits zuvor hat ein Politiker der Regierungspartei angekündigt gehabt, die […]

  10. […] kam es nur wenige Kilometer von Wien entfernt, in der slowakischen Hauptstadt Bratislava zu tw. gewalttägigen Übergriffen bei der ersten “Bratislava Pride”. Das gleiche Bild stellte sich auch in der […]

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