Diskriminierungsende: Salzburg öffnet Pflegeelternschaft für homosexuelle Paare

Kurz bevor die neue Landesregierung, bestehend aus ÖVP, Die Grünen und Team Stronach, am Mittwoch angelobt wird, hat der scheidende Soziallandesrat und stellvertretender Landeshauptmann, Walter Steidl (SPÖ) mit einer Weisung die Diskriminierung von homosexuellen Paaren bei der Pflegeelternschaft beendet und das Kindeswohl in den Mittelpunkt gestellt. Erfreut zeigten sich über diese Entwicklung die ‚HOSI Salzburg‘ und der Verein ‚FAmOs – Familien Andersrum Österreich‘.

Bislang durften Behörden in Salzburg bei der Vergabe von Kindern an Pflegeeltern gleichgeschlechtliche Paare ausschließen – einzig aufgrund der sexuellen Orientierung wurde ihnen die Befähigung zur Pflegeelternschaft abgesprochen. Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Soziallandesrat hat Walter Steidl noch eine Weisung an die zuständige Abteilung Soziales ausgegeben, diese diskriminierende Praxis zu beenden.

Weisung umsetzen, MitarbeiterInnen sensibilisieren

Mit Salzburg kommt – kurz vor dem Wechsel des Landeshauptmannes/der Landeshauptfrau von der abgewählten Gabi Burgstaller (SPÖ) zu Wilfried Haslauer (ÖVP), der zukünftig mit den Grünen und dem Team Stronach eine Landesregierung bildet, zu einer wichtigen Weisung.

Der scheidende Soziallandesrat und bisherige LH-Stellvertreter Walter Steidl hat das Kindeswohl in einer Weisung in den Mittelpunkt gestellt und die zuständige Behörde angewiesen, gleichgeschlechtliche Paare zukünftig bei der Vergabe von Pflegekindern nicht mehr aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu diskriminieren. Steidl zu seiner Weisung:

 „Es ist durch nichts zu rechtfertigen, dass es im Vergleich zu heterosexuellen Paaren oder Personen nach wie vor zu einer Ungleichbehandlung von homosexuellen Paaren oder Personen kommen kann, wenn diese eine Pflegeelternschaft von Kindern übernehmen wollen. Eine entsprechende Weisung von mir soll diese Ungleichbehandlung künftig verhindern. Aufgrund der sexuellen Orientierung darf es im Bereich des Pflegekindwesens zu keiner Benachteiligung von Bewerberinnen und Bewerbern durch die entscheidenden Behörden kommen. Das wichtigste Entscheidungsmerkmal muss für die Behörden sein, bei welchem Paar oder welcher Person das Kind bzw. die Kinder am besten aufgehoben ist bzw. sind. Ob das nun ein heterosexuelles Paar oder ein homosexuelles Paar ist, darf dabei keine Rolle spielen.“

Salzburg folgt damit anderen österreichischen Bundesländern wie Wien, Tirol, Oberösterreich und der Steiermark. Die „HOSI Salzburg“, welche sich über die Weisung von Steidl erwartungsgemäß sehr erfreut zeigte, erklärte, dass nun Schulungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen für die MitarbeiterInnen der Behörde notwendig werden und die Weisung umgesetzt wird.

HOSI Salzburg fordert Informationskampagne

Anders als in der Bundeshauptstadt Wien, wo mittels Kampagnen gezielt Aufklärungsarbeit betrieben und gleichgeschlechtliche Paare als Pflegeeletern angeworben werden, wurde in Salzburg bislang kein Bedarf für Informations- und/oder Werbekampagnen zur Pflegeelternschaft gesehen. Die „HOSI Salzburg“ fordert hier nun gezielt entsprechende Maßnahmen. Gern Marx von der „HOSI Salzburg“ dazu:

„Auf der einen Seite spricht man von Gleichstellung, auf der Anderen informiert man die BürgerInnen nicht über die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Direkte Demokratie und Transparenz sind die Schlagworte unserer PolitikerInnen, das bedeutet auch, dass Informationen – in einfacher Sprache – breit gestreut und intensiv beworben werden müssen.“

Auch unter der neuen Landesregierung baut die Salzburger LGBT-Interessenvertretung auf eine gute Zusammenarbeit und freut sich, dass bereits erste VertreterInnen dies signalisiert haben.

FAmOs erfreut über Weisung

Der Verein „FAmOs – Familien Andersrum Österreich“ zeigte sich ebenfalls sehr erfreut, dass ein weiteres Bundesland gleichgeschlechtliche Paare bei der Vergabe von Pflegekindern nicht mehr grundsätzlich ausschließt und somit diskriminiert, sondern das Kindeswohl in den Mittelpunkt stellt. Barbara Schlachter vom Verein FAmOs:

„Mit Salzburg sind es neben Wien, Oberösterreich, Steiermark und Tirol nun fünf Bundesländer, in denen gleichgeschlechtliche Paare Pflegekinder aufnehmen dürfen. In Wien blickt man bereits auf 18 Jahre Erfahrung mit homosexuellen Pflegeeltern zurück und weiss, dass es in der Regel genauso gut funktioniert wie bei heterosexuellen Pflegeeltern. Wieso auch nicht? Gelungene Elternschaft misst sich nicht am Geschlecht oder der sexuellen Orientierung der Eltern sondern an der Qualität der Erziehung und der Fähigkeit einem Kind Liebe, Geborgenheit und Respekt entgegenzubringen.“

Die Entscheidung über die Vergabe der Pflegeelternschaft ist in Österreich Ländersache und in der Jugendwohlfahrt geregelt. Barbara Schlachter fordert daher die jeweiligen Landesregierungen zum Handeln auf, dass auch in den restlichen Bundesländern der Ausschluss von gleichgeschlechtlichen Paaren bei der Pflegeelternschaft aufgehoben wird und noch mehr Kindern in Notsituation ein liebevolles und geborgenes Zuhause geboten werden kann.

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