IKEA: Großartige Zielgruppenwerbung mit schwulem Paar – samt Seitensprung

IKEA ist weltweit dafür bekannt, dass es immer wieder spezielle Werbungen für die lesBiSchwule Klientel bringt. In Österreich gab es bislang kaum Werbeeinschaltungen, die sich an homosexuelle KundInnen wendet. Der neue TV-Spot ändert dies nun auch in der Alpenrepublik. Der aktuelle Spot ist der Auftakt einer ganzen Werbekampagne – inklusive  Seitensprung.

In vielen Branchen und Ländern werden homosexuelle KonsumentInnen von Unternehmen bewusst angesprochen, um sie für das jeweilige Angebot zu begeistern, da im Durchschnitt homosexuelle Paare ein größeres Durchschnittseinkommen zur Verfügung haben (Stichtwort Double Income, No Kids). Doch in vielen Spots steht nicht nur das Wecken des Kaufinteresses im Vordergrund. Häufig liefern Spots auch einen Denkanstoß zu gesellschaftspolitischen Themen.

Immer wieder sorgen diese Spots gesellschaftspolitisch für Aufsehen und für einen Aufschrei von konservativen Kreisen. Anlässlich des Valentinstages zeigte beispielsweise das Modelabel „Armani Exchange“ neben heterosexuellen Pärchen auch je ein lesbisches und ein schwules Pärchen. Konservative Kreise in den USA sahen darin einen Skandal und eine Provokation.

Ein Spot des ehemaligen Weltklasse-Tennisspieler Björn Borg sorgte vor ca 1,5 Jahren in Schweden für Aufregung. Unter dem Motto „Love For All“ bewarb er seine neue Mode-Kollektion und ließ 2 Priester vor den Traualter schreiten, um den Bund für’s Leben zu schließen.

IKEA Österreich: Großartige Zielgruppenwerbung

In Österreich hat breitenwirksame Zielgruppenwerbung für Lesben und Schwule „noch wenig Tradition“. Viele Unternehmen sprechen viel zu wenig die lesBiSchwule Klientel an. Der damalige Mobilfunkbetreiber ONE (heute Orange) hat über einen größeren Zeitraum konkret Lesben und Schwule mit einem speziellen „Rainbow Package“ angesprochen. Ebenfalls vor einigen Monaten bewarb das Unternehmen Hornbach in einem Katalog Interieur-Ideen mit einem schwulen Pärchen – auch das sorgte für Aufregung in erzkatholischen, fundamentalistischen Kreisen.

Die nun gestartete IKEA-Kampagne spricht ebenfalls auf gekonnte Art und Weise homosexuelle KonsumentInnen an – wenn auch auf etwas andere Art und Weise: Der Seitensprung von „Florian“ mit einer Frau, obwohl dieser in einer homosexuellen Beziehung lebt.

Hier der erste Spot der neuen IKEA-Kampagne, den IKEA Austria auf YouTube hochgeladen hat und eingebettet werden kann:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=SPbXwSrwAQk]

Begleitet wird die Kampagne mit einer Präsenz auf Facebook, wo „Florian“ in den nächsten 4 Wochen über sein Leben in seiner Wohnung berichten möchte. Mensch kann gespannt sein… ;-)

Manche/r möge sich am Seitensprung stören. Andere widerrum womöglich daran, dass der schwule Mann mit einer Frau verkehren möchte (Stichwort: Umpolung; Stichwort: untreuer Bisexueller). Andere widerrum beispielsweise daran, dass am Ende 2 Männer Händchen halten und „Fußeln“.

Diese Kampagne ist auf jedenfall sehr gut gelungen. Bleibt zu hoffen, dass zukünftig mehr Unternehmen in diese Richtung gehen – nicht nur aus gesellschaftspolitischen Grünen, auch aus wirtschaftlichen Gründen.

(IKEA-Spot: © ikea.com/at)
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7 Comments
  1. Dominik says

    Ich musste auch schmunzeln, als ich die Werbung zum ersten Mal sah. Denn nein, mit der überraschenden Wendung habe ich nicht gerechnet. Gut so! :)

  2. Sylvia says

    Ich kann die Komik des Spots beim besten Willen nicht verstehen. Das schwule Pärchen finde ich toll (toll ist aber nicht lustig). Eventuell die großen Schränke…. Der liebe „Florian“ ist aber aufgrund des Knutschens mit einer Frau offensichtlich ein Bisexueller. Und die Werbung spielt hier mit dem Klischee des Bisexuellen als Betrüger. Das ist immer noch ein in der Community präsenter Vorurteil. Ich finds leider gar nicht lustig…

  3. thinkoutsideyourbox.net says

    @Sylvia:

    Es wird zwar das Klischee, des betrügenden Bisexuellen, angedeutet, doch aus gesellschaftspolitischer Sicht, finde ich das Ende des Spots umso bedeutender. In österreichischen Werbungen werden Regenbogenfamilien oder andere Familienzusammensetzungen, die vom klassischen Familienbild abweichen, (so gut wie) nie angesprochen. IKEA macht dies mit diesem Spot.

    Ich hoffe, dass im weiteren Verlauf der Kampagne noch vieles in diese Richtung gehen wird. Das wäre afaik das erste Mal in AT…

  4. Sylvia says

    Das Ansprechen anderer Familienmodelle finde ich selbstverständlich überaus wichtig. Doch das Bild, das im Spot dargestellt wird, finde ich eben gesellschaftspolitisch sehr gefährlich. Die Menschen sehen ein schwules Paar, wo eine Seite betrügt. Man könnte meinen, es ist das Leben…vielleicht. Hier jedoch wird mit einer Frau betrogen. Wenn hier nur, wie in den meisten Fällen, in der Zusammensetzung homo vs. hetero gedacht wird (was mich auch sehr stört, aber ok), was für ein Bild eines Schwulen wird denn hier gezeigt? Ich habe die Befürchtung, dass sich der Durchschnittsösterreicher und -ikeakunde denkt: „Aha die machen also doch mit Frauen rum. Geben sie nur vor schwul zu sein?“

  5. Sylvia says

    Hoffentlich werden die kommenden Spots anders :)

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