CSD Vienna: Der Neustart beginnt!

Wien soll wieder einen CSD bekommen, der international für Aufsehen sorgt, die ganze Vielfalt der lesBiSchwulen und transidenten Community wiederspiegelt und zusammenführt sowie parteiunabhängig für die gleichen Rechte von Lesben, Schwulen und transidenten Personen eintritt. Die Regenbogenparade hat in den letzten Jahren viel an Glanz verloren, war ideenlos und konnte diesem Anspruch längst – zumal der Eindruck einer „Werbeveranstaltung“ für die Regenbogenparaden-Veranstalterin enstand – nicht mehr gerecht werden. Nachdem viele in der Szene diesem Umstand nicht länger zusehen wollten, hat sich ein Verein gegründet, um den CSD Vienna neu aufzustellen.

Im Sommer haben sich zahlreiche Community-VertreterInnen zusammen gefunden, um die auf der Regenbogenparade 2010 geborene Idee, eines Neustarts der Kundgebung, zu konkretisieren. Im Spätsommer startete der Aufruf, weitere InteressentInnen für eine Neuorganisation zu finden. Auf der Homepage des CSD Vienna hat sich in weiterer Folge eine überwältigende Zahl von Community-VertreterInnen/Vereinen etc als UnterstützerIn eingetragen. In den letzten Wochen wurde die HOSI Wien, welche die Regenbogenparade in den letzten Jahren (eigentlich als Provisorium) übernahm und veranstaltete, mehrfach eingeladen, sich im Rahmen der neuen Organisation einzubringen und der Community zu öffnen.

Sämtliche Gespräche zwischen dem neuen CSD Vienna Verein und der HOSI Wien brachten jedoch bislang keine Einigung und so hat die HOSI Wien diese ausgestreckte Hand bislang nicht zur Zufriedenheit vieler angenommen. Vielmehr erhebt die HOSI Wien nachwievor den Anspruch, als einzige LGBTI-Organisation die jährliche Parade zu veranstalten. Am 9. November 2010 fand im Gugg der HOSI Wien eine offene Diskussionsveranstaltung statt, wo die HOSI Wien über das Feedback zur vergangenen Regenbogenparade informieren und einen Ausblick bieten wollte. Laut einem Bericht an thinkoutsideyourbox.net haben sich gerade einmal 1 Lokal und 3 Vereine der LGBTI-Community eingefunden. Ferner waren 5 VertreterInnen des neuen Vereins CSD Vienna anwesend. Dieses mangelnde Interesse an der Informationsveranstaltung zeigt offenbar, dass die Community etwas Neues und einen Neustart des CSDs in Wien wünscht.

Neuer Verein „CSD Vienna“ konstituiert sich

Im Sommer wurden die Vereins-Strukturen erarbeitet. Nachdem konkrete Projektgruppen gegründet und entsprechende Aufgabenverteilungen stattgefunden haben, hat sich der neu gegründete Verein „CSD Vienna“ Anfang November mit der Wahl des Vorstandes konstituiert. Bei der konstituierenden Generalversammlung wurde Univ.Prof. Dr. Andreas Salat zum Obmann und Patricia Kleinwächter zur stellvertretenden Obfrau gewählt. Komplettiert wird der Vereinsvorstand von Schriftführer Ingo Abelshauser und Kassierin Elisabeth Cinatl.

Mit der Gründung des Vereins „CSD Vienna“ wurde nun der Grundstein für einen Neustart des Christopher-Street-Days in Wien gelegt. Die jährlichen CSD-Paraden erinnern an die Aufstände von Lesben und Schwulen in New York im Jahr 1969, als diese sich erstmals gegen Polizeiübergriffe und Repressionen wehrten und haben neben einem bunten Paradenzug eine klare politische Forderung: Gleiche Rechte für Lesben, Schwule und transidente Personen.

Weil es deine Parade ist!

Der Obmann des neu gegründeten Vereins, Andreas Salat, macht auch gleich  deutlich, was er sich für Wien wünscht:

„Der Weltstadt Wien gebührt wie vielen anderen Großstädten ein strahlender und lebendiger Event anstelle einer kaum mehr wahrgenommenen, weil ideenlosen undweltverschlossenen Parade.“

Der neue Verein kritisiert auch zurecht die HOSI Wien. Die heurige Regenbogenparade war (subjektiv empfunden) eine einzige Werbeveranstaltung der HOSI Wien selbst. Der Sammelaufruf „20.000 Handys für den Regenbogen“ war kein Aufruf für Projekte der LGBTI-Community, sondern diente einzig dazu, die Kasse der HOSI Wien zu füllen, um die neuen Vereinslokalitäten zu finanzieren.

Die Kritik an die HOSI wurde in den Vergangenheit mehrfach von vielen Seiten geäußert. Die Zufriedenheit in der Community war am Tiefpunkt und so war es wenig verwunderlich, dass (fast) die gesamte Lokalszene der Regenbogenparade 2010 fern blieb.

Ebenfalls wurde in der Vergangenheit die politische (Un)abhängigkeit der HOSI Wien zum Thema. Einzelne Forderungen der HOSI Wien entsprachen zuletzt auch mal in keinster den Ansichten der Community. So „begrüßte“ die HOSI Wien im vergangenen Jahr den Entwurf zur Eingetragenen Partnerschaft für Lesben und Schwule bzw. kritisierte massivst eine Initiative zahlreicher LGBTI-AktivistInnen, der sich ebenfalls fast die gesamte Community anschloss, die gegen ein schlechtes Gesetz und für die gleichen Rechte auf die Straße gingen. Zufälligerweise ist (oder war?) der Obmann der HOSI Wien, Christian Högl, Mitglied der Regierungspartei SPÖ… In der Nachbetrachtung der Regenbogenparade 2010 leistete sich dann HOSI Generalsekretär Kurt Krickler eine Entgleisung der Sonderklasse. Er bezeichnete LGBTI-AktivistInnen, die gerichtlich gegen die Diskriminierungen von Lesben, Schwulen und transidenten Personen vorgehen, als PR-geile „arme Diskriminierungsopfer-Hascherl„. Damit disqualifizierte er sich und – trotz vieler Verdienste in der Vergangenheit – auch die älteste Lesben- und Schwulenorganisation Österreichs, die HOSI Wien.

Die HOSI Wien erhebt offenbar den Anspruch, dass einzig die HOSI Wien das Recht hat, die Community und all ihre Interessen zu vertrten. Damit agieren die höchsten Vertreter der HOSI Wien entgegen den eigenen Forderungen der Community – Vielfalt fördern und leben.

So kritisiert die stellvertretende Obfrau des Vereins „CSD Vienna“, Patricia Kleinwächter, völlig zurecht und fordert:

“Wer Vielfalt verlangt, muss Vielfalt leben und Vielfalt zulassen – proaktives Zusamenarbeiten bringt uns näher ans Ziel!”

„CSD Vienna“ steht allen LGBTI-Community-Mitgliedern offen

Der neu gegründete Verein betont in einer Presseaussendung erneut, dass dieser sämtlichen LGBTI-VertreterInnen offen steht. Organisatorisch haben die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen sich in 4 Projektgruppen gegliedert (Organisation, Programm, Marketing & Sponsoring und Vernetzung). Natürlich braucht es zur Organisation dieses Großprojekts viele ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Daher können sich jederzeit Interessierte auf der Homepage des CSD Vienna melden.

Damit ist auch die HOSI Wien weiter eingeladen, ihre Abgrenzung und Ausgrenzung der Community zu beenden und sich in der unabhängigen, ohne Gewinnorientierung agierenden Dachorganisation einzubringen, damit der CSD Vienna wieder das wird, was er sein soll – eine Vertretung der gesamten Community.

Konzept und CSD-Termin werden demnächst vorgestellt

Die Vorbereitungen für den neuen CSD Vienna 2011 laufen bereits auf Hochtouren. Der Verein CSD Vienna freut sich bereits über die in Aussicht gestellte Unterstützung der Stadt Wien und eine Vielzahl an UnterstützerInnen aus der LGBTI-Community und KooperationspartnerInnen. Das Gesamtkonzept des CSD Vienna 2011 wird gerade erarbeitet und wird in den nächsten Wochen der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Neustart in Wien ist dringend notwendig. Auch mit der HOSI Wien wird es einen weiteren Gesprächstermin geben. Bleibt abzuwarten, ob die HOSI Wien die Einsicht ereilt, dass die Regenbogenparade/CSD Vienna, die Vienna Pride und Celebration sowie Pride Partys einen Neustart benötigen. Der CSD Vienna setzt alles daran, damit „wir“ 2011 eine bunte, laute, fordernde Parade für gleiche Rechte für Lesben, Schwule und transidente Personen haben, die die Vielfalt der Community zeigt und lebt.

Bild 1: © CSD Vienna – Gestaltung Anlavaro Design, www.anlavaro.com
Bild 2: ©  CSD Vienna – Jansenberger Fotografie, www.digitalimage.at

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4 Comments
  1. birgit says

    liebe csd’s!

    wirklich fein, dass ihr euch mit neuer kraft & lust des csd annehmt! er kanns jedenfalls gut brauchen – und wir alle auch! :-)

    sollte es, à la wien ist andersrum, mehr als nur die parade betreffen, würde mich das umso mehr freuen!

    allerdings: einen neustart mit dem bashing der vorgängerInnen zu beginnen (ob zu recht oder unrecht ist hier nicht die frage), halte ich offen gesagt für überaus kontraproduktiv.

    ich habe mit der hosi nicht das geringste zu tun, es würde mich aber nachgerade wundern, wenn diese nach obigem schrieb (von wegen „abgrenzung“ und „ausgrenzung“) noch große lust hätte, euer angebot(?) auf zusammenarbeit(?) anzunehmen. und das wär auch irgendwie schad…

    dennoch freu ich mich schon auf eure neuen ideen, um die szene wieder lebhafter zu gestalten! good luck!
    birgit

  2. thinkoutsideyourbox.net says

    Birgit, danke für deine offenen Worte.

    Der obige Artikel ist meine Privatmeinung. Ferner ist dieser Artikel in keinster Weise Bashing, sondern viel mehr sachliche und absolut gerechtfertigte Kritik. Wenn diese die Verantwortlichen der HOSI Wien nicht vertragen, dann sind sie in ihrer Position ohnehin falsch.

    Die Haltung, dass „nur die HOSI Wien die Parade veranstalten darf und die HOSI Wien diese nie abgeben werde“ ist in meinen Augen Abgrenzung von und Ausgrenzung der Community. Der Verein CSD Vienna hat mehrfach in der Vergangenheit der HOSI Wien angeboten, gleichberechtigt mit anderen LGBTI-Vereinen bei der Dachorganisation mitzuarbeiten. Das wollen die Verantwortlichen aber nicht.

    Mein Resümee daher: Da muss mensch nicht viel herumschreiben. Das ist so, wie oben geschrieben.

  3. Harald says

    Besser die Hosi als Veranstalter als Auslieferung an den Kommerz, ich verstehe das Hosi-Bashing überhaupt nicht… schließlich hat die Hosi einem Pardenverein aus der Patsche verholfen – als dieser es nicht mehr schaffte die Parade zu organisieren… die jetzige Neugründung hat wohl eher damit zu tun, dass ein schwules Marketing-Unternehmen bisher nicht mitschneiden konnte… Wo waren denn die Lokale bisher mit ihren Ideen? War ja bisher niemand ausgeschlossen… ich fand die letzten Paraden immer sehr gelungen (und habe nicht die geringste Naheverbindung zur Hosi).

  4. thinkoutsideyourbox.net says

    Harald, wie auch schon im Artikel ausgeführt oder im vorigen Artikel erläutert, ist dieser Verein ohne Gewinnorientierung. Die Parade soll nur auf breite Beine gestellt werden und der Verein steht sämtlichen Organisationen offen. Das von dir angeführte Marketingunternehmen ist nichtmal im Vereinsvorstand vertreten.

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