Eingetragene Partnerschaft: 40 % weniger Verpartnerungen in Steiermark 2011

Seit dem 1. Jänner 2010 gibt es in Österreich das Rechtsinstitut der Eingetragenen Partnerschaft für lesbische und schwule Paare. Österreichweit schlossen im ersten Jahr 705 gleichgeschlechtliche Paare eine Eingetragene Partnerschaft. In der Steiermark waren es 74 Paare, die sich „verpartnert“ haben. Im Jahr 2011 verzeichnete die Steiermark einen deutlichen Rückgang der „Verpartnerungen“, was einerseits auf die politischen Bosheiten der ÖVP, welche Lesben und Schwule bestimmte (auch symbolische) Rechte vorenthalten wollte (und will), sowie auf ein Abebben jener Paare, die bereits sehnlich auf die Möglichkeit der „Eheschließung“ gewartet haben, zurückzuführen ist.

Wurden im ersten Jahr der Einführung der Eingetragenen Partnerschaft in der Steiermark noch 74 begründete Eingetragene Partnerschaften verzeichnet, so ist die Anzahl im Jahr 2011 um knapp 40 % zurück gegangen. In den 12 Monaten des letzten Jahres schlossen nur mehr 43 gleichgeschlechtliche Paare eine Eingetragene Partnerschaft.

Damit hat das Bundesland Steiermark im Gegensatz zum südlichen Nachbarn Kärnten eine großen Rückgang zu verzeichnen. In Kärnten wurden im Jahr 2011 um zwei Eingetragene Partnerschaften (19) mehr geschlossen, als im Jahr davor (17) (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Gesamt waren es im Jahr 2010 bundesweit 705 Eingetragene Patnerschaften, die von Lesben und Schwulen eingegangen wurden.

Rückgang war zu erwarten

Der Rückgang im zweiten Jahr nach der Einführung der Eingetragenen Partnerschaft mit Jänner 2010 war zu erwarten, da im ersten Jahr auch viele Paare sich „verpartnert“ haben, die bereits sehnlich auf diese Möglichkeit der Anerkennung ihrer Beziehung gewartet haben.

Diesen Umstand betont auch die steirische Gleichbehandlungsbeauftragte des Landes, Sabine Schulze-Bauer, wie ORF Steiermark berichtet:

„Ich glaube schon, dass die Partnerschaften angenommen werden, wie man gedacht hat, allerdings ist mit einem Rückgang zu rechnen gewesen, weil das 2010 einfach das erste Mal möglich war, und da schon viele Paare darauf gewartet und das in Anspruch genommen haben.“

Weiters begründet sie diesen Rückgang damit, dass die Eingetragene Partnerschaft zu wenig „ehe-ähnlich“ sei, wie beispielsweise, dass nicht auf allen Standesämtern diese geschlossen werden dürfen, sondern vielfach auf der Bezirksverwaltungsbehörde. Dies war jedoch eine „Bosheit“ der ÖVP, die um jedweden Preis verhindern wollte, dass die Eingetragene Partnerschaft (symbolisch) mit der „heiligen“ traditionellen Ehe zwischen Mann und Frau weitestgehend gleichgestellt sei. Doch nicht nur symbolische Bosheiten gehen auf das Konto der Volkspartei.

Für die Gleichstellungsbeauftragte des Landes gehöre letztlich auch das Recht auf Adoption für homosexuelle PartnerInnenschaften dazu:

„Viele Paare wünschen sich ja zum Beispiel auch die Adoption von Kindern, und darüber müsste man eventuell auch nachdenken.“

Steiermark ebenfalls mit deutlichem Stadt-Land-Gefälle

Im Jahr 2010 zeichnete die Bundeshauptstadt Wien für fast 50 % aller Eingetragenen Partnerschaften bundeszweit verantwortlich. Und auch in der Steiermark – ebenso wie in Kärnten – setzt sich dieser Trend im Jahr 2011 fort, dass am ehesten in der (größeren) Stadt eine Eingetragene Partnerschaft geschlossen wird.

Von den landesweit 43 geschlossenen Eingetragenen Partnerschaften im Jahr 2011 waren es in der Landeshauptstadt Graz 28. Danach folgt der Bezirk Bruck mit vier Verpartnerungen. Keine Eingetragene Partnerschaften wurden dagegen in Fürstenfeld, Leoben oder auch in Voitsberg geschlossen.

Auch müsse das zeitliche Angebot deutlich verbessert werden. Derzeit können in Graz beispielsweise im Grazer Rathaus homosexuelle Verpartnerungen mit einem festlichen Rahmen nur am Freitag im Zeitraum von 12:00 bis 14:00 Uhr, sowie an einem Samstag im Monat erfolgen. Wien hat dagegen alle Standesämter, Festräumlichkeiten der Bezirksämter und Traumhochzeitslocations auch für Lesben und Schwule geöffnet. Eine Normalität, die für ganz Österreich die Regel sein sollte.

Noch hat die Statistik Austria keine Zahlen für ganz Österreich veröffentlicht, doch glaubt man dem Trend, wird es wohl auch österreichweit einen Rückgang der Neubegründungen einer Eingetragenen Partnerschaft geben.

Die SPÖ ist jedenfalls als Kanzlerpartei gefordert, die ÖVP zu entsprechender Einsicht zu bewegen, damit diese ihr ideologisch begründetes Gesellschaftsbild aus dem vorhigen Jahrhundert endlich überdenkt, und allen BürgerInnen – unabhängig der sexuellen Orientierung – die gleichen Rechte (und Pflichten) zuerkennt. Das impliziert, dass der Gesetzgeber auch endlich Regenbogenfamilien als Faktum ansieht und entsprechend würdigt, damit die Rechtsunsicherheit für diese Familien ein Ende hat.

(Bild: Pete – CC-BY-2.0 – Flickr)
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3 Comments
  1. […] Eingetragene Partnerschaft: 40 % weniger Verpartnerungen in Steiermark 2011 […]

  2. […] bereits die Bundesländern Kärnten (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und die Steiermark (thinkoutsideyourbox.net berichtete) die Zahlen für die eingegangenen Eintragenen Partnerschaften im Jahr 2011 veröffentlicht haben, […]

  3. […] gingen die Zahlen der Verpartnerungen von 74 auf 43 zurück, was einem Rückgang um 40 % bedeutet (thinkoutsideyourbox.net berichtete). In Wien wurde ebenfalls ein deutlich Rückgang gegenüber 2010 verzeichnet – wenn auch auf […]

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