Katholischer Kardinal: „Homo-Ehe ein grotesker Irrsinn“

Die katholische Kirche ist erneut auf Fundamentalkurs. Diesmal wettert der Kardinal in Schottland, Keith Michael Patrick O’Brien gegen die vom britischen Premierminister David Cameron und dessen Regierung angedachten Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule. In einem Artikel in der britischen Zeitung „The Sunday Telegraph“ hetzt der Glaubensvertreter gegen Lesben und Schwule und bezeichnet die „Homo-Ehe als einen grotesken Irrsinn“ sowie einen Vorschlag einer „unaufrichtigen Regierung„. Weiters behauptet er, dass die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule eine „Zerstörung der allgemein anerkannten Menschenrechte“ wären.

Seit der britische Premierminister David Cameron im Herbst 2011 sagte, dass seine Regierung die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule plane (thinkoutsideyourbox.net berichtete), ist bei diversen christlichen Kirchen im „wahrsten Sinne des Wortes, Feuer am (Kirchen)dach. Und so begibt sie sich in immer kürzeren Abständen auf fundamentalistische Ansichten und hetzt mit immer dreisteren und sachlich nicht haltbaren Aussagen gegen Lesben und Schwule und deren Einfordern nach den gleichen Rechten, wie sie die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft bereits genießt.

Kardinal von Schottland, Keith Michael Patrick O’Brien: Homo-Ehe ein „grotesker Irrsinn“

Nachdem auch Schottland überlegt, die Ehe für Lesben und Schwule (unabhängig von der Regierung Cameron) zu öffnen (thinkoutsideyourbox.net berichtete), schaltete sich nun der oberste schottische Kirchenvertreter in die Diskussion ein. Für O’Brien wäre die Öffnung der Ehe „ein grotesker Irrsin von einer unaufrichtigen Regierung“ hetzte der Glaubensvertreter in der Sonntagsausgabe der britischen Zeitung „The Telegraph“.

So warnt O’Brien weiter davor, dass die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule einer Neudefinition des Ehe-Begriffes gleich käme, die große Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft habe. Dabei könne und dürfe die Ehe nur als eine Verbindung zwischen Mann und Frau definiert sein. Die Ehe sei eine fundamentale Basis der Gesellschaft und diese dürfe nicht unterwandert werden.

Mangels sachlicher Argumente findet der Kardinal eine „groteske Argumentation“ in den Menschenrechten, wieso die Ehe nur als eine Verbindung zwischen Mann und Frau zu verstehen sein könne. Und so wäre die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare eine Abwertung und eine Untergrabung der Ehe.

„Ihr Vorschlag (Anm: der Regierung) stellt einen grotesken Irrsinn und eine Zerstörung von allgemein anerkannten Menschenrechten dar.“

Dann konstruiert er wider aller wissenschaftlicher Studien und Untersuchungen, wonach die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule in keinster Weise die heterosexuelle Ehe gefährde, ein Bedrohungsszenario dar und behauptet, dass alle Kinder das Anrecht auf Mutter und Vater hätten. Damit negiert der Kardinal nicht nur die gesellschaftliche Realität, sondern stellt auch eine Behauptung auf, dass andere Familienformen für Kinder „nicht förderlich“ wären. Für den Bischof ist vor allem die „Gleichgültigkeit der Ehe“ in der Gesellschaft ein Problem.

„Es besteh kein Zweifel, dass wir als Gesellschaft der Bedeutung der Ehe gleichgültig gegenüber stehen und wir den stabilisierenden Einfluss der Ehe weniger schätzen.“

Als ob Lesben und Schwule und deren PartnerInnenschaften für die Scheidungsraten verantwortlich wären? O’Brien behauptet dann sogar auch noch, dass die gleichgeschlechtliche Ehe eine Gefahr für die Entscheidung von heterosexuellen Paaren, eine Ehe einzugehen und Kinder zu zeugen, darstellen könnten. So lässt sich folgende Aussage interpretieren:

„Gleichgeschlechtliche Ehe eliminieren vollkommen die rechtliche Grundidee von Vater und Mutter für jedes Kind. Es würde eine Gesellschaft geschaffen werden, die willentlich dem Kind die Mutter oder den Vater entzieht.“

O’Brien: Homo-Ehe führt zu Mehrfach-Ehen und homosexuellen Geschichten in Schulen

Doch noch hat der Kardinal nicht ausgiebig genug, verbal um sich geschlagen. So konstruiert er weitere Gedankengänge und warnt davor, dass die Öffnung der Ehe nur ein Zwischenschritt zu Drei-Wege-Ehen sein. So schreibt er:

„Weitere Gefahren bestehen. Wenn die Ehe neu definiert werden kann, dass diese nicht länger als eine Verbindung zwischen Mann und Frau gilt, sondern zwischen zwei Männern oder zwei Frauen, warum hier aufhören? Warum lässt man dann nicht zu, dass drei Männer oder eine Frau und zwei Männer eine Ehe bilden, wenn sie einander ihre Treue geloben?“

Schließlich behauptet der Kardinal dann auch noch, dass zukünftig in Schulen Kinder gezwungen werden, „homosexuelle Märchen“ zu lesen und diese in Bibliotheken aufliegen werden müssen.

Erst im Jänner hetzte der Bischof von York, John Sentamu, zweithöchster Würdenträger der britischen “Church of England”, gegen die angedachte Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Für den Bischof von York besitze die Kirche das Recht, die Ehe zu definieren, nämlich als eine Verbindung zwischen Mann und Frau. So erklärt John Sentamu im Interview:

“Ich glaube nicht, dass es die Rolle des Staates ist, zu definieren, was Ehe ist. Es ist  Tradition und Geschichte, und man kann das nicht über Nacht ändern, egal wie mächtig man ist. Wir haben Diktatoren in verschiedenen Kontexten gesehen und ich möchte ganz klare soziale Strukturen nicht neu definieren, die seit langer Zeit existiert haben und dann der Staat über Nacht glaubt, er könne diese in einem bestimmten Weg neu definieren.”

Das Übergehen der Kirche käme einer „Diktatur“ nahe, behauptete der Bischof.

Kirchenvertreter von Gläubigen weit entfernt

Nur gut, dass immer weniger ChristInnen diesen Fundamentalkurs von offiziellen Glaubensvertretern mittragen. Die Ipsos MORI-Studie, welche im Jahr 2011 durchgeführt wurde, zeigte, dass eine große Mehrheit jener britischen BürgerInnen, die sich als ChristInnen bezeichnen, es begrüßen würden, wenn alle BürgerInnen die gleichen Rechte erhalten – unabhängig der sexuellen Orientierung (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

So sagten 61 % der Befragten, dass homosexuelle Menschen in allen Bereichen ihres Lebens die gleichen Rechte erhalten sollten, wie dies die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft bereits hat. Nur 29 % lehnten eine Gleichstellung von homosexuellen PartnerInnenschaften ab. Fast 50 % der ChristInnen, die einer Gleichstellung negativ gegenüber stehen, gaben jedoch auch an, dass sie dies nicht aktiv ablehnen würden.

(Bild: Flickr – Dominic Alves – CC-BY-2.0)
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8 Comments
  1. […] Anfang März wetterte der Kardinal in Schottland, Keith Michael Patrick O’Brien gegen die vom britischen Premierminister David Cameron und dessen Regierung angedachten Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule. In einem Artikel in der britischen Zeitung “The Sunday Telegraph” hetzte der Glaubensvertreter gegen Lesben und Schwule, verglich die Homo-Ehe mit Sklaverei und bezeichnete die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare “als einen grotesken Irrsinn” (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  2. […] Anfang März wetterte der Kardinal in Schottland, Keith Michael Patrick O’Brien gegen die vom britischen Premierminister David Cameron und dessen Regierung angedachten Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule. In einem Artikel in der britischen Zeitung “The Sunday Telegraph” hetzte der Glaubensvertreter gegen Lesben und Schwule, verglich die Homo-Ehe mit Sklaverei und bezeichnete die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare “als einen grotesken Irrsinn” (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  3. […] Anfang März schaltete sich schließlich der schottische katholische Kardinal Keith Michael Patrick O’Brien ein, der die angedachte Einführung der Homo-Ehe für gleichgeschlechtliche Paare als “grotesken Irrsinn” bezeichnete (thinkoutsideyourbox.net berichtete): […]

  4. […] Nachdem bereits Bder ischof von York, John Sentamu, zweithöchster Würdenträger der britischen “Church of England” im Jänner gegen ein mögliches Eherecht für Lesben und Schwule wetterte (thinkoutsideyourbox.net berichtete), bezeichnete Anfang März der schottische katholische Kardinal Keith Michael Patrick O’Brien die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare als “grotesken Irrsinn” und konstruierte weitere Gedankengänge wie beispielsweise, dass die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule nur ein Zwischenschritt zu Drei-Wege-Ehen sein könnte. (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  5. […] Anfang März schaltete sich dann der schottische katholische Kardinal Keith Michael Patrick O’Brien in die Diskussion ein und bezeichnete Homo-Ehe für gleichgeschlechtliche Paare als “grotesken Irrsinn” und warnte darüberhinaus davor, dass die Ehe-Öffnung womöglich nur ein Zwischenschritt zu Mehrfach-Ehen (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  6. […] die “Curch of England” (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und die katholische Kirche (thinkoutsideyourbox.net berichtete) klar  Stellung gegen das Ende dieser Diskriminierung . Nun bezieht auch der Rat der britischen […]

  7. […] In einem Artikel in der britischen Zeitung “The Sunday Telegraph” hetzte der oberste katholische Glaubensvertreters Schottlands, Keith Michael Patrick O’Brien, gegen Lesben und Schwule und bezeichnete die “Homo-Ehe als einen grotesken Irrsinn” sowie einen Vorschlag einer “unaufrichtigen Regierung“. Weiters behauptet er, dass die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule eine “Zerstörung der allgemein anerkannten Menschenrechte” wären (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  8. […] dass Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ein “grotesker Irrsinn” sei (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Weiters erklärte er zur […]

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