FPÖ/FPK: „Keine Retortenkinder für Lesben und Schwule“

In der heutigen Sitzung des österreichischen Nationalrates hat erneut ein Politiker des Parteienspektrums rechts der Mitte gezeigt, welche Realitätsferne, Intoleranz und Menschenverachtung in diesen Reihen gelebt und gesellschaftspolitisch gefordert wird. Es meldete sich der FPK-Politiker Josef Jury in der Debatte zum „Familienland Österreich“ zu Wort. Seine Wortmeldung war eine klare Fortführung der menschenverachtenden, intoleranten und ewiggestrigen Politik, die HC Strache seit jeher betreibt. Der Kärntner Josef Jury machte deutlich, dass die FPÖ samt deren Weltbild im 19. Jahrhundert stecken geblieben ist.

Alles, das nicht der heterosexuellen Norm entspricht, ist grundsätzlich nicht richtig und bedarf keiner rechtlichen Gleichstellung bzw. Anerkennung. Eine rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen ist eine Gefahr für die Familie und die Gesellschaft, für die sich HC Strache geniert. Nachdem schon die Kirche von der Krankheit Homosexualität spricht, übernimmt HC Strache natürlich diese Ansicht und negiert damit die WHO, die Homosexualität vor 20 Jahren aus dem Krankheitenkatalog gestrichen hat. So kann in etwa die Sichtweise der rechtspopulistischen FPÖ zusammengefasst werden.

Dass sämtliche Argumente nicht stimmen, weil längst widerlegt, ist der populistischen Strache-Partei „wurscht“, denn um sachliche Diskussion gehts ja gar nicht. Dabei spricht eine Studie aus Deutschland eine klare Sprache. Darin heißt es:

Das Kindeswohl ist in Regenbogenfamilien genauso gewahrt wie in anderen Familienformen. Nach den Ergebnissen der Untersuchung sind “Regenbogeneltern” gleichermaßen gute Eltern wie andere an ihren Kindern interessierte Eltern. Persönlichkeitsentwicklung, schulische und berufliche Entwicklung der betroffenen Kinder verlaufen positiv. Sie entwickeln sich genauso gut wie Kinder aus heterosexuellen Beziehungen. Auch finden sich keine Anhaltspunkte für eine erhöhte Neigung zu Depressionen. Aus der Studie folgt: Für das Kindeswohl ist es nicht erforderlich, dass die Erziehung nach dem klassischen Rollen-Modell von verschiedenen Geschlechtern gleichermaßen übernommen wird. Maßgeblicher Einflussfaktor ist vielmehr eine gute Eltern-Kind-Beziehung unabhängig vom Geschlecht der Eltern.

Stattdessen bedient man sich in der FPÖ/FPK Vorurteilen um weiter populistische Sprüche klopfen zu können. Dass damit ganze Bevölkerungsgruppen beleidigt oder sogar in ihrer Menschenwürde angegriffen werden, ist offensichtlich auch „wurscht“.

FPK Jury: Nein zu „Retortenkinder“ für Lesben und Schwule

Genau in diese Kerbe schlug nun auch der FPK-Abgeordnete Josef Jury, der bei seinem Debattenbeitrag zum Thema „Familienfreundliches Österreich – Bilanz und Pespektiven für die Zukunft“ ein „Musterbeispiel“ an Menschenverachtung und Intoleranz ablieferte. So meinte er:

„Wir Freiheitliche und auch ich stehen nicht zur Verfügung, daß Lesben und Schwule die Retortenkinder unserer Gesellschaft aufziehen“

Jury beleidigt hier nicht nur alle Regenbogenfamilien in Österreich, wo Lesben und Schwule Kindern Liebe und Geborgenheit und eine intakte Familie bieten. Nein, er beleidigt auch all jene Menschen, die nicht auf natürlichen Weg Kinder zeugen können. Sind also alle Kinder, die nicht auf natürlichem Weg gezeugt wurden, Kinder zweiter Klasse? Offenbar entspricht dies dem Weltbild von Herrn Jury.

Es ist einfach unpackbar, welch‘ reaktionäres und intolerantes Gedankengut im österreichischen Parlament vertreten ist. Dieses Gedankengut ist einer Gesellschaft im 21. Jahrhundert nicht würdig. Es ist viel mehr zum Schämen, dass im Parlament Personen sitzen, die derlei Intoleranz auch noch in einer Rede vortragen…

(Bild: Flickr – The Taste Of Rain – CC-BY-NC-ND-2.0)

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14 Comments
  1. Rubberinchen says

    Was mich noch viel mehr aufregt – es kam nicht mal ein Ordnungsruf! Normalerweise wird „Lüge“ immer geahndet – in der Rede kommt auch das vor – kein Orndungsruf!
    Warum haben einige „Herren“ offenbar Narrenfreiheit?

    Und bitte – warum stehen nicht wenigstens ein paar Abgeordnete auf und verlassen demonstrativ den Saal, wenn so etwas vom Pult kommt? Wär vielleicht angebracht!

  2. www.erstaunlich.at says

    Zitat:
    …es kam nicht mal ein Ordnungsruf!
    Zitatende:

    Wofür hätte dieser erfolgen sollen?

    Zitat:
    Und bitte – warum stehen nicht wenigstens ein paar Abgeordnete auf und verlassen demonstrativ den Saal,…
    Zitatende:

    Warum hätte jemand den Saal verlassen sollen??

    Vielleicht weil sich einige militante Homosexuelle einbilden Kinder in der Retorte erzeugen zu lassen.

    Der nächste Schritt wäre dann eine Kindererzeugungsfabrik. Und jetzt wird mir wieder jemand erklären wollen, dass das alles normal ist. Spielt sich diese Nachkommenszeugung in der so oft zitierten Tierwelt auch ab?

    Dieser Artikel samt o.a. Kommentar ist direkt einen Beitrag wert.

  3. thinkoutsideyourbox.net says

    Erich, vielleicht weil die Wortwahl von Jury eben schlicht untragbar ist. Wie im Artikel schon ausgeführt (und von dir mal wieder nicht angesprochen), ist die Wortwahl generell eine Beleidigung – auch für heterosexuelle Paare, die medizinisch unterstützt Nachwuchs zeugen. Die Wortwahl lässt daraus schließen, dass diese Kinder für Jury weniger wert sind…

  4. www.erstaunlich.at says

    Hallo Oliver!
    Da Politblog mit Graf-Beiträgen zugemüllt ist und diese schon den ganzen Tag keine anderen Blogbeiträge freischalten können, wollte ich Dir per Kommentar mitteilen, dass der versprochene Beitrag von mir online ist.
    http://www.erstaunlich.at/index.php?option=com_content&view=article&id=772:kinderfabrik-fuer-homosexuelle&catid=1:erstaunliches
    Du warst mir wie schon oft eine Muse. Viel Spass beim Lesen.
    MfG
    Erich

  5. […] FPÖ/FPK: “Keine Retortenkinder für Lesben und Schwule” […]

  6. […] FPÖ/FPK: “Keine Retortenkinder für Lesben und Schwule” […]

  7. […] eingehen könnten. Selbst FPÖ-Bundesparteiobmann HC Strache hat in der Vergangenheit von der Krankheit Homosexualität gesprochen. Selbstverständlich müsse das fehlerhafte Partnerschaftsgesetz repariert werden […]

  8. […] gemacht. Diesem Schritt müssen viele weitere folgen. Gleichzeitig haben sich in den letzten Monaten homophobe Ausritte von verschiedenen Kreisen gehäuft. Auch die Forderung nach einer […]

  9. […] verweigern die völlige rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen bzw. zeigen immer wieder ihr homophobes Gedankengut. Und das, obwohl die vorgebrachten Argumente, die gegen eine vollständige […]

  10. […] Pendant, der ÖVP, ist. Von einer rechtspopulistischen und homophoben Strache FPÖ und FPK braucht gleich gar nicht gesprochen werden, da aus dieser Ecke ohnehin diese Erkenntnis nicht zu […]

  11. […] die gleichen Rechte absprechen möchte. Heiraten sollen sie nicht dürfen, Kinder adoptieren/künstlich befruchten und damit Kindern ein geborgenes Zuhause bieten, sollen sie schon gar nicht dürfen. Und eigentlich […]

  12. […] hetzen, Homophobie an den Tag legen und gegen die (längst überfällige) völlige rechtliche Gleichstellung wettern. Das von der FPÖ abgespaltene BZÖ ist beim Thema Gleichstellung von Lesben und Schwulen […]

  13. […] Juli 2010: FPÖ/FPK will “keine Retortenkinder für Lesben und Schwule” […]

  14. […] FPÖ/FPK will “keine Retortenkinder für Lesben und Schwule” (Artikel) […]

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