Aus Regenbogenparade soll CSD Vienna werden

Der Christopher-Street-Day in Wien muss auf neue Beine gestellt werden. Nachdem in der letzten Zeit die Kritik an der Organisation durch die HOSI Wien, die die Parade seit 2003 quasi als Provisorium organisierte, und der Regenbogenparade selbst, immer lauter wurde und heuer in einer gefühlten „HOSI-Werbeveranstaltung“ gipfelte, haben viele lesBiSchwule und transidente Organisationen gesagt, dass es eine Veränderung braucht.

Schon während der Parade war die Kritik spürbar, da selbst viele treue ParadenteilnehmerInnen heuer fern geblieben waren. In der Nachbetrachtung der Regenbogenparade 2010 folgte dann noch von HOSI-Generalsekretär Kurt Krickler eine Entgleisung, als er in den LAMBDA-Nachrichten LGBTI-AktivistInnen als PR-geile „arme Diskriminierungsopfer-Hascherl“. Damit disqualifizierte sich Krickler, der in der Vergangenheit – ebenso wie die HOSI Wien – viel geleistet hat, jedoch selbst. Auch HOSI Wien-Obmann Christian Högl bzw. die HOSI Wien selbst war in der Vergangenheit wegen möglicher fehlender Parteiunabhängigkeit in der Kritik. So wurde beispielsweise in einer Aussendung für eines von den Grünen Andersrum gesponsertes Event, das Logo der Grünen einfach wegretuschiert.

CSD Vienna – ein Dach für alle

Nun wurde der Verein „CSD Vienna“ gegründet, damit es 2011 einen Neustart unter neuem Namen für die Regenbogenparade geben kann. Nächstes Jahr soll die Parade „CSD Vienna“ heißen und die ganze Vielfalt der LGBTI-Community zeigen. Der Verein soll  ein Dach für alle lesBiSchwule NGOs, Vereine, Interessensgruppen und/oder Privatpersonen bilden, um den CSD Vienna und die Organisation auf neue und gänzlich parteipolitisch unabhängige Beine zu stellen.

Im Folgenden die Presseaussendung:

CSD Vienna

In der österreichischen Community tut sich etwas – und zwar etwas Großes und bislang in dieser Form Einzigartiges: Derzeit mehr als 45 Medien, Vereine und Unternehmen der Community starten eine neue Bewegung …

Direkt nach der heurigen Regenbogenparade haben sich Community-Medien zusammengefunden und gemeinsam festgestellt, dass die alljährliche Parade nicht nur neuen Schwung, sondern einen Neustart braucht. In den folgenden Wochen wurden Meinungen eingeholt, Ideen gewälzt, Konzepte geschrieben und zahlreiche Unterstützer gefunden.

Nun ist es so weit und das neue, gemeinsame Projekt nimmt sehr konkrete Formen an. „CSD Vienna“ wurde als Verein gegründet und wird der österreichischen LGBT-Community ein neues Dach sein –  ein transparenter Verein, in den sich alle einbringen können und der der Community als unabhängiger Veranstalter für die jährliche Parade und die Events davor und danach dient.

Der „CSD Vienna“ ist seit Beginn auf die Einbindung ALLER ausgelegt und daher geht nun der Aufruf an alle, sich einzubringen und gemeinsam die neue Bewegung zu gestalten. Eine Bewegung, die die ganze Vielfalt der österreichischen Community widerspiegelt.

Es gibt zu allen Themen und Bereichen, die die Organisation betreffen, die Möglichkeit, mitzuarbeiten: Egal, ob du dich gerne in die Entwicklung von Ideen oder in die konkrete Umsetzung einbringen möchtest – der „CSD Vienna“ bietet  spannende Möglichkeiten und Herausforderungen. Auch ob du nur sporadisch Zeit hast, oder dich intensiv das ganze Jahr über engagieren möchtest, spielt keine Rolle – willkommen sind alle, die gerne im Team arbeiten und die Parade zu einem prachtvollen Ereignis machen möchten.

Machen wir den CSD gemeinsam zu einem großen, kraftvollen Event der sich international mit anderen CSDs messen kann und zu dem Gäste aus aller Welt gerne nach Wien kommen! Wenn du Lust hast mitzuarbeiten, kontaktiere die Initiative einfach gleich über die Webseite.

Weitere Infos zum „CSD Vienna“ findest du auf: www.CSDvienna.at

Facebook: www.csdvienna.at/facebook
Twitter: www.twitter.com/csdvienna

Zwar haben Lesben und Schwule seit Jahresbeginn die Möglichkeit ihre Partner_innenschaft rechtlich absichern zu lassen. Mit der Einführung der Eingetragenen Partnerschaft hat Österreich einen ersten Schritt ins 21. Jahrhundert gemacht. Diesem Schritt müssen viele weitere folgen. Gleichzeitig haben sich in den letzten Monaten homophobe Ausritte von verschiedenen Kreisen gehäuft. Auch die Forderung nach einer „Reparatur“ (weniger Rechte für Lesben und Schwule, wie dies die FPÖ in einer parlamentarischen Anfrage indirekt forderte) sind aufgekommen.

Gerade deswegen ist ein öffentlich sichtbares Signal mehr als nur notwendig. Und dazu bedarf es einer parteiunabhänigen CSD-Parade, bei der die HOSI Wien als älteste Interessensvertretung für Lesben und Schwulen natürlich gerne auch zur gleichberechtigten Mitarbeit eingeladen ist, damit den Forderungen der LGBTI-Community Nachdruck verliehen werden kann und die politischen Parteien erkennen, dass alle Menschen die gleichen Rechte verdienen.

(Bildquelle: flickr – essygie – cc-by)
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4 Comments
  1. Rubberinchen says

    Ist sehr zu begrüßen, so sehr ich auch die Arbeit der Hosi schätze, die ja damals wie die Jungfrau zum Kinde gekommen ist. Bei den Orga – Treffen kam man sich als Frau schon sehr unerwünscht vor.
    Freu ich auf eine tolle Regenbogenparade 2011

  2. thinkoutsideyourbox.net says

    Richtig, die HOSI Wien leistet(e) ja auch wichtige und gute Arbeit und ist eine der wichtigsten Interessensvertretungen. Das habe ich auch vorhin angeführt. Der CSD in Wien braucht aber dringend eine Veränderung und einen Neustart.

  3. Sylvia says

    Schön, dass was getan wird. Die langjährige Arbeit der HOSI ist auf keinen Fall zu unterschätzen, jedoch die Diskussionsbereitschaft der „alten Liga“ der HOSI lässt einiges zu wünschen übrig. Die Diskrepanz zwischen der offiziellen Überparteilichkeit und der Realität wird ja leider zu sichtbar. Sehr sehr schade. Hoffentlich ändert sich dies bald!

  4. […] Sommer haben sich zahlreiche Community-VertreterInnen zusammen gefunden, um die auf der Regenbogenparade […]

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