Wer bin ich, um über Homosexuelle zu richten? Papst Franziskus bestätigt alte Doktrin mit neuen Worten

Auf seinem Rückflug von seiner Reise nach Brasilien hat Papst Franziskus ein Interview gegeben, wo er seine Sichtweise zu vielen Themen äußerte. Auch wurde er zur Haltung (der römisch-katholischen Kirche) zu Homosexualität gefragt. Erstmals hat der Papst dabei mildernde Worte verwendet, welche im Gegensatz zu früheren Aussagen stehen. Dennoch stellt sich die Frage, ob es der Beginn eines möglichen Umdenkens in der Kirche ist oder einfach nur die gleiche homophobe Doktrin in einem andere Ton?

Nach der Konklave und der Wahl von Papst Franziskus zum nächsten Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche erlosch die Hoffnung, dass es mit einem neuen Papst eine Erneuerung der römisch-katholischen Kirche bei gesellschaftspolitischen Fragen gibt, schließlich galt der neue Papst als konservativer Hardliner, wie sich bereits bei der Debatte um die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule in Argentinien zeigte (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Auch nach seiner Wahl hat Papst Franziskus regelmäßig unmissverständlich verdeutlicht, dass Homosexuelle nicht die gleichen Zivilrechte verdienen. So forderte er Frankreich auf, die Ehe-Öffnung wieder rückgängig zu machen (thinkoutsideyourbox.net berichtete) oder wetterte er gegen eine angebliche „Schwulen-Lobby“ im Vatikan, gegen die vorgegangen werden müsse (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Papst Franziskus: „Wer bin ich, um über Homosexuelle zu richten?“

Am Rückflug aus Brasilien gab Papst Franziskus ein umfangreiches Interview und sprach auch über eine mögliche „Schwulen-Lobby“ im Vatikan, doch habe er dazu keine konkreten Namen. Weiters betonte er, dass er in der römisch-katholischen Kirche gerne Frauen mehr einbinden möchte. Das PriesterInnenamt lehnte er jedoch weiter ab.

Schließlich wendete sich das Gespräch zur Haltung gegenüber Homosexuellen. Anders als in der Vergangenheit fand der Papst erstmals keine hetzerischen Worte gegen Homosexuelle, sondern erklärte:

„Wenn eine Person homosexuell ist, nach Gott strebt und einen guten Willen hat, wer bin ich, um über ihn zu richten?“

Auch wenn er sich zuschreibt, nicht über homosexuelle Personen zu richten, so bekräftige er die Haltung der römisch-katholischen Kirche, dass homosexuelle Handlungen Sünde wären.

Papst beruft sich auf den Katechismus der rk Kirche

Weiters erklärte Papst Franziskus in dem 80-mintügigen Interview, dass der Katechismus der katholischen Kirche hierzu eine kläre Erklärung zu homosexuellen Menschen liefert.

„Er sagt, dass sie deswegen nicht marginalisiert werden dürfen, sondern in die Gesellschaft integriert werden müssen.“

Gleichzeitig jedoch kritisierte er die in seinen Augen betriebene „Lobby-Arbeit“ von Homosexuellen. Dazu erklärte Franziskus:

„Das Problem ist nicht die sexuelle Orientierung. Wir müssen Brüder sein. Das Problem ist das Lobbying dieser Orientierung, oder Lobbying von gierigen Personen, politischen Lobbys, Freimaurer-Lobbys. Das verschlimmert das Problem.“

Alte Haltung in neuem Gewand

Was ist nun von diesen Aussagen zu halten? Nun, zunächst sind dies die „positivsten“ Aussagen eines Papstes seit jeher und stehen im starken Kontrast zu homophoben Aussagen seines Vorgängers Papst Benedikt XVI. Gleichzeitig jedoch zeigen seine jüngsten Aussagen, dass er zwar diplomatischer bei der Wortwahl ist, jedoch die diskriminierende und menschenverachtende Haltung gegenüber der natürlichen sexuellen Orientierung/geschlechtlichen Identität sich nicht geändert hat.

Weiterhin vertritt das Oberhaupt der Kirche, dass homosexuelle Personen zur Enthaltsamkeit berufen sind, denn gleichgeschlechtliche Sexualakte sind Sünde. Weiterhin spricht der Menschen einzig aufgrund ihrer sexuellen Orientierung das Recht ab, dass sich diese für die ihnen zustehenden Rechte einsetzen.

Es gibt keine „Homosexuellen-Lobby“. Es gibt einzig eine Gruppe von Personen, egal ob homo, hetero, bi, trans, inter, queer, die einzig die gleichen BürgerInnenrechte auch für LGBTs einfordern, welche ihnen bislang aus ideologischen Gründen verwehrt werden.

Kurz gesagt: Die jüngsten Aussagen von Papst Franziskus sind nur der Versuch, die gleiche homophobe Doktrin in hübschere Worte zu verpacken.

(Bild: casarosada.gob.ar – BY-SA-2.0 – Wikimedia)
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