LGBT-Intergroup im EU-Parlament: Offener Brief an Lech Walesa nach homophoben Aussagen

Anfang März sorgte der ehemalige Präsident Polens und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa in einem TV-Interview mit homophoben Aussagen für Aufregung. Darin forderte er, dass LGBT-Abgeordnete nicht in den ersten Reihen des Parlaments sitzen sollten und Demonstrationen von LGBTs nicht genehmigt werden sollten bzw. wenn, dann nur am Stadtrand. Als erste Reaktion durften zwei LGBT-Abgeordnete in der ersten Sitzreihe des Parlaments während der folgenden Parlamentswoche Platz nehmen. Nun schrieben auch Abgeordnete des Europäischen Parlaments einen offenen Brief an Lech Walesa.

Vor einigen Tagen sorgte der Ex-Präsident Polens und Friedensnobelpreisträger für Aufregung, als er in einem TV-Interview anlässlich der Debatte über die Rechte von Lesben und Schwulen homophobe Aussagen tätigte, die einem Friedensnobelpreisträger nicht würdig sind, da er LGBTs offen fundamentale Grundrechte vorenthalten wolle (thinkoutsideyourbox.net berichtete). So sagte er gegenüber dem TV-Sender TVN:

„Ich will nicht, dass diese Minderheit, mit der ich nicht einverstanden bin, auf die Straßen geht und meine Kinder und Enkel verwirrt.“

Weiters legte Walesa dar, dass in seinen Augen LGBT-Abgeordnete im Parlament nicht in der ersten Reihe sitzen sollten, sondern entweder weiter hinten oder „hinter einer Mauer„.

Offener Brief von Abgeordneten zum Europäischen Parlament

Nachdem bereits Janusz Palikot, Gründer und Vorsitzender der linksliberalen Palikot-Bewegung ermöglichte, dass zwei LGBT-Abgeordnete in der ersten Reihe in der Parlamentswoche nach den homophoben Aussagen Platz nahmen (thinkoutsideyourbox.net berichtete), reagierten nun auch Abgeordnete zum Europäischen Parlament.

Die Abgeordneten der „Interfraktionellen Arbeitsgruppe zu LGBT-Rechten im Europäischen Parlament“ (kurz: „LGBT Intergroup“) verfassten nun einen Offenen Brief an Lech Walesa.

„Herr Präsident, Szanowny Panie Prezydencie,

Wir waren entsetzt, über die abfälligen Kommentare, die von Ihnen in der vergangenen Woche auf TVN über Homosexuelle gemacht haben,  zu lesen. Als Gesetzgeber waren wir persönlich schockiert, zu hören, dass ein Nobelpreisträger erklärt, dass homosexuelle Mitglieder des Parlaments „hinter der Mauer sitzen“ sollten.

Anständige Frauen und Männer in Polen werden nicht einverstanden sein und wir hoffen, Sie können diese voreingenommen Aussagen überdenken. Sie beleidigen nicht nur Minderheiten, sondern die Demokratie selbst und stehen im Konflikt mit Ihrer Höchstleistung als glühender Verteidiger der Demokratie, unter Berücksichtigung von allem, was Polen und Europa Ihnen schuldet.

Dies ist eine Frage der persönlichen Vorurteile anstatt der Generationsmeinung. Ihr ehemaliger Solidarnosc-Kollege Jerzy Buzek, erklärte als Präsident des Europäischen Parlaments zum Internationalen Tag gegen Homophobie, dass „Homophobie bedauerlich ist, weil es Menschen verunglimpft und sie ihrer Rechte auf Grundlager ihrer sexuellen Orientierung berauben soll“.

Er fügte hinzu: „Lassen Sie uns dafür sorgen, dass sich künftige Generationen von EuropäerInnen zu einer Kultur der Offenheit, Nichtdiskriminierung und Toleranz gewöhnt haben.“

Wir haben keine Zweifel, dass diese weisen Worte als Vorbild für Polen dienen werden.

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Cashman MEP, Co-Präsident
Ulrike Lunacek MEP, Co-Präsidentin
Sophie in ‘t Veld MEP, Vize-Präsidentin
Raül Romeva i Rueda MEP, Vize-Präsident
Sirpa Pietikäinen MEP, Vize-Präsidentin
Dennis de Jong MEP, Vize-Präsident

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