Favorit für Papst-Nachfolge Peter Turkson stellt Homosexualität mit Kindesmissbrauch gleich

Papst Benedikt XVI hat am 11. Februar 2013 angekündigt, dass er von seinem Amt als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche per 28. Februar zurücktreten werde. Seitdem wird spekuliert, wer denn Josef Ratzinger nachfolgen könne. Dabei wird häufig der Kardinal Peter Turkson aus Ghana als Favorit für den nächsten Papst genannt. In einem Interview mit dem Nachrichtensender ‚CNN‘ stellt er Homosexualität mit Kindesmissbrauch gleich. Damit würde die Homophobie, welche die römisch-katholische Kirche unter dem Pontifikat von Benedikt XVI praktiziert hat, weiter betrieben werden. Turkson wäre auch eine Absage an einen Neustart für die römisch-katholische Kirche.

Kurz nachdem Papst Benedikt XVI seinen Rücktritt per 28. Februar 2013 20:00 Uhr (Ende seines Arbeitstages) bekannt gab, begannen die Spekulationen über die möglichen Nachfolger. Josef Ratzinger hinterlässt jedenfalls ein „Hass-Pontifikat“ (thinkoutsideyourbox.net berichtete). War es doch während seiner Papstzeit, wo sich die Kirche von der christlichen Nächstenliebe endgültig verabschiedete und vehement gegen gesellschaftspolitische Entwicklungen sträubte und gegen die Gleichstellung von Lesben und Schwule massivst hetzte.

Wie groß die Enttäuschung über das Pontifikat von Papst Benedikt XVI ist, zeigten auch die Frauenrechtsaktivistinnengruppe „FEMEN“, die am 12. Februar in der Pariser Notre Dame gegen die Homophobie von Papst Benedikt XVI demonstrierten (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Favorit auf Papst-Nachfolge setzt Homophobie fort

Nach dem Rücktritt von Benedikt XVI wurden teilweise auch Hoffnung geäußert, dass der Nachfolger einen Neustart für die römisch-katholische Kirche einläuten könnte. Doch wenn es nach den Buchmachern geht, dann wird es diesen Neustart nicht geben, sondern im Gegenteil.

Der aktuell als Favorit gehandelte Nachfolger, der Kardinal Peter Turkson aus Ghana, dürfte die geprädigte Homophobie von Benedikt unvermindert fortesetzen, wie er in einem Interview mit dem internationalen Nachrichtensender „CNN“ durchblicken hat lassen.

Im Interview erklärte Turkson auf die Frage zu den in Nordamerika und Europa aufgedeckten Kindesmissbräuchen durch Geistliche, dass dies in Afrika nicht (im gleichen Ausmaß) möglich wäre, aufgrund „traditioneller Systeme„. Im gleichen Atemzug nannten Turkson auch Homosexualität und erklärte lächelnd:

„Traditionelle afrikanische System schützen die Bevölkerung gegen diese Tendenzen, weil in mehrerenRegionen und Kulturen in Afrika Homosexualität oder jede Affäre zwischen den gleichen Geschlechtern nicht gutgeheißen werden.“

Diese Aussage ist gänzlich falsch und offen homophob, denn laut der „American Psychological Association„, sind homosexuelle Männer nicht mehr für sexuellen Missbrauch von Kindern verantwortlich, als heterosexuelle Männer es sind.

Video: CNN-Interview mit Kardinal Peter Turkson

Kirchliche Missbrauchsfälle werden wohl auch weiterhin nicht aufgeklärt werden

Sollte Peter Turkson tatsächlich der nächste Papst werden, ist auch unter ihm nicht zu erwarten, dass – wie bereits unter Papst Benedikt XVI nicht erfolgt, eine umfassende Aufklärung der tausenden Missbrauchsfälle in der römisch-katholischen Kirche und Auslieferung an die Justiz erfolgen wird.

Die Theologin Uta Ranke-Heinemann sagte im Interview mit der Tageszeitung „derStandard„, dass Papst Benedikt XVI „das Evangelium zu einer Bordellbotschaft gemacht hat“, gerade in Bezug zu seinen Aussagen der HIV/Aids-Prävention, da von der Kirche die Benutzung von Kondomen abgelehnt werde.

In ihrem Buch „Eunuchen für das Himmelreich“ schrieb sie im Kapitel über Papst Benedikt, dass erst nach dem Amtsantritt deutlich wurde, dass Josef Ratzinger de facto die römisch-katholische Kirche als Vorsitzender der Glaubenskongregation im Jahr 1981 regierte. So heißt es in dem Buch unter anderem:

„Ratzinger war es, der weltweit alle fortschrittlichen Theologen von ihren Lehrstühlen fegte, Ratzinger war es (…) mit dem die 2.000-jährige Sexual- und Frauenfeindlichkeit ihren Höhepunkt erreichte.“

Schließlich hat Ratzinger im Jahr 2011 mit einem Erlass unter dem Titel „De delictis gravioribus“ (Über schwerer wiegende Verbrechen) hervorgehoben, dass

„die gerichtliche Alleinzuständigkeit der Glaubenskongregation als eines apostolischen Gerichtshofes für Straftaten von Klerikern gegen die Moral“.

Somit dürfen Missbrauchsfälle unter Strafe der Exkommunikation ausschließlich an den Vatikan gemeldet werden, nicht jedoch an die staatlichen Behörden. Das Schreiben hat Ratzinger bis heute nicht zurückgenommen oder zugegeben, dass er es überhaupt geschrieben hat.

Turkson war Verteidiger der Verfolgung von Homosexuellen in Afrika

Der Kurienkardinal Peter Turkson ist derzeit auch Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden. Trotz seiner Verantwortung als Präsident für „Gerechtigkeit und Frieden“ hat er in der Vergangenheit Stimmung gegen Lesben und Schwule betrieben. Im vergangenen Jahr erklärte er auf Kritik der UNO zur Verfolgung von homosexuellen Menschen in Afrika, dass Homosexualität „nicht unsere Kultur“ sei.

Turkson zeigte somit Verständnis dafür, dass LGBGs in etlichen Ländern Afrikas verfolgt und ihnen teilweise sogar mit dem Tot gedroht werde für homosexuelle Handlungen. Laut Turkson müsse zwischen Moral und Menschenrechten unterschieden werden. Ganz offensichtlich ist der Schutz von Homosexuellen und deren Recht auf Sicherheit, Frieden und Freiheit kein Menschenrecht.

(Bild: Screenshot CNN-Interview)
Anzeige
14 Comments
  1. Spaceman says

    Warum wollt ihr Schwule euch eigentlich anmaßen darüber zu urteilen wer der nächst Past werden darf und wer nicht?
    Ich denke ich liege nicht falsch wenn ich behaupte, dass der Großteil der Homosexuellen aus der römisch katholischen Kirche ausgetreten ist.
    Zum einen interessiert es keinen was eine US-ameriknische Studie feststellt und zum anderen ist es mehr als uninteressant was eine verbitterte, beschränkte um nicht zu sagen daumme Uta Ranke-Heinemann über den jetzigen Papst zu sagen hat…

  2. thinkoutsideyourbox.net says

    Wenn eine Person des öffentlichen Lebens Fakten verdreht und Zusammenhänge herstellt, die schlichtweg falsch sind, gegen Bevölkerungsgruppen hetzt und offen Homophobie und Intoleranz verbreitet, sowie sich in staatliche Angelegenheiten einmischt, die den Papst nichts angehen, dann kann und darf dies nicht widersprochen werden.

    Während sich die rk Kirche unter dem Papst sowie andere Glaubensgemeinschaften anmaßen, sich in die Gesetzgebung einmischen zu müssen, der Staat sich jedoch nicht in die Angelegenheiten der Glaubensgemeinschaften, zB. beim Kirchenrecht, einmischt, dann muss diese Einmischung ebenfalls auf das Schärfste zurückgewiesen werden.

  3. Spaceman says

    Ich daf Sie darauf hinweisen, daß Sie ganz bestimmt nicht für den Staat sprechen, desweiteren spricht niemand für oder wider eine Bevölkerungsgruppe und endlich wurde das Kirchenrecht aufgrund völkerrechtlicher Verträge einvernehmlich geregelt, nennen sich Konkordate.

  4. thinkoutsideyourbox.net says

    Sie brauchen nicht darauf hinweisen. Es handelt sich um eine Meinung.

    Wenn jemand (wie mehrfach der Papst oder andere höhe Würdenträger der rk Kirche) die Definition der zivilrechtlichen Ehe für sich beansprucht, dann ist da eine Einmischung in innerstaatliche Angelegenheiten, die die Kirche nichts angeht. Schließlich mischt sich der Staat auch nicht in die Ehedefinition der rk Kirche ein.

    Das Konkordat gehört längst abgeschafft, damit die Trennung von Kirche und Staat endlich umgesetzt und ein säkularer Staat auch wirklich Realität wird.

    Warum sollen Andersgläubige oder Nichtgläubige mit ihrem Steuergeld eine Glaubensgemeinschaft in jährlicher Milliardenhöhe finanzieren? Die rk Kirche soll und muss sich selbst finanzieren.

    Wenn jemand behauptet, dass Lesben und Schwule in ihrem Streben nach den gleichen Rechten und gleicher Würde (siehe Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte) eine Gefahr für den Frieden darstellen sollen, wie das Papst Benedikt XVI getan hat, dann ist das 1. eine glatte Lüge und Hetze, 2. ohne jedwedem Faktum, 3. Homophobie und 4. eine Verletzung der Menschenwürde einer ganzen Bevölkerungsgruppe.

  5. Spaceman says

    Dass die AEMR 1949 ganz einen anderen Hintergrund hatte wissen Sie und, daß „das“ Konkordat (obwohl es wie Sie wohl wissen mehrere sind) nicht abgeschafft (was auch immer Sie damit sagen wollen) werden kann, wissen Sie ebenso (sollte dem nicht der Fall sein können Sie im Österreichischen Handbuch für VR oder im Schweißfurth nachlesen), daher unterscheidet sich Ihre aggressive Rethorik nicht von der der FPÖ,…etc.

  6. thinkoutsideyourbox.net says

    Das ist ihre Sichtweise.

    Bitte respektieren Sie, dass hier eine andere Meinung vertreten wird, die jedoch in keinster Weise mit dem intolerantem und homophoben Populismus der Rechtsaußen-FPÖ gleichzusetzen ist.

    Auf thinkoutsideyourbox.net wird nämlich nicht das Kirchenrecht an sich kritisiert, weil dies die Angelegenheit der Glaubensgemeinschaft ist. Es wird aber sehr wohl die Einflussnahme auf Bereiche außerhalb der Kirche kritisiert, thematisiert und diese kritisiert.

    Das Konkordat kann sehr wohl abgeschafft werden, was ja auch die Initiative „Gegen Kirchenprivilegien“ fordert, die voll und ganz unterstützt wird, weil auch diese Initiative sich gegen die Einmischung der Glaubensgemeinschaft in innerstaatliche Angelegenheiten zur Wehr setzt.

  7. Spaceman says

    Die Initiative gegen Kirchenprivilegien fordert etwas, daß völkerrechtlich nicht möglich ist.

    Konkordate sind völkerrechtliche Verträge zwischen Österreich und dem Heiligen Stuhl, als Völkerrechtssubjekt sui generis. Aus diesem Grund ist es nicht möglich Konkordate einseitig aufzuheben.

  8. thinkoutsideyourbox.net says

    Es ist klar, dass diese einseitig nicht aufgehoben werden können, doch kann dennoch ein entsprecher politischer Beschluss gefasst werden, Verträge aufzukündigen und somit Schritte der endgültigen Trennung von Kirche und Staat zu setzen.

  9. Spaceman says

    Und was, wenn der Großteil das nicht will?

  10. thinkoutsideyourbox.net says

    Mehrheitsentscheidungen in einer Demokratie sind zu respektieren. Das heißt es aber nicht, dass mensch nicht dennoch weiterhin gegen das Konkordat argumentieren darf.

  11. Hagen Ulrich says

    Ich denke gern an meine Zeit als Student in Bonn zurück. Damals in den 90ern gab es einen Gayclub in der Oxfordstraße und zwei Priesterseminare. Am Donnerstag trafen sich immer die Theologiestudenten und Priesteramtskandidaten, dann hätte man theoretisch eine Große Messe mit Chor und Orchester mit den Anwesenden bestücken können. Auch von weiterher kamen gelegentlich Priester.
    Es gibt kaum etwas Verlogeneres als diesen Verein, der über diese alte und unnatürliche Sexualmoral sowie dem Erzeugen von Angst und Schuldbewußtsein seine Mitglieder lenken und beeinflussen möchte. Man sollte sich davon frei machen und dafür eintreten, daß wir endlich eine totale Trennung von Kirche und Staat bekommen. Wer mit seinem Glauben selig werden will, der soll es tun – aber ohne seinen Nachbarn vorschreiben zu können, wie sie zu leben haben.
    Teile der Katholischen Kirche wie Opus Dei, Legionäre Christi und Pius-Brüder sind genauso eine Parallelgesellschaft wie die Salafisten und lehnen unser demokratisches System ab.
    Und wenn ich Äußerungen wie die des ghanaischen Kardinals Turkson lese, der die katholische Moral über die Menschenrechte stellt, dann wird es höchste Zeit, diesen Herren ihre Grenzen aufzuzeigen.

  12. Spaceman says

    Das ist nicht richtig

  13. […] Kurze Zeit war O’Brien nach dem Papst-Rücktritt auch als möglicher Nachfolger von Papst Benedikt XVI genannt worden und hätte damit das homophobe Pontifikat von Joseph Ratzinger fortgesetzt (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Der von Buchmachern nunmehrige Favorit auf die Papstnachfolge, Peter Turkson aus Ghana wäre jedoch auch keine bessere Wahl, schließlich stellte auch er einen Zusammenhang von Homosexualität und Kindesmissbrauch her (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  14. thinkoutsideyourbox.net says

    Ok, die „böse Homo-Lobby“ bedroht die RK Kirche. Vielleicht können Sie damit leben. ;-)

Leave A Reply

Your email address will not be published.

*

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.