Homosexualität ‚genetische Anomalie‘: agpro, Wr. Ärztekammer-Präsident und Grüne kritisieren TS-Marcus Franz

Nach den Aussagen von Dr. Marcus Franz, wonach Homosexualität eine ‚genetische Anomalie‘ sei, Menschen verpflichtet werden müssten, Kinder zu zeugen, Homosexualität ‚amoralisch‘ ist und Lesben und Schwule nicht die gleichen Rechte erhalten dürfen, verurteilen ‚agpro‘ und der Präsident der Wiener Ärztekammer die Aussagen von Team-Stronach-Abgeordnetem Marcus Franz insbesondere zu Homosexualität. Diese zeugen von Inakzeptanz, Homophobie und Missachtung des aktuellen Standes der Wissenschaft.

Markus Knopp, Präsident der agpro, der austrian gay professionals, sieht in den Aussagen des Primars und Nationalratsabgeordneten des Team Stronach, Marcus Franz, eine moralinsaure Geisteshaltung:

„Im Zusammenhang mit Homosexualität von einer „amoralischen genetischen Anomalie“ zu sprechen und Homosexuelle mit Affen und Hunden gleichzusetzen, ist beleidigend und diskriminierend. Wir fordern von Franz eine öffentliche Entschuldigung.“

Franz würde damit auch gegen alle aktuellen, wissenschaftlichen Erkenntnisse argumentieren, denn bislang hätten Genetiker noch kein entsprechendes Gen gefunden, das Franz‘ Theorie bestätigen würde.

Im „Profil„-Interview, das in der aktuellen Ausgabe des Profil erschienen ist, sagt Marcus Franz unter anderem, dass es im Parlament „nach langer Vergangenheit und, ehrlich gesagt, ein bisschen staubig“, im Team Stronach hingegen „nach Zukunft“ rieche. Dazu der Präsident der agpro:

„Franz‘ Aussagen über Armut, Kinderlosigkeit, Verhütung und Homosexualität lassen den Schluss zu, dass der Primar selbst den Geruch der Vergangenheit in die Gegenwart herüber- und in seine Zukunftspartei hineinträgt.“

Homosexuelle haben immer noch, speziell auch im Berufsleben, mit Ausgrenzung und Diffamierung zu kämpfen. Aussagen wie jene von Franz tragen nicht dazu bei, ein für Österreichs Zukunft wichtiges Klima der Akzeptanz zu schaffen. Markus Knopp weiter:

„Er sollte seine Aussagen zurücknehmen und sich dafür entschuldigen.“

Auch die Haltung, dass Bürgerinnen und Bürger nur dort für ihre Überzeugungen und Rechte demonstrieren dürften, wo „normale Bürger nicht sind“, zeige, was Franz von demokratischen Grundwerten wie z.B. Minderheitenrechte halte, so Knopp abschließend.

Offener Brief: Präsident der Ärztekammer für Wien fordert Entschuldigung und Rücknahme der Aussagen

Auch der Präsident der Wiener Ärztekammer ao.Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres kritisiert in einem offenen Brief Marcus Franz, fordert die Rücknahme der Äußerungen und eine öffentliche Entschuldigung.

„Sehr geehrter Herr Kollege Franz,

mit großem Befremden, ja Bestürzung, habe ich Ihr Interview in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift ‚profil‘ gelesen. Ihre Einstellung zur Genese von Armut und der Funktion von Steuern sind Meinungen, die ich weder teile noch kommentiere. Ihre Mutmaßungen und Festhaltungen zu Kinderlosigkeit und Verhütung entsprechen nicht wissenschaftlichen Kriterien.

Empörend und inakzeptabel ist aber Ihr Statement zur Homosexualität. Homosexualität als ‚amoralische genetische Anomalie‘ zu bezeichnen, ist kommentarlos nicht hinzunehmen. Übersetzt hieße dies, dass Homosexualität für Sie eine angeborene Krankheit sei, noch dazu außerhalb jeglicher moralischer Kategorie.

Diese Aussage ist auf das Schärfste zurückzuweisen. Als Wissenschafter, Mediziner und Repräsentant der Ärztekammer fordere ich Sie auf, dieses Statement öffentlich zurückzunehmen. Ihre Aussagen wiegen umso schwerer, als Sie nunmehr nicht nur als Arzt, sondern auch als Abgeordneter zum Nationalrat eine besondere Verantwortung tragen. Ich ersuche Sie, in Ruhe zu reflektieren, was Sie formuliert haben, und sich öffentlich zu entschuldigen. Solche Aussagen dürfen in demokratischen Kulturen nicht unwidersprochen bleiben.

Hochachtungsvoll,
ao.Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres“

Grüne: „Lernen Sie Demokratie“

Scharfe Worte für Marcus Franz finden auch die Grünen. Daniela Musial und Marco Schreuder fordern von Franz, dass dieser „Demokratie lernen“ müsse. So heißt es in einer Aussendung:

„Dieses de facto Demo-Verbot, das Franz fordert, widerspricht jeglichen demokratischen Grundsätzen. Die Versammlungsfreiheit ist ein verfassungsmäßig verbrieftes Recht aller ÖsterreicherInnen, ganz egal ob sie einer Mehrheit oder Minderheit angehören. Dem demokratisch gewählten Vertreter Marcus Franz empfehle ich Demokratie nachzulernen und die Verfassung nachzulesen.“

Auch wird Franz dafür heftig kritisiert, dass er fernab sämtlichen wissenschaftlichen Standard eine Krankheitsthese in den Raum stellt. Die Grünen weiter:

„Abgesehen davon, dass die so genannte „Krankheitsthese“ an sich schon ein unwissenschaftlicher Humbug ist, ist die Bezeichnung des „amoralischen“ für Homosexualität zudem eine politische Wertung. Nicht Homosexualität ist amoralisch, sondern ein Politiker, der Lesben und Schwule auf diese Weise diffamiert und zudem fordert, dass Lesben und Schwule nicht mehr in den Innenstädten demonstrieren dürfen.“

Marco Schreuder fordert vom Team Stronach eine Klarstellung, wofür die Partei von Frank Stronach nun steht, Im Wahlkampf hat diese ja durchaus liberale Töne verkündet und Stronach erklärt, dass Homosexuelle, wenn sie dies wollen, heiraten sollen dürfen.

Dr. Marcus Franz versucht sich in Erklärung

Nach der heftigen Kritik an seinen Äußerungen versucht sich der Neo-Nationalratsabgeordnete des Team Stronach nun in einer Erklärung. In einer Aussendung schreibt Franz:

„Ich bin ganz klar gegen jegliche Diskriminierung von Bevölkerungsgruppen. Jeder Mensch soll in seiner Entscheidung über die Form des Zusammenlebens frei sein. Tatsache ist aber, dass es aufgrund der demographischen Entwicklung zu einer Überalterung der Gesellschaft kommt und dadurch u.a. das Gesundheits- und Sozialsystem in der heutigen Form auf Dauer nicht mehr finanzierbar sein wird. Hier möchte ich wachrütteln und auf die bestehenden Probleme hinweisen.“

Dr. Franz vergisst in seiner Erklärung, dass die demographische Entwicklung nicht davon abhängt, ob Homosexuelle die gleichen Rechte haben oder Ihnen weiter vorenthalten werden. Auch vergisst er sogar, dass der Gesetzgeber durch das Verbot der medizinisch unterstützten Fortpflanzung für lesbische Paare es dieser Bevölkerungsgruppe sogar per Gesetz verbietet, eine Familie zu gründen. Dies zeigt, wie wenig sich Franz mit der Thematik beschäftigt hat und ist ein Beweis für seine Unkenntnis.

Weiters schreibt Franz in seinem Erklärungsversuch:

„Das Demonstrationsrecht, für das Generationen gekämpft haben, ist wichtig und muss unangetastet bleiben. Allerdings darf die Demonstrationsfreiheit nicht ständig dazu führen, dass andere Menschen in ihren Freiheitsrechten beschränkt werden. Deshalb wäre eine Verlagerung von Demonstrationen in ein sonst nicht genutztes Gelände durchaus sinnvoll.“

LGBTs sollen also demonstrieren dürfen, aber dann bitte an Orten, wo sie möglichst wenig Aufmerksamkeit für ihre Forderung nach gleichen Rechten erhalten, möglichst niemanden stören, denn es könnten sich ja andere Menschen an der Demonstration „stoßen“. Franz hat ganz offensichtlich die Grundwerte eine Demokratie nicht verstanden.

Dieser Versuch ist gescheitert, denn seine Äußerungen strotzen nur vor Homophobie, Unwissen und Verdrehungen. Franz befindet sich ganz offensichtlich auf einem ideologischen Rückzugsgefecht vor einer Gesellschaft, für die Werte, wie gleiche Rechte für alle BürgerInnen unabhängig der sexuellen Orientierung/geschlechtlichen Identität gelten.

Vielmehr noch verdeutlicht die „Klarstellung“ von Dr. Marcus Franz, dass seine homophoben Aussagen genau so gemeint waren, wie sie getätigt wurden. Ein Armutszeugnis für einen Abgeordneten in einer Demokratie.

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1 Comment
  1. […] Damit befindet sich die Partei von Gründer Frank Stronach weiter im Zerfallprozess und die ÖVP baut ihre diskriminierende Politik weiter aus, ist es doch der Mediziner Marcus Franz gewesen, der in der Vergangenheit mehrfach mit homophoben Aussagen aufgefallen ist und dafür vom  Präsidenten der Wiener Ärztekammer, ao.Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, heftig kritisiert wurde (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

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