Iranischer Menschenrechtskommissar: Homosexualität eine Krankheit

Der Leiter der Menschenrechtskommission in der iranischen Judikative Mohammad-Jawad Larijani bezeichnete am Samstag laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Fars Homosexualtät als Krankheit. Der Iran warf den westlichen Staaten vor, dem Iran eine neue Sicht auf Homosexualität aufdrängen zu wollen, wonach das Recht auf Eheschließung für Homosexuelle von der Menschenrechtecharte gedeckt sei. Für Larijani jedoch sei Homosexualität eine Krankheit und man sehe darin eine Sittenlosigkeit.

Die Aussage, wonach Homosexualität eine Krankheit seit und man diese daher nicht anerkennen könne, tätigte der Menschenrechtskommissar des Irans Larijani bei einem Treffen mit dem Vorsitzenden des deutschen Bundestagsausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, Tom Koenigs (Bündnis 90/Die Grünen) am Samstag in der iranischen Hauptstadt Teheran.

Larijani warf dem Westen vor, dem Gottesstaat eine neue Sichtweise zu Homosexualität und der gleichgeschlechtlichen Ehe aufdrängen zu wollen. Bis vor 20 Jahren sprach der Westen von der Krankheit Homosexualität. Am 17. Mai 1990 wurde von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) Homosexualtät aus dem Katalog psychischer Krankheiten gestrichen. Seither gilt dieser Tag als „Internationaler Tag gegen Homophobie (IDAHO). So fragt er:

„Wieso sollen wir eine Krankheit als neues Lebensmodell anerkennen, statt unsere Kriterien bezüglich Homosexualität beizubehalten und dementsprechend zu handeln?“

Larijani kritisierte die westliche Staatengemeinschaft nun dafür, dass nun, wo der Westen Homosexualität nicht mehr als Krankheit bezeichnet, dem Iran diese „Ansicht“ aufdrängen zu wollen. Für Larijani ist jedoch Homosexualität eine Krankheit und für einen Sittenverfall verantwortlich:

„Der Westen sagt, dass die Ehe von Homosexuellen laut Menschenrechtscharte frei und erlaubt sein soll, aber wir sehen darin Sittenlosigkeit und sexuelle Krankheit.“

Homosexuellen droht Todesstrafe im Iran

Im islamischen Gottesstaat ist Homosexualität verboten und homosexuelle Akte sind mit drakonischen Strafen, die bis zur Todesstrafe reichen, bedacht. Vor zwei Jahren sagte der iranische Präsident, Mahmoud Ahmadinejad, dass es im Iran keine homosexuelle Personen gäbe. Dafür erntete er ebenfalls weltweit heftige Proteste. Dass die strenge Gesetzgebung und Verfolgung von Homosexuellen stattfindet, belegen Berichte von Hinrichtungen Homosexueller, wie beispielsweie aus dem Jahr 2005 (Titelbild).

2009 war die Menschenrechtlerin Mina Ahadi einer Einladung des Schwulenreferates an die Trierer Universität gefolgt, um über die Situation homosexueller Männer und Frauen im Iran und im Islam zu berichten. Der „Humanistische Pressedienst“ berichtet darüber. Hier ein Auszug:

„Im iranischen Strafgesetz gilt für Muslime wie Nichtmuslime: Der aktive Homosexuelle wird hart bestraft: Der Artikel 110 der „Hadd-Strafen wegen Homosexualität“ lautet: „Die Hadd-Strafe für Homosexualität in der Form des Verkehrs ist die Todesstrafe. Die Tötungsart steht im Ermessen des Richters.“ Doch schon „wer einen anderen aus Wollust küsst, wird mit einer Ta’zir-Strafe von bis zu 60 Peitschenhieben bestraft“ (Artikel 124). Bei lesbischer Liebe erfolgt die Todesstrafe erst bei der vierten Wiederholung.

Ein wesentliches Problem besteht, so Ahadi, auch darin, dass das iranische Strafgesetz mitunter zahmer ausfällt als die Realität. Nicht immer müssen vier andere „rechtschaffene Männer“ (Arikel 117) bezeugen, dass sie den homosexuellen Verkehr mit eigenen Augen gesehen haben – oftmals werden Menschen als homosexuell diffamiert, um einen Hinrichtungsgrund zu haben. Homosexuelle werden immer wieder von der Polizei festgenommen, gefoltert und mit Exekution bedroht. Auch wird nicht immer Homosexualität als Hinrichtungsgrund bekannt gegeben, sondern den Männern wird offiziell unterstellt, sie hätten Kinder missbraucht und vergewaltigt. Aber, obwohl Schwule wenig oder keinen Rückhalt haben, als Hinrichtungsgrund wird Homosexualität in der Bevölkerung nicht akzeptiert.

Der Hauptgrund für die Verfolgung und Hinrichtung von Homosexuellen ist, so Ahadi, der Versuch des politischen Islam, in der Bevölkerung Angst auszulösen. Menschen, die gesellschaftlich in einer schwachen Position sind, wie Homosexuelle, wie ehebrechende Frauen, werden öffentlich hingerichtet, um alle anderen über die Angst zu beherrschen.“

Homophobie kein rein islamisches Phänomen

Wer glaubt, dass Homophobie einzig in islamischen Ländern vorherrscht, irrt. Auch in einigen westlichen Kreisen und Gruppierungen wird gegen Homosexuelle gehetzt und teilweise sogar die Wiedereinführung des Straftatbestandes der Homosexualität gefordert. Beispielsweise die römisch-katholische Kirche und andere klerikalen Kirchen wettern in regelmäßigen Abständen gegen Lesben und Schwule. Die homophobe Westboro Baptist Church hetzt ebenfalls ständig gegen Lesben und Schwule. In den USA beispielsweise erhoben sogar die Republikaner von Ex-Präsident George W. Bush im US-Bundesstaat Texas die Forderung, Homosexualität wieder unter Strafe zu stellen (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche Papst Benedikt oder der Parteiobmann der FPÖ, HC Strache, sprachen in der Vergangenheit ebenfalls von der Krankheit Homosexualität (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Für den Papst ist Homosexualität ein Anschlag auf die göttliche Schöpfungsordnung. Der ehemalige Obmann der Partei „Die Christen“, Alfons Adam, (heute „Christliche Partei Österreich“ bezeichnete im Jahr 2008 Homosexualität als Krankheit.

(Bild: isna.ir)
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3 Comments
  1. Vito says

    Man braucht vier religiöse Zeugen vor Gericht zu stellen, die den Schwulen bezichtigen, den geschlechtlichen Akt sittenwidrig begangen zu haben, um dem Urteil den Gang zu öffnen. Im allgemeinen gescheht gar nichts, da es nicht einmal annäherd glaubw#rdig nur klingt, dass religiöse Menschen während Ehebrüche oder gleichgeschlechtliche Umtäusche dabei anspähend sind.
    Dass eine Frau sich mit einer anderen im Iran zärtlich verhält ist dagegen nichts ungewöhnlich oder schandeerregend.
    Nur die sittliche Verleitung des Nächsten wird in Iran verdammt, wenn sie vorsatzmässig und gewalttätig ist.
    Shakineh Ashtihani, zum Beispil, wurde doch wegen Ehebruch gerichtlich belangt, aber sie hatte dafür den eigenen Mann zuerst mittels einem Meuchelmörder töten lassen. Welches Gesetz, religiöses oder laies, hätte es jemals geduldet oder sogar befürwortet?

  2. […] Ländern aufmerksam zu machen. So steht beispielsweise im Iran auf Homosexualität die Todesstrafe (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Das “XPOSED International Queer Film Festival” ist im Gegensatz zur Berlinale und dem […]

  3. […] in der iranischen Judikative Mohammad-Jawad Larijani, dass Homosexualität eine Krankheit sei (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Larijani warf dem Westen vor, dem Gottesstaat eine neue Sichtweise zu Homosexualität und der […]

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