Irland: JA zur Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule

Am 22. Mai waren die WählerInnen von Irland aufgerufen, um über eine Verfassungsänderung abzustimmen, die die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare öffnet. Bereits Samstag vormittag gaben die ersten Trends an, dass Irland die Diskriminierung von LGBTs im Eherecht beendet. Schließlich sollte es ein überwältigender Sieg für die Gleichbehandlung werden.

Sämtliche Umfragen vor der Wahl sprachen von einem deutlichen Sieg für die Öffnung der Ehe für alle, doch UnterstützerInnen warnten, dass gerade GleichstellungsgegnerInnen eher motiviert sein könnten, zur Wahlurne zu schreiten, als UnterstützerInnen (thinkoutsideyourbox.net berichtete). So konzentrierte sich die #VoteYes-Kampagne auch darauf, die Leute zu motivieren, ins Wahllokal zu gehen, denn: „It’s time!“ (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Schließlich sollten die Umfragen recht behalten und auch die UnterstützerInnen des Eherechts für gleichgeschlechtliche Paare gingen wählen, damit Irland als nächstes Land im 21. Jahrhundert ankommt und alle BürgerInnen unabhängig der sexuellen Orientierung/geschlechtlichen Identität gleichbehandelt.

62,07 % votierten für Ehe-Öffnung

Die Umfragen zum „Thirty-fourt Amendment of the Constitution (Marriage Equality) Bill 2015“ hatten recht. Eine überwältigende Mehrheit sprach sich für die Gleichstellung aller Iren und Irinnen im Eherecht aus.

Nach Auszählung aller 43 Wahlkreise beträgt die Zustimmung über 62,07 %, bei lediglich rund 37,93 % Nein-Stimmen.  Die Wahlbeteiligung lag bei 60,52 Prozent und somit für die bisherigen Volksabstimmungen sehr hoch.

Mit Ausnahme eines einzigen Wahlkreises, nämlich Roscommon-South Leitrim, bei dem es eine Mehrheit gegen die Öffnung der Ehe mit 51,48 Nein und nur 48,58 % Ja-Stimmen gab, votierten alle anderen Wahlkreise mit teils deutlichen Mehrheiten für die Gleichbehandlung von LGBTs im Eherecht.

Die knappste Entscheidung fiel im Wahlkreis „Donegal South-West“, wo 50,05 % Ja- und 49,95 % Nein-Stimmen gezählt wurden. Die mit Abstand größten Zustimmungen gab es in und um Dublin, wo teilweise über 70 % Ja-Stimmen gezählt wurden, mit der größten Zustimmungsrate von 74,91 % in „Dublin South-East“.

Bild: www.referendum.ie (19:19 Uhr)
Bild: www.referendum.ie

Bereits Vormitttag deutete alles auf ein „JA“

Nachdem am Tag der Volksabstimmung keine Auszählung stattfand und auch keine Nachwahlbefragungen durchgeführt wurden, wartete ganz Irland und alle, die für die Ehe-Öffnung eintreten, ganz gespannt, auf den Tag danach, wenn es darum ging, die abgegebenen Stimmen auszuzählen.

#MarRef #yesequality #proud #Ireland

Ein von @pammiheaney gepostetes Foto am

Bereits nach kurzer Zeit drangen über Twitter die ersten Trends nach außen, zahlreiche Zeitungen hatten einen „Live Ticker“ eingerichtet und diese bereiteten großen (Vor)freude, denn diese besagten, dass es ein deutliches JA werden würde.

Gegner räumte noch am Vormittag Niederlage ein

Doch nicht nur die UnterstützerInnen der Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule posteten bereits am Vormittag fleißig die erfreulichen Nachrichten. Der führende Gegner gegen das Eherecht für gleichgeschlechtliche Paare, David Quinn, Gründer des „Iona Institute“, einer katholischen Lobby-Gruppierung zum Promoten von heterosexuellen Familienwerten, räumte schon am früheren Vormittag seine Niederlage ein und gratulierte den #VoteYes-UnterstützerInnen.

Auf Twitter postete Quinn bereits um 11:00 Uhr Ortszeit und gratulierte der Gegenseite zum erfolgreichen Wahlkampf:


Politik feiert ebenfalls bereits am Vormittag

Auch wenn das offizielle Ergebnis erst am Nachmittag veröffentlicht wurde, hat auch die irische Politik bereits am Vormittag auf die ersten Ergebnisse reagiert. David Norris, unabhängiger Politiker, BürgerInnenren- und LGBT-Rechtsaktivist, zeigte seine Freude über die eintreffenden Ergebnisse, wie ein Tweet zeigte.

Auch die Justizministerin Frances Fitzgerald zeigte sich auf einem Bild mit dem LGBT-Aktivisten Leo Varadkar über die eintreffenden Ergebnisse sehr erfreut.

Und auch Eamon Gilmore (Labour Party) zeigte sich über die öffentlich werdenden Ergebnisse des Referendums:

Die stellvertretende Premierministerin Joan Burton erklärte anlässlich des JAs zur Ehe-Öffnung, dass das ein „großartiger Tag für die irische Demokratie ist„.

Einen sehr emotionalen Tweet setzte der Gleichstellungsminister Irlands, Aodhán Ó Riodáin ab:

Seit vier Jahren können Schwule und Lesben ihre PartnerInnenschaft zwar rechtlich eintragen lassen, eine wirkliche Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren blieb ihnen aber verwehrt. Mit der Annahme der Verfassungsänderung wird diese Ungleibechandlung in einem weiteren Land beendet.

Befreiung von der katholischen Kirche

Mit dem Referendum zur Ehe-Öffnung hat sich Irland von der katholischen Kirche emanzipiert, die massivst für die fortgeführte Diskriminierung von LGBTs im Eherecht eingetreten ist. Das sehen auch KommentatorInnen so, wie beispielsweise die Journalistin Lisa O’Carroll, die in einem Kommentar davon sprach, dass:

„die klare Ja-Abstimmung im gleichgeschlechtlichen Ehe-Referendum ein wichtiger Meilenstein ist, denn ist es ein Zeichen dafür, wie sehr sich das Land von den Lehren der katholischen Kirche befreit hat.“

Auch wenn Abtreibung in Irland noch immer illegal ist und Scheidung erst nach einem zweiten Referendum erlaubt wurde, ist das jetzige Ergebnis beispielgebend. Graham Norton, der für die BBC in Wien das Eurovision Song Contest-Finale moderiert, zeigte sich über das Ergebnis in Irland ebenfalls hoch erfreut und sprach auch davon, dass das Land eine Entwicklung genommen hat.

Forderungen in Deutschland, Österreich und Schweiz

Als erste Ergebnisse in Irland  bekannt wurden, wurde unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz wieder die Forderungen erhoben, dass auch im deutschsprachigen Raum Schluss mit der Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren im Eherecht sein muss.

Der deutsche „Lesben und Schwulenverband (LSVD)“ gratulierte Irland zu diesem Ergebnis und übte –  berechtigterweise – an der homophoben „Mutti“ Deutschlands, Kanzlerin Angela Merkel:

„In Deutschland verschanzt sich die Bundesregierung dagegen hinter angestaubten gleichheitsfeindlichen Denkmustern aus dem letzten Jahrhundert. Damit fällt Deutschland immer mehr zurück und isoliert sich bei der Ehe für alle weiter von der demokratischen Wertegemeinschaft. Kanzlerin Merkel will die Union weiter als homophobe Kraft profilieren, um Stimmen von Rechtsaußen an sich zu binden, und behandelt Lesben und Schwule als Staatsbürger/innen zweiter Klasse.“

Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte, dass seine Fraktion einen Antrag zur Ehe-Öffnung einbringen werde. Damit ist auch die SPD gefragt, ihr Wahlversprechen endlich einzuhalten.

„Pink Cross“ in der Schweiz gratulierte ebenfalls den Irinnen und Iren für dieses Referendum und erneuerten auch ihre Forderung nach Öffnung der Ehe in der Schweiz. Auch in Österreich erhoben SPÖ, die in der Regierung mit der ÖVP jedoch die Diskriminierungen seit Jahren mitträgt, erneut Forderungen nach Öffnung der Ehe. Auch die Grüne-EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek freute sich mit Irland, forderte aber auch umgehend, dass weitere Länder nachziehen:

„Nun ist es höchst an der Zeit, dass andere Länder -und allen voran Österreich – nachziehen!“

Und auch NEOS-Chef Matthias Strolz forderte erneut die Öffnung der Ehe in Österreich, welche von ÖVP, FPÖ und Team Stronach abgelehnt werden.  

Dublin Castle: UnterstützerInnen versammelten sich schon Vormittag für Feier 

Vor dem Dublin Castle versammelten sich bereits am Vormittag die UnterstützerInnen der Ehe-Öffnung, um auf die offizielle Verkündung des Ja-Votings zu warten und den Beginn eines neuen Zeitalters in Irland zu feiern.  Am Nachmittag, kurz vor Veröffentlichung des endgültigen Ergebnisses, ist der Platz vor dem Dublin Castle voll von Menschen, die an diesem historischen Tag Irlands dabei sein wollen.

In immer mehr Tweets ist zu sehen, dass die Liebe gegenüber Hass und Homophobie bei diesem Referendum auf der grünen Insel gesiegt hat. Gleichgeschlechtliche Paare zeigen, was ihnen dieser Sieg für die Gleichbehandlung bedeutet und zeigen öffentlich ihre Liebe.

Ehe damit 13 Staaten Europas geöffnet

Irland ist das erste Land weltweit, das mit einem Referendum die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare umgesetzt hat (in den USA erfolgte dies in einzelnen Referenden nur auf Bundesstaatsebene. Die jetzige Öffnung der Ehe ist umso bezeichnender, als Irland erst 1993 als eines der letzten westlichen Staaten Homosexualität entkriminalisiert hat.

Nun kann die politische Umsetzung dieses Verfassungsreferendums beginnen und bis zum Ende des Jahres werden die ersten Ehen von gleichgeschlechtlichen Paaren geschlossen werden können.

Nun verbleibt Nordirland die einzige Region auf den Inseln, wo LGBTs im Eherecht noch ungleich behandelt werden. Das Ergebnis wird jedoch den Druck auf Nordirland deutlich erhöhen, es Irland, England und Wales und Schottland gleich zu machen und die Ehe für alle zu öffnen. Auf Facebook wird bereits für eine Kundgebung in Belfast für den 30. Mai aufgerufen.

Irland steht als Beispiel für das Umdenken der Bevölkerung, denn immer mehr BürgerInnen erkennen, dass es für diese Ungleichbehandlung keine sachliche Rechtfertig ist und es nur eine Bezeichnung dafür gibt: Diskriminierung.

Mit Irland ist die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare nun in 13 europäischen Staaten erlaubt. Nächstes Jahr folgt Finnland, wo die Öffnung der Ehe bereits beschlossen ist und auch Slowenien öffnet womöglich demnächst die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Hier wurden erste Schritte bereits gesetzt.

Wann sind es endlich die deutschsprachigen Länder? Deutschland, Schweiz oder Österreich? Wann hören die Konservativen mit ihrer unsäglichen und offen homophoben Blockade auf? Eine überwältigende Mehrheit ist für die Ehe-Öffnung – nur die regierenden Konservativen „sind nicht bereit“ dafür.

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13 Comments
  1. […] Mit Irland öffnet ein weiteres Land die Ehe für Lesben und Schwule, kommt so gesellschaftspolitisch im 21 Jahrhundert an und setzt ein klares Zeichen, dass alle BürgerInnen unabhängig der sexuellen Orientierung die gleiche Würde, Respekt und Anerkennung verdienen (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  2. […] zuletzt das Referendum in Irland hat gezeigt (thinkoutsideyourbox.net berichtete), dass die „Ehe für alle“ zunehmend und gerade bei jungen Menschen als eine zentrale […]

  3. […] angenommene irische Referendum über die Öffnung der Ehe (thinkoutsideyourbox.net berichtete) hat der Debatte neuen Schub verliehen und die konservativen Regierungsparteien CDU und ÖVP (mit […]

  4. […] in der vergangenen Woche für die gleichgeschlechtliche Ehe in einem Referendum abgestimmt haben (thinkoutsideyourbox.net berichtete), ist in Deutschland die Diskussion um eine Einführung neu entflammt. Eine Petition des LSVD hat […]

  5. […] wenn in Irland die Volksabstimmung pro Ehe für alle ausgegangen ist (thinkoutsideyourbox.net berichtete), ist es falsch, wenn eine Mehrheit über die Grundrechte eine Minderheit abstimmen darf, doch die […]

  6. […] lange nicht mehr gab. Beflügelt vom historischen Volksentscheid in Irland zur Öffnung der Ehe (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und dem Urteils des US Höchstgerichts, das in allen 50 Bundesstaaten der USA die Ehe für […]

  7. […] dem irischen Volksentscheid zur Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule (thinkoutsideyourbox.net berichtete) ist auch im einzigen verbliebenen Land der britischen Inseln, wo es noch keine Gleichstellung […]

  8. […] In zwei Tagen wird der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck nach Irland zu einem dreitätigen Staatsbesuch reisen. Jenem Land, das vor wenigen Wochen in einem historischen Referendum für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gestimmt hat (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

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