Am IDAHO-Tag soll in Albanien der erste CSD stattfinden

Jedes Jahr am 17. Mai wird der „Internationale Tag gegen Homophobie“ (IDAHO) begangen, um ein Zeichen zu setzen gegen Homophobie und Transphobie. Am 17. Mai 2012 soll darüberhinaus in Albanien, in der Hauptstadt Tirana, zum ersten Mal ein Christopher-Street-Day stattfinden, um auf die Belange von LGBTs aufmerksam zu machen. Zwar verbietet seit 2010 ein Gesetz die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in Albanien, doch bereits kurz nach Bekanntgabe des Gay Pride Datums folgten Beschimpfungen, gar ein Gewaltaufruf eines monarchistischen Politikers und Stimmungsmache gegen die Parade durch Glaubensgemeinschaften.

In Tirana, der Hauptstadt des Balkanstaates Albanien soll am 17. Mai – gleichzeitig zum „International Day Against Homophobia“ (IDAHO) der erste CSD des Landes stattfinden, wie albanische LGBT-Organisationen am Freitag bekannt gaben. Gleich nach der Ankündigung folgten scharfe und homophobe Reaktionen, von religiösen Vertretern. Ein Minister der albanischen Regierung verkündete gar, dass er die TeilnehmerInnen mit Schlagstöcken zusammenschlagen würde.

„Der 17. Mai wird ein besonderer Tag sein“

Die Schwulen- und Lesbenorganisation „Ambasada Pink“ freute sich, den Tag des ersten CSD zu verkünden. Altin Hazizaj sagte in einer Stellungnahme an die Medien:

„Der 17. Mai wird ein besonderer Tag sein. Die LGBT-Flagge (Regenbogenfahne) wird zum ersten Mal in Tirana gehisst werden.“

Die Ankündigung der LGBT-Organisation sorgte umgehend für teils offen homophobe Meldungen von Vertretern unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften, die massiv gegen die Abhaltung des CSD Stimmung machten. Ein Politiker der monarchistischen Partei sorgte gar mit einem Gewaltaufruf für Aufregung.

Stellv. Verteidigungsminister Ekrem Spahiu will TeilnehmerInnen mit „Schlagstock verprügeln“

Der stellvertretender Verteidigungsminister der Regierung und Vorsitzende der kleinen monarchistischen Partei rief in einer Stellungnahme gar zur Gewalt gegen Lesben, Schwule und Transgender auf, wenn diese auf der CSD-Parade marschieren. So sagte Ekrem Spahiu:

„Mein einziger Kommentar zu dieser Lesben- und Schwulenparade ist, dass sie mit Gummiknüppeln verprügelt werden sollten“.

Die Aussage des Politikers könnte jedoch für ihn ein rechtliches Nachspiel haben, schließlich hat Albanien seit 2010 ein Gesetz zum Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung. LGBT-Organisationen wollen nun prüfen, ob die Aussage von Ekrem Spahiu strafrechtlich relevant ist und vom bestehenden Gesetz geahndet werden kann. Das albanische Recht sieht jedenfalls Gefängnisstrafen von bis zu 5 Jahren vor. Die LGBT-Organisation „Ambasada Pink“ ist bereits mit ihren Anwälten in Kontakt getreten. Und auch der albanischen Menschenrechtsobmann Igli Totozanzi fordert vom Ekrem Spahiu eine Entschuldigung.

Glaubensgemeinschaften wettern ebenfalls gegen CSD

Doch nicht nur von Seiten der Politik kamen erste Anfeindungen. Auch verschiedene Glaubensgemeinschaften machen gegen die Abhaltung des ersten CSD in Tirana mobil. Wie ggg.at berichtet wetterte umgehend der Vertreter der muslimische Glaubensvertreter Agron Hoxha gegen die CSD-Parade:

„Solche öffentlichen Demostrationen sind ein Missbrauch der Menschenrechte und Freiheiten und stellen eine Gefahr für die Moral und Tradition der albanischen Familie dar.“

Auch die katholische Kirche gab eine erste Stellungnahme ab, wo sie gleichlautend zum Vertreter der Muslimen eine eigene Sichtweise auf Menschenrechte hat. So verlautbarte Gjergi Meta, dass

„Homosexualität gegen die Naturgesetze und die Moral der Gesellschaft“

sei. Immer wieder erstaunlich (und erschreckend zugleich), welch‘ „kruden“ Ansichten verschiedene Glaubensgemeinschaften auf die natürliche Sexualität des Menschen haben, im gleichen Atemzug die Diskriminierung von Lesben und Schwulen fordern und ihnen Grundrechte wie das Recht auf Meinungsfreiheit oder das Versammlungsrecht verwehren wollen.

Wie die CSD-Parade ablaufen wird, kann noch nicht gesagt werden. So sagte die Menschenrechtsaktivistin Elsa Ballauri:

„Wir können nicht vorhersehen, ob es eine Reaktion der Gesellschaft gibt oder ob es reibungslos abläuft.“

Ist zu hoffen, dass der Staat sich zu seinen Gesetzen bekennt und die Grundrechte einer Demokratie und der Menschenrechte für LGBTs wahrt und ihnen das fundamentale Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit sicherstellt. Allen LGBTs in Albanien und den Pride OrganisatorInnen gilt die völlige Solidarität.

(Bild: Flickr – Kevin Wong – CC-BY-2.0)
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