ÖVP baut mit Ex-„Team Stronach“-Marcus Franz Homophobie aus

Die ÖVP ist weiter auf Homophobie-Kurs. Nachdem die Partei die vollständige Gleichstellung von LGBTs verhindert, holt sich die Partei von Obmann Reinhold Mitterlehner nun beim Team Stronach Unterstützung in ihrem Kurs der Ungleichbehandlung und Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren.

Wie am Mittwoch in einer Pressekonferenz von der ÖVP vorgestellt, wechseln die ehemaligen Team Stronach-Abgeordneten Georg Vetter und Marcus Franz in den „ÖVP Parlamentsklub“.

Damit befindet sich die Partei von Gründer Frank Stronach weiter im Zerfallprozess und die ÖVP baut ihre diskriminierende Politik weiter aus, ist es doch der Mediziner Marcus Franz gewesen, der in der Vergangenheit mehrfach mit homophoben Aussagen aufgefallen ist und dafür vom  Präsidenten der Wiener Ärztekammer, ao.Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, heftig kritisiert wurde (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Marcus Franz: Homosexualität „genetische Anomalie“

So erklärte der Medizinzer Franz in einem „Profil„-Interview, dass für ihn Homosxualität „amoralisch“ sei. Und weiter:

„Wenn ich strenge Moralmaßstäbe anlege, ist es mit Sicherheit amoralisch, wiewohl es in den Genen steckt. Es gibt auch im Säugetierreich Homosexualität, bei Hunden oder Affen. Und das ist eine genetische Anomalie. Denn wenn es auf einmal ganz normal wäre, wäre die Welt schon ausgestorben. Ich werte jetzt nicht, sondern sage ? es ist außerhalb des normalen biologischen Mainstreams.“

Neben diesen homophoben Aussagen bezeichnete Franz auch die wie freiwillige Kinderlosigkeit als „amoralisch“ und erklärte, dass die Fortpflanzung von Mann und Frau „unser Lebenszweck“ wäre.

Aber auch die Regenbogenparade müsse aus dem Zentrum Wiens verbannt werden, denn diese störe die BürgerInnen. Sein Vorschlag:

„Demonstrationen sollen stattfinden, wo es niemandem wehtut, und in Zonen verlagert werden, wo normale Bürger nicht sind.“

Auch der Anwalt Georg Vetter ist ein Gegner der Gleichstellung von LGBTs, wie das „Rechtskomitee Lambda (RKL)“ von einem Zusammentreffen im Jahr 2014 im Parlament berichtet. Demnach habe Vetter gesagt, dass die Ehe nur eine Unterhaltversorgungseinrichtung für geschiedene Ehefrauen sei und wer wolle denn das schon?

Die unangenehme Atmosphäre, so das RKL, gipfelte in der provokanten Frage Vetters an das RKL, wieviele „Männchen und Weib­chen“ wir seien.

ÖVP baut weiter an homophoben Bollwerk

Nun holt sich die ÖVP auch noch Unterstützung in ihrem Kurs der Ungleichbehandlung und Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung/geschlechtlichen  Identität, in dem ein Abgeordneter an Board geholt wird, der fragwürdige und abzulehnende Aussagen getätigt hat.

Marcus Franz empfindet Homosxualität nicht nur als „amoralisch“ und einen „genetischen Defekt“, er lehnt konsequenterweise auch die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare vehement ab:

„Es kann eine Partnerschaft geben, das ist okay, aber eine Ehe kann nicht sein. Eine Ehe kann nur zwischen Mann und Frau funktionieren. Denn nur dort gibt es Fortpflanzung.“

Damit bekräftigt Franz Argumente von GleichstellungsgegnerInnen, die einer sachlichen Betrachtung nicht standhalten, denn die Ehe ist nicht zwangsläufig auf Fortpflanzung ausgelegt. Andernfalls müsste allen nicht fortpflanzungsfähigen Personen/Paaren die Schließung einer Ehe verboten werden.

SPÖ und Grüne: Absage an Liberalität

Die Kanzlerpartei übte heftige Kritik am Koalitionspartner ÖVP für die Anwerbung der beiden Ex-Team Stronach-Abgeordneten. SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Andrea Brunner in einer Aussendung:

„Es kann nicht sein, dass die ÖVP zum Auffanglager für frauenfeindliche und homophobe Politiker wird.“

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos kritisierte ebenfalls heftig die ÖVP und stellte den Evolutionsprozess der Konservativen in Frage:

„Einerseits versucht die ÖVP gerade krampfhaft, sich einen neuen Anstrich als ‚moderne‘ Bewegung zu verpassen, andererseits nehmen sie erzreaktionäre Sonderlinge wie die Herren Franz und Vetter bei sich auf“

Auch die Grünen übten heftige Kritik an der ÖVP. Die Obfrau der Grünen erklärte in einer Aussendung, dass sich die ÖVP einerseits einen liberalen Anstrich geben wolle, aber dann

„den völlig jenseitigen Marcus Franz holt, der sich als radikaler Befürworter der Diskriminierung von Lesben und Schwulen geoutet hat. (…) Ade, neue Liberalität bei der ÖVP, Herr Mitterlehner.“

Treffend formulierte es auch Peter Kraus, Kandidat der Grünen in Wien für den Gemeinderat und Landessprecher der Grünen Andersrum Wien auf Twitter:

Theorie: ÖVP sind die Argumente gegen #Ehefüralle ausgegangen, jetzt haben sie sich Franz zur „ideologischen Untermauerung“ geholt. #wtf

Anstatt im 21. Jahrhundert anzukommen, baut die Partei von Parteiobmann Reinhold Mitterlehner weiter an einer Mauer der Vergangenheit und blockiert die längst überfällige Gleichstellung. Die Evolution der ÖVP ist nicht zukunftsorientiert, sondern die Partei will sich in die Vergangenheit entwickeln.

Die einzige Kernkompetenz der ÖVP bei Zukunftsfragen: Homophobie und Diskriminierung. Diese wurde mit dem Abwerben von Marcus Franz verfestigt.

(Bild: Dieter Zirnig – CC-BY-2.0 – Flickr)
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11 Comments
  1. […] zu erfinden, umzusetzen und anschließend zu rechtfertigen und zu verteidigen. Die ÖVP sollte die Zeichen der Zeit erkennen und jetzt endlich die Diskriminierung und […]

  2. […] von der ÖVP blockiert, die sich erst kürzlich Verstärkung für ihr homophones Bollwerk holte (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und ersteres von den Rechtspopulisten gelebt, wo sich erst kürzlich ein (mittlerweile […]

  3. […] NEO-ÖVP-Abgeordneten Marcus Franz, der in der Vergangenheit gegen Homosexualität gewettert hat (thinkoutsideyourbox.net berichtete), FPÖ-Abgeordnete Carmen Schimanek und ÖVP-Politikerin Gabriele […]

  4. […] Unter den nur rund 250 TeilnehmerInnen auch die Bezirksvorsteherin des ersten Bezirkes, Ursula Stenzel (ÖVP) und der Neo-ÖVP-Nationalratsabgeordnete und Marcus Franz, der schon in der Vergangenheit mit homophoben Aussagen aufgefallen ist (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  5. […] Ob diese jedoch positiv ausfällt, ist sehr zu bezweifeln, hat die ÖVP doch erst sich mit ehemaligen „Team Stronach“-Abgeordnete homophobe Unterstützung im Parlamentsklub geholt (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  6. […] Franz vom „Team Stronach“ auf Bundesebene den Kurs der  Vergangenheit ausgebaut (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Franz hat in der Vergangenheit davon gesprochen, dass eine „genetisch Anomalie“ und […]

  7. […] Auch wenn sich der Gründe des „Team Stronach“, der schrullige Milliardär Frank Stronach vor der Nationalratswahl grundsätzlich für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen hat, sind von diesen Werten in der der übrig gebliebenen Rumpfpartei nicht viel über, nachdem zuvor die ÖVP Abgeordnete abgeworben hat und so selbst ihr homophobes Profil geschärft hat (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  8. […] betreibt. Statt im 21. Jahrhundert anzukommen, baut die ÖVP ihr homophobes Bollwerk aus (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und stellt beispielsweise in Wien eine Kandidatin auf, die die Homophobie mit falsch verstandener […]

  9. […] Die ÖVP baut zusätzlich ihr homophobes und diskriminierendes Bollwerk weiter aus, wie die Kandidatin Gudrun Kugler in Wien mehrfach bewiesen hat (thinkoutsideyourbox.net berichtete), aber auch auf Bundesebene holt sich die ÖVP homophobe Verstäkrung (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

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