IOC-Mitglied sieht ‚überhaupt kein Problem‘ mit Russlands Anti-Homosexuellen-Gesetz

Das offen homophobe Gesetz in Russland, das LGBTs kriminalisiert, diskriminiert und für viele einen Freibrief für gewalttätige Übergriffe auf Lesben, Schwule und Transgender bedeutet, beschäftigt erneut das ‚Internationale Olympische Komitee‘. Dieses wurde von vielen Seiten aufgerufen, auf Russland Druck auszuüben, die Winterolympiade in Sotschi 2014 Russland zu entziehen oder gar Russland von der Teilnahme auszuschließen. Doch jüngste Aussagen zeigen, dass dem IOC die Rechte von LGBTs offenbar egal sind.

Zunächst hat das IOC behauptet, dass es von Russland Zugeständnisse erhalten habe, dass das Gesetz gegen „öffentliche Propagierung nicht traditioneller sexueller Beziehungen“ während den Olympischen Spielen in Sotschi im Februar 2014 nicht angwendet werden würde, doch dem widersprach kurz darauf der russische Sportminister Mutko (thinkoutsideyourbox.net berichtete), der gar dazu aufrief, sich wegen dem Gesetz „zu beruhigen“ (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Daher wurde die Forderung nach einem Boykott der Spiele, der Verlegung der Spiele oder einem Ausschluss Russlands laut. Die nationalen olympischen Komitees schweigen bislang – ein offener Brief der „Grünen Andersrum Wien“ an das „Österreichische Olympische Komitee“ (thinkoutsideyourbox.net berichtete) blieb bislang unbeantwortet und auch in Deutschland weiß die regierende Politik nicht, wie sie sich verhalten soll. Der offen schwule Außenminister Guido Westerwelle tritt gegen einen Boykott ein.

IOC-Mitglied sieht „überhaupt keine Problem“

Anstatt Russland an die Einhaltung internationaler Verpflichtungen zu erinnern, zu verdeutlichen, dass das diskriminierende Gesetz wider der „Europäischen Menschenrechtskonvention“ ist und klar zu machen, dass alle Sotschi-TeilnehmerInnen und BesucherInnen – unabhängig der ihrer sexuellen Orientierung/geschlechtlichen Identität – sicher sein müssen, kalmiert nun auch ein Mitglied des „Internationalen Olympischen Komitee“.

Lamine Diack erklärte nun anlässlich der in Russlands Hauptstadt Moskau stattfindenen „Leichtathletik-WM“, dass das

„russische Gesetz respektiert werden muss.“

Dem nicht genug, verkennt Diack gänzlich die menschenrechtswidrige Situation in der in eine Diktatur abtriftende Putin-Demokratur. So erklärte er, dass sie sich nicht durch „politische Probleme“ stören lassen werden und ergänzte, dass man

„überhaupt nicht besorgt“

sei. Das ist eine Bankrotterklärung des Sports, der Sicherheit aller TeilnehmerInnen und der Menschenrechte durch ein Mitglied des IOC:

IOC: Olympische Spiele kein Platz für „politische Demonstrationen“

Das Nachrichtenmagazin „Gay Star News“ hat beim IOC angefragt, was dieses davon hält, wenn AthletInnen beispielsweise Regenbogen-Buttons tragen oder Regenbogenfahnen als Zeichen für LGBT-Rechte während der Eröffnungszeremonie schwenken, wie dies zB. der neuseeländische Eisschnellläufer Blake Skjellerup angekündigt hat (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Auch wurde gefragt, ob das IOC einen „sicheren Platz“, wie beispielsweise dem in Vanvoucer (Kanada) oder London (England) sehr erfolgreichen „Pride House“, für LGBT-TeilnehmerInnen/BesucherInnen ermöglichen werde. Ein Sprecher des IOC antwortete nüchtern und berief sich auf Artikel 50 der „Olympischen Charta“ und erklärte:

„[D]as IOC hat eine klare Regel in der Olympischen Charta (Artikel 50), das festlegt, dass die Austragungsorte der Olympischen Spiele keine Ort für proaktive politische oder religiöse Demonstration sind. Diese Regel ist seit vielen Jahren festgelegt und wird angewendet, wenn nötig. „

Es stimmt, dass Artikel 50 dies festlegt, doch hier geht es um mehr als nur ein politisches Statement. Hier geht es mittlerweile um Menschenleben und BürgerInnenrechte, die von Russland mit Füßen getreten werden. Dass das IOC hier kein klares Statement abgibt und somit indirekt die Homophobie von Putin mitträgt, ist den Olympischen Spielen nicht würdig.

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3 Comments
  1. […] IOC-Mitglied sieht ‘überhaupt kein Problem’ mit Russlands Anti-Homosexuellen-Gesetz — Das offen homophobe Gesetz in Russland, das LGBTs kriminalisiert, diskriminiert… […]

  2. Martin says

    Unter den ‚Grundlegenden Prinzipien der Olympischen Charta‘ (http://www.dosb.de/fileadmin/olympia/downloads/pdf/olympic_charter_en.pdf) wird der Olympische Gedanke definiert und dazu heisst es:
    „Blending sport with culture and education, Olympism seeks to create a way of life based on the joy of effort, the educational value of good example, social responsibility and respect for universal fundamental ethical principles.“

    Diesen ‚Way of Life‘ in sozialer Verantwortung und in der Achtung allgemeiner grundlegender ethischer Prinzipien hat das IOC verlassen. Damit ist Olympia verraten und verkauft!

  3. […] Diese Aussage kann wohl als sehr trefflich bezeichnet werden, dann erst im Sommer hatte Lamine Diack, Mitglied es olympischen Komitees erklärt, dass er “überhaupt kein Problem” mit dem Anti-Homosexuellen-Gesetz sieht (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

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