Krickler (HOSI Wien) attackiert LGBTI-AktivistInnen als PR-geile „arme Diskriminierungsopfer-Hascherl“

Der HOSI Wien, Österreichs älteste Interessensvertretung von Lesben, Schwulen und TransGender, ist mit Sicherheit viel zu verdanken. Eigentlich sollte die HOSI Wien ein von politischen Parteien unabhängiger Verein sein, doch in den letzten Monaten ist es immer schwerer geworden, diese Eigenschaft der HOSI Wien auch zu erkennen. Nun attackiert Kurt Krickler in den aktuellen LAMBDA Nachrichten LGBTI-Aktivist_innen und bezeichnet sie als „arme Diskriminierungsopfer-Hascherl“.

Als im Herbst letzten Jahres die Regierung von SPÖ und ÖVP das Gesetz zur Eingetragenen Partnerschaften auf den Weg brachten, regte sich in der lesBiSchwulen und transidenten Community massiver Widerstand. Beinahe die gesamte Szene rief zu einer Kundgebung auf, um gegen zahlreiche Ungleichstellungen und Diskriminierungen im Gesetz zu protestieren. Eine NGO schl0ss sich diesem Protest nicht an: die HOSI Wien. Stattdessen wurde Stimmung gemacht gegen die InitiatiorInnen und so wurde auch ein thinkoutsideyourbox.net-Artikel zur Haltung der HOSI Wien von Högl in einem Kommentar als „unfair und polemisch“ bezeichnet. Wenige Wochen zuvor retuschierte die HOSI Wien in einer Presseaussendung das Logo der „Grünen Andersrum“  vo einem Flyer für ein von dieser Partei gesponsertes Event . Weitere merkwürdige Überschneidungen hat Marco Schreuder, Sprecher der Grünen Andersrum bereits im Jahr 2008, gebloggt. In den aktuellen LAMBDA-Nachrichten entsteht nun erneut der Eindruck, als ob die HOSI Wien, die SPÖ Wien unterstützen wolle. Und Kurt Krickler attackiert zum „Drüberstreuen“ noch LGBTI-Aktivist_innen.

LAMBDA-Bericht über Regenbogenparade : „Bewerbung“ SPÖ-Aktion

In der ersten Ausgabe der LAMBDA-Nachrichten nach der 15. Regenbogenparade ist logischerweise der Schwerpunkt auf Berichte von und über den CSD gelegt. Allerdings: Es entstand schon bei der Parade der subjektive Eindruck, dass die Regenbogenparade mittlerweile immer mehr zu einer Werbeveranstaltung für die HOSI Wien und der SPÖ mutiert. Die HOSI Wien warb auf der Parade vordergründig für die Aktion „20.000 Handys für den Regenbogen“. Doch für welchen Regenbogen? Natürlich für die HOSI und deren neues Vereinslokal. Die SPÖ ist neben einem Wagen (so wie die Grünen Andersrum) auch mit der Aktion „Viele Gesichter“ vertreten. Soweit so gut. Und worüber wird nun im ausführlichen Artikel über die 15. Regenbogenparade berichtet? Über dieses und jenes und auch ausführlich über die SPÖ-Aktion „Viele Gesichter“.  Zufall? Eine wirklich effiziente und gute Interessensvertretung sollte keine Berührungen zu einer politischen Partei haben…

Kurt Kricklers verbaler Rundumschlag: „Arme, verfolgte Schrankschwule und Schrankwestern“

Krickler attackiert die Grünen Andersrum und Marco Schreuder in einem Kommentar frontal. Er kritisiert die Haltung der Grünen bei der Diskussion um das Zwangsouting bei Schließung einer Eingetragenen Partnerschaft, da das Gesetz Lesben und Schwule einen gemeinsamen Familiennamen verwehrt und ein Doppelname ohne Bindestrich geschrieben werden muss. Heterosexuelle Partnerschaften in einer Ehe dürfen dagegen sehr wohl ihren Familiennamen mit Bindestrich schreiben. Diese Regelung führt dazu, dass Lesben und Schwule die in einer Eingetragenen Partnerschaft leben und einen gemeinsamen Doppelnamen führen möchten, zwangsgeoutet werden. Es mögen in der Vergangenheit durchaus einzelne Vergleiche gezogen worden sein, die unpassend waren bzw. zu weit gegangen sind, doch dies rechtfertigt keinen derartigen verbalen Rundumschlag. Und so schreibt Krickler auf Seite 22 (pdf, 14,2 mb) der aktuellen LAMBDA-Nachrichten:

Bei den Grünen ist es leicht zu durchschauen, welche Ziele sie mit ihrer entsetzlichen anti-emanzipatorischen Rhetorik verfolgen: Für sie sind arme verfolgte Schrankschwule und Schranklesben natürlich leichter als Grün-WählerInnen bei der Stange zu halten als emanzipatorische Lesben und Schwule, die nicht (mehr) auf die Erlösung aus ihrer Unterdrückung durch die Grünen hoffen müssen. Daher haben die Grünen naürlich großes Interesse daran, uns ständig wieder besseren Wissen einzubläuen, wie arm und unterdrückt wir doch wären – und sei es nur durch eine belanglose Leerstelle wischen dem Doppelnamen.

Nicht nur dass Krickler damit Personen als Schrankschwule und Schrankschwestern beleidigt, er verteidigt damit schlicht und ergreifend die Tatsache, dass die SPÖ ein Gesetz verabschiedet und mitbestimmt sowie die HOSI Wien (in Teilen) unterstützt hat, das dafür sorgt, dass Lesben und Schwule durch das Verbot des Bindesstriches zwangsgeoutet werden. Auch wen es seit 2004 ein entsprechendes Antidiskriminierungsgesetz für die Arbeitswelt gibt, ändert dies nicht die Tatsache, dass die SPÖ und die HOSI Wien akzeptiert, dass Personen ihre sexuelle Orientierung zwangsläufig öffentlich machen müssen. Nachdem das Antidiskriminierungsgesetz jedoch viel zu kurz greift, weil kein Schutz vor Diskriminierung außerhalb des Arbeitsbereiches, ist ein Eintreten gegen diese ungleichstellende Regelung erst recht wichtig.

Zu argumentieren, dass dies wider der Emanzipation und Gleichstellungsbemühungen ist, ist Humbug zum Quadrat. In erster Linie geht es auch darum, gleiche Rechte zu erkämpfen. Nun eine ungleichstellende Regelung als Fortschritt und jene, die dagegen kämpfen, als Kämpfer für eine „unsichtbare Geheim-Ehe für Lesben und Schwule“ zu bezeichnen und zu meinen, der lesBiSchwulen Community damit nichts Gutes zu tun, ist schlichtweg untragbar. Die Aussagen von Krickler sind einem Interessensvertreter absolut nicht würdig.

Krickler attackiert LGBTI-Aktivist_innen

Doch Krickler geht nocht weiter und attackiert verschiedene AktivistInnen der lesBiSchwulen Szene, die gegen Diskriminierungen und für Gleichstellung kämpfen. So schreibt er – wohl auch in Bezug auf die im November stattgefundene Kundgebung gegen das ungleichstellende EPG sowie die durch das Rechtskomitee LAMBDA eingebrachten Klagen – weiter:

Ja, leider gibt es viele Homosexuelle, die ihre Identität als Opfer wie die Luft zum Atmen brauchen (…) Ausgerechnet sie präsentieren sich jüngst als arme Diskriminierungsopfer-Hascherl – dabei geht es ihnen in Wahrheit nur um PR in eigener Sache, sei es die Politikkarriere oder die Rechtsanwaltskanzlei.

Kurt Krickler hat sich damit als Vertreter der Interessen von Lesben, Schwulen und transidenten Personen in vollem Umfang disqualifiziert. Er argumentiert gegen die Interessen von zahlreichen Vereinen, NGOs und Privatpersonen die endlich das einfordern, was für heterosexuelle Menschen völlig normal ist: Gleiche Rechte. Es ist schade für die HOSI Wien, dass Personen wie er, wider dem eigentlichen Sinn von Interessensvertertungen und parteifreien Aktivist_innen argumentieren und versuchen, einzelne NGOs, Vereine und Privatpersonen gegeneinander auszuspielen und einen Keil in die Community zu treiben.

Vielmehr sollte Krickler froh sein, dass es einige Privatpersonen gibt, die im Interesse der ganzen Community, für die längst fällige Gleichstellung eintreten, Klagen einbringen und öffentlich Stellung beziehen. Mensch muss nicht gleicher Meinung sein, um die Aktivist_innen anzuspornen. Anstatt diese unqualifiziert zu beleidigen, sollte er jedeN ermutigen, noch stärkter für die Rechte von Lesben, Schwulen und transidenten Personen einzutreten.

Die HOSI Wien kann damit unter einem Obmann Högl und Generalsekretär Krickler, trotz aller Verdienste in der Vergangenheit, leider keine Interessensvertreterin mehr für alle Lesben, Schwule und transidenten Personen sein. Dafür braucht es eine personelle Erneuerung. Besser heute als morgen. Denn Trennendes kann und darf nicht vor Verbindendem stehen und letztlich treten „wir“ alle für das gleiche Ziel ein.

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3 Comments
  1. Christina says

    Also der Herr Krickler hat da schon ein paar Merkwürdige Ansichten…

    Ad Schrankhomos: Ich, beispielsweise, bin in jeder Lebenslage geoutet. TROTZDEM würde es mich ankotzen, wenn man an meinem Namen alleine erkennen könnte, daß ich lesbisch bin. Das hat doch was von Kennzeichnung und entbehrt jeglicher Rechtfertigung bzw. ist einfach nur abscheulich.

    Und was die „Opfersache“ angeht: Es geht um gleiches Recht für alle (und zwar sowohl aufgrund einzelner tatsächlich vorhandener Probleme als auch rein aus dem Prinzip heraus, daß wir dieselben Rechte wie alle anderen auch verdienen). Und da muß man an allen Fronten kämpfen. Ob man das nun über Klagen oder auf anderen Wegen erreicht, ist ja letztlich wurscht. Und da Menschen, die noch Ideale haben und sich bemühen, auf ihre Weise etwas dazuzutun, PR-Geilheit o.ä. zu unterstellen, find ich wirklich arg. Und wenn beispielsweise ein Helmut Graupner dadurch noch etwas mehr Popularität erreicht (die er, weiß Gott, nicht dringend nötig hat), dann gönn ich ihm das auch – soviel wie er (und natürlich all die anderen zB vom RKL) für die Rechte aller unter dem Regenbogen muß man erstmal leisten. Und das auch noch weltweit!

  2. […] Kurt Krickler eine Entgleisung, als er in den LAMBDA-Nachrichten LGBTI-AktivistInnen als PR-geile “arme Diskriminierungsopfer-Hascherl”. Damit disqualifizierte sich Krickler, der in der Vergangenheit – ebenso wie die HOSI Wien […]

  3. […] aber wenn schon eine Vertreter einer Interessensorganistaion andere LGBTI-AktivistInnen als “arme Diskriminierungsopfer-Hascherl” verunglimpft, wie dies Kurt Krickler in der Vergangenheit getan hat, dann ist eines […]

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