Martina Navratilova: Ehe-Recht für Lesben und Schwule ist ein Menschenrechtsthema

In den vergangenen 14 Tagen fanden im australischen Melbourne die „Australian Open“ statt. Einer der größten Courts ist nach einer der größten australischen Tennis-Spielerinnen Margaret Smith Court benannt. Nach ihrer aktiven Karriere wurde sie Pastorin einer Kirche und trat zuletzt als vehemente Gegnerin des in Australien diskutieren Ehe-Rechts für Lesben und Schwule auf. Auf Facebook formierte sich Protest und auch die offen lesbische Tennis-Ikone Martina Navratilova verfasste einen offenen Brief an Margaret Smith Court.

Vergangenes Wochenende gingen die „Australian Open“, das erste der vier Grand Slam Tourniere, neben den French Open in Paris, den „All England Championships in Wimbledon (London) und den US-Open in New York zu Ende. Bei den diesjährigen Australian Open waren neben sportlichen Leistungen auch die diskriminierenden Aussagen von Margaret Smith Court, einer australischen Tennis-Ikone Gesprächsthema.

Nach ihrer aktiven Karriere wurde sie Pastorin einer evangelikalen Kirche in Perth und im Vorfeld der Australian Open erklärte Smith ihre Sichtweise zur in Australien diskutierten Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule. Für sie kann eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden. Gegenüber Medien bezeichnete sie gleichgeschlechtliche Beziehungen als „unnatürlich“ und „ungesund“.

Regenbogen-Protest am „Margareth Smith Court Arena“

Diese diskriminierenden und homophoben Aussagen, wonach gleichgeschlechtliche Beziehungen „ungesund“ und „unnatürlich“ seien, wollten viele nicht auf sich sitzen lassen. Auf Facebook wurde die Page „Rainbow Flags Over Margaret Court Arena“ gegründet und die BesucherInnen der Australian Open wurden aufgerufen, am Court mit Regenbogenfahnen gegen die diskriminierenden Aussagen zu protestieren und die Fotos auf Facebook hochzuladen.

Zahlreiche Facebook-UserInnen und BesucherInnen der Australian Open schlossen sich dem Protest an und zeigten „Flagge“ auf den Rängen der „Margaret Court Arena“ in Melbourne, wie beispielsweise dieses Foto zeigt:

Bildquelle: Facebook.com/RainbowsOverMCA

Der australische Tennisverband erklärte, dass die Meinung von Smith nicht jene des Tennisverbandes sei und distanzierte sich von den Aussagen. Martina Navratilova, ehemalige Nummer 1 des Damentennis und eine der größten Tennisspielerinnen aller Zeiten mit insgesamt 18 Grand Slam Titeln, verfasste einen offenen Brief an Margaret Smith, da sie sich von den Aussagen persönlich angegriffen und diskriminiert fühlte.

Navratilova: „Hast du dir ausgesucht, dass du Männer liebst?“

Der offene Brief der offen lesbischen Tennis-Ikone wurde im Herald Sun“ veröffentlicht. Hier nun der offene Brief in deutscher Übersetzung:

Liebe Margaret,

erinnerst du dich an das erste Mal, als wir auf dem gleichen Court standen?

Ich tue das sicher. Es war in Wimbledon. Ich war ungefährt 17. Du gingst auf den Clay Court um ein paar Aufschläge zurückzuschlagen und ich half dich, die Bälle aufzuheben. Ich erinnere mich, zu dir aufzuschauen. Du warst eines meiner Vorbilder und ich fühlte mich so privilegiert, auf dem gleichen Court mit dir zu sein, auch sei es nur als Ballmädchen.

Ich denke, deshalb schmerzt es mich jetzt wirklich, dass wir uns jetzt nicht Auge in Auge sehen können. Und während ich noch immer deine Leistungen auf dem Platz bewundere, bin ich sehr enttäuscht von deiner Unfähigkeit, mich als gleichberechtigt abseits des Platzes zu erkennen.

Es gibt so viel, was ich dir sagen möchte, aber es ist so wenig Platz und so versuche ich mich kurz zu fassen.

Schwulen und Lesben das Recht zum Heiraten zu geben, ist nicht nur ein Homosexuellenrechtsthema, es ist ein Menschenrechtsthema. Es geht um gleiche Rechte und Schutz durch das Gesetz für alle Menschen. Ganz einfach, es ist das Richtige zu tun. Es ist ganz sicher eine säkulare Frage und nicht eine religiöse.

Man braucht nicht ChristIn zu sein, um sich zu verlieben und heiraten zu wollen, Hetero oder Homo, sonst dürften auch AtheistInnen nicht heiraten, richtig? Die Ehe kann und ist oft eins religiöses Fests, aber rechtlich gesehen ist es ein Vertrag zwischen zwei Menschen, die einander versprechen, sich gegenseitig zu lieben.

In den USA gibt es mehr als 1.000 verschiedene Gesetze zum Schutz, die automatisch gelten, sobald ein Paar legal verheiratet ist. Schlicht und einfach einem Paar dieses Rechte aufgrund ihres Geschlechts verbieten, ist Diskriminierung.

Margaret, du sagst Kinder brauchen Vater und Mutter und dass alles andere inakzeptabel ist. Nun, schwulen und lesbischen Paaren das Recht zu Heiraten zu geben, bietet ihren Kindern, sowohl aktuelle als auch zukünftige, gleichen Schutz durch das Gesetz.

Wenn unsere Gesellschaft für starke Familien steht, warum dann sollen nicht auch homosexuelle Familien, die schon immer existiert haben und weiterhin existieren werden, die gleichen Rechte und Chancen erhalten, die heterosexuelle Paare schon immer hatten? Sollen die Kinder in diesen Familien emotional und finanziell unter dieser Ungerechtigkeit leiden?

Du stellst das gesamte Homosexuellen-Thema in religiöse Begriffe und zitierst die Bibel. Nun, ich bin keine Theologin, aber ich weiß, dass die Bibel in der Vergangenheit verwendet wurde, um Sklaverei zu rechtfertigen, farbigen Männern das Wahlrecht zu verwehren, Frauen das Wahlrecht zu verwehren und gemischt-ethnische Ehen zu verbieten.

Da wir nun alle wissen, dass die Bibel bei diesen Themen falsch lag und vielleicht noch viel wichtiger, die Fundamentalisten in der Geschichte immer und immer wieder auf der falschen Seite standen, scheint es mir, sie sind auch hier auf der falschen Seite, wenn es um gleiche Rechte für Schwule und Lesben geht.

Du sagst, es ist eine Wahl homosexuell zu sein. Meinst du zu sagen, du hattest Gefühle für Frauen als auch für Männer und hast dich für Männer entschieden? Das könnte die Gewissheit über die Frage erklären. Die Gefühle für ein bestimmtes Geschlecht sind ganz sicher keine Entscheidung, sie sind es einfach. Die Schmetterlinge, die dich im Bauch treffen, sind keine Entscheidung, sie sind einfach da. Die Wahl hist, ob man zu diesen Gefühlen steht oder nicht.

(Heterosexuelle) Personen fragen oft: Warum sind Menschen homosexuell? Ich sage, nun, warum sind Menschen heterosexuell? Es gibt hier sozusagen keine klare Antwort. Die menschliche Sexualität ist vielschichtig, komplex und recht flüssig; Gene spielen eine Rolle. Wie viel? Wer weiß? Aber das ist nicht der wirkliche Punkt.

Eines der vielen Dinge die du in deiner ablehnenden Haltung zum gleichgeschlechtlichen Eherecht sagtest, war, dass sich Australien in einem moralischen Niedergang befindet und uns (Anm. Lesben und Schwulen) die gleichen Rechte zu geben, diesen Niedergang fördern würde, sowie, dass du uns die Kennzeichnung unmoralisch umhängst.

Das tut wirklich weh. Ich versuche herauszufinden, in welche Periode der australischen Geschichte du zurückgehen möchtest. Vielleicht war es, als die ersten Verurteilten hierher gebracht wurden oder  vielleicht war es auch, als wohlhabende Landbesitzer nicht weniger als vier Stimmen hatten, oder, als Frauen überhaupt nicht wählen durfen, oder Frauen nicht Pastorinnen werden durften.

Ich habe wirklich eine harte Zeit, zu sehen, wie zwei Menschen, die einander lieben und ihre Liebe durch eine Zertifizierung Verantwortung füreinander übernehmen möchten und durch ihre Heirat, unmoralisch handeln sollen? Wirklich?

Ich sehe Australien als eines der besten Länder der Welt, eine Demokratie, die danach strebt, gerecht zu sein, eine Nation, die vor vielen Teilen der Welt historisch wurde, wenn es um Menschenrechte geht, und somit ein fantastischer Ort ist, zum Leben. Komm‘, denk darüber nach, warum ich hier nicht lebe. Ich meine, anders als die „Speed-Kameras“, was ist nicht Liebe?

„It’s time“-Kampagne für Ehe-Öffnung

Wenn schon nicht der Brief von Martina Navratilova Smith Court zum Undenken bewegen mag, ist’s vielleicht dieser Spot der „Marriage Equality“-Kampagne, die vor ein paar Wochen weltweit für Furore gesorgt hat. Dieser Spot zeigt, was Martina in Worte fasste. Es geht um Liebe und Verantwortung füreinander und Familie. Und das sind letztlich sehr traditionelle Werte, die in keinster Weise unmoralisch sein können. Schließlich befürworten auch 2/3 der AustralierInnen die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule.

(Bild: pinguino k – CC-BY-2-0)
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3 Comments
  1. […] warnte vor einem Verfall der Moral, wenn die Ehe für Lesben und Schwule geöffnet werden würde (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Nachdem sachliche Argumente fehlen, wird dann kurzerhand ein Bedrohungsszenario konstruiert, […]

  2. […] Martina Navratilova: Ehe-Recht für Lesben und Schwule ist ein Menschenrechtsthema […]

  3. Alice B. Springs says

    Thank you, Martina!

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