More of the same: Vatikan prolongiert Homophobie nach Familiensynode

Nach zwei Wochen der Beratungen der Bischofssynode über Ehe und Familie und vorab Jubelmeldungen in Mainstreammedien, ist nun klar, dass die römisch-katholische Kirche bei ihrer diskriminierenden und homophoben Grundhaltung gegenüber LGBTs bleibt. Selbst Papst Franziskus hat am letzten Tag heftige Kritik am römischen Bürgermeister geäußert.

Zwei Wochen lang berierten im Vatikan die Bischöfe bei der Familiensynode darüber, wie die Kirche sich refoermieren könne, um näher an den Lebenrealitäten von großen Teilen der Bevölkerung zu agieren. Auch stellte sich die Frage, wie die katholische Kirche mit geschiedenen wiederverheirateten Paaren oder mit Homosexuellen umgehen solle.

Im Laufe der Synode feierten diverse Mainstreammedien durchgesicherte Informationen als historischen Schritt und dass sich die Kirche Homosexuellen annähere. Doch schon bald wurde klar, dass die Berichte völlig verkehrt sind, denn konservative Geistliche wetterten bereits massiv gegen den kleinsten Schritt ins 21. Jahrhundert und kritisierten den Zwischenbericht.

Auch der katholische Theologe Dr. David Berger warnte in einem Beitrag davor, dass sich letztlich nichts ändern wird – auch wenn es Medien anders darstellen. Berger zog einen Vergleich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, da die Haltung der Kirche gegenüber Homosexuellen der homophoben Politik von Putin sehr ähnlich sei.

Vatikan prolongiert Homophobie

Letztlich haben die KritikerInnen recht behalten. Der Vatikan schloss jedwede kontroverse Frage bei der Anerkennung von Lebensrealitäten im 21. Jahrhundert aus, denn im vorliegenden Endbericht werden diese Fragen ausgeklammert.

Vorschläge, einen liberalen Text im Abschlussdokument zu verankern, fand keine notwendigen Zweitdrittelmehrheiten. So findet sich im Abschlussdokument kein einziges Wort zur Anerkennung von Homosexuellen. Dabei sollen auf Basis dieses Dokuments im kommenden Jahr die Haltung der katholischen Kirche formuliert werden.

Anstatt sich gegenüber Lebensrealitäten zu öffnen, bunkert die katholische Kirche weiter in der homophoben Vergangenheit hinter den Mauern des Vatikans und der Kirchenmauern weltweit. So beklagt die Synode eine

„Schwächung des Glaubens und der Werte, den Individualismus, die Verarmung der Beziehungen und ein frenetischer Stress, der das Nachdenken ausschließt“.

Auch wenn diese Formulierung keinen direkten Zusammenhang zu Homosexuellen beinhaltet, so lässt sich unter Berücksichtigung der Kampagnisierung gegen die rechtliche Anerkennung von Lesben und Schwulen im Eherecht, wo die Kirche regelmäßig die christliche Familie oder die Glaubensfreiheit bedroht sieht, erkennen, dass die Kirche reformunfähig ist.

Vielmehr prologniert sie die offen zur Schau getragene Homophobie, die auch unter Papst Franziskus seine Fortsetzung findet, der bekanntlich auch schon in seinem Heimatland gegen die Ehe-Öffnung wetterte (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Auch im Juli letzten Jahres bestätigte er die homophobe Doktrin, verpackte sie nur in neue Worte (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Zugleich beschlossen die Bischöfe am Samstag einen dreiseitigen Text zur Solidarität mit der christlichen Familie. Diese sei bedroht durch die „Schwächung des Glaubens und der Werte, den Individualismus, die Verarmung der Beziehungen und ein frenetischer Stress, der das Nachdenken ausschließt“. Diese „Botschaft“ enthält ebenfalls keinen direkten Verweis auf Homosexualität.

Kirche lädt homophoben Patriarchen zu Vortrag

Wie tiefgehend die Homophobie und die Verachtung gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe im Vatikan verankert ist, zeigt sich auch an der Einladung des Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche, Hilarion Alfejew.

Dieser hat vor der Familiensynode gesprochen, wie „queer.de“  berichtet, wo er die traditionellen Familienwerte lobte. Hilarion ist einer der vehementesten homophoben Zeitgeister, denn in der Vergangenheit hat er die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen PartnerInnenschaften in zahlreichen europäischen Staaten als „selbstzerstörend“ oder als ein

„Todesurteil für ganze Staaten“

bezeichnet. Auch forderte er, dass nach Vorbild des menschenverachtenden Anti-Homosexuellen-Gesetzes, ein Verbot von „Homosexuellen-Propaganda“ in ganz Europa eingeführt werden müsse.

Papst Franziskus kritisiert Roms Bürgermeister

Während der Familiensynode sorgte der römische Bürgermeister Ignazio Marino für Aufsehen, als dieser in Rom 16 im Ausland geschlossene Ehen von Lesben und Schwule anerkannte (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

So erklärte Papst Franziskus, dass er sich

„wenig erfreut zeigt, über den einen Vorstoß des römsichen Bürgermeister Ignazio Marino zugunsten der sogenannten ‚Homo-Ehe'“,

wie „Radio Vatikan“ berichtet. Auch habe der Papst diesen Vorstoß vor der Synode „gerügt„. Neben dem Papst rügten auch andere Bischöfe den Vorstoß des römischen Bürgermeisters.

Da Resümee von 2 Wochen Familiensynode: die römisch-katholische Kirche ist und bleibt eine der größten homophoben Bastionen im 21. Jahrhundert und versucht weiter vehement, in die Gesetzgebung von Staaten Einfluss zu nehmen.

 (Bild: dslrtravel.com – CC-BY-2.0 – Flickr)
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