Washington öffnet als 7. US-Bundesstaat die Ehe für Lesben und Schwule

Es ist  vollbracht. Gestern fand im Abgeordneten in der Hauptstadt Olympia des US-Westküstenstaates Washington die Abstimmung über die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule statt. Zuvor wurde noch zwei Stunden heftig über das Gesetz debattiert, wo besonders Abgeordnete der rebublikanischen Partei gegen die Homo-Ehe wetterten. Die Debatte konnte Live im Internet mitverfolgt werden. Letztlich stimmte eine deutliche Mehrheit im Abgeordnetenhaus für das Gesetz. Die scheidende Gouverneurin Chris Gregoire ließ verkünden, dass sie das Gesetz Anfang kommender Woche unterschreiben werde. Damit wird Washington der siebente US-Bundesstaat, der die Ehe für homosexuelle Paare öffnet.

Anfang des Jahres verkündete die Gouverneurin des US-Bundesstaates, Chris Gregoire in einer Rede, dass sie in ihrem letzten Amtsjahr die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnen möchte – trotz ihres katholischen Glaubens.  Die bekennende Katholikin erklärte, dass sich im Laufe der Zeit ihre Meinung weiterentwickelt hat. Es war für sie ein Kampf mit ihrer Religion betonte sie, doch nun sehe sie ein, dass Schwule und Lesben ”die selben Hürden wie heterosexuelle Familien“ zu überwinden haben. Aus diesem Grund könne die Ehe nicht der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft vorbehalten bleiben. Sie wolle daher für die gleichen Rechte aller BürgerInnen ihres Bundesstaates sorgen (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Senat stimmte bereits zuvor mit 28 zu 21 Stimmen für Ehe-Öffnung

Bereits vergangene Woche stimmte der Senat des Bundesstaates Washington über den Gesetzesentwurf, der die Ehe, mit allen Rechten und Pflichten, für gleichgeschlechtliche Paare öffnen solle, ab. Hier war zuvor das Ergebnis nicht klar, jedoch erklärten letztlich 4 republikanische Abgeordnete, dass sie für das Gesetz stimmen würden. Somit konnte eine Mehrheit gefunden werden und die Abstimmung endete mit 28 Stimmen für und 21 Stimmen gegen die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule. Auf der Galerie des Senats brach nach dem Vorliegen des Ergebnis großer Jubel aus (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Der offen homosexuelle Senator Ed Murray, einer der vordersten Unterstützer der Gesetzesänderung sagte nach der Abstimmung im Senat:

“Für viele Leute in meiner Altersklasse, ist das ein beeindruckender Moment. Es ist etwas, das wir nicht geglaubt hätten, dass dies zu unseren Lebzeiten passiert.”

Abgeordnetenhaus mit 55 zu 43 Stimmen für Ehe-Öffnung

Gestern folgte die Abstimmung im Abgeordnetenhaus. Das Ergebnis galt im Vorhinein als Formsache, da es hier eine deutliche demokratische Mehrheit gibt. Vor der Abstimmung wurde noch zwei Stunden über das Gesetz diskutiert.

Besonders von republikanischer Seite, wo sich die republikanischen Präsidentschaftswerber gerade mit homophober Rhetorik zu übertrumpfen versuchen (thinkoutsideyourbox.net berichtete 1,2), hagelte es heftige Kritik an dem Gesetz. So sagte beispielsweise der Abgeordnete Jay Rodne zu dem Gesetz, es sei eine

„Übung der Macht, die der menschlichen Natur widerspricht.“

Weiters behauptete der Politiker, dass diese Gesetzgebung die Familien gefährde und Kindern schaden würde. Dass er damit fern aller sachlicher Argumente und wissenschaftlichem Stand argumentierte, scheint aus ideologischen Gründen ihm nicht bewusst zu sein, oder er will es nicht wahrhaben.

Außerdem verkündete er in seiner Rede, dass zukünftige Mehrheiten das Gesetz wieder aufheben können oder durch eine Volksabstimmung (ähnlich zu Prop8 in Kalifornien) aufgehoben werden kann.

Der Diskriminierung fordernden Rede entgegnete der demokratische Abgeordnete Jamie Pederson, der in einer Eingetragenen Partnerschaft mit seinem Lebenspartner lebt, dass seine vier Kinder es verdienen zu wissen, dass

„ihr Papa und ihr Vater eine lebenslange Verbindung versprochen haben.“

Weiters ergänzte er:

„Ehe ist das Wort, das die Gesellschaft verwendet, um eine lebenslange Beziehung zu beschreiben.“

Ähnlich auch die demokratische Abgeordnete Laurie Jinkins, die sagte, dass dieses Gesetz die Familien im Bundesstaat Washington stärke. Ihr Mann, mit dem sie seit 23 Jahren zusammen ist und ihr Sohn halfen ihr, zu diesem Gesetz Ja zu sagen, denn:

„Alles, was wir hier tun – Bildung, Gesundheitswesen, Arbeitsplätze – wir tun diese Dinge, aus einem einfachen, guten Grund. Es ist für unsere Familien.“

Christlich-fundamentale “NOM” will Volksabstimmung erzwingen

Die christliche und LGBT-feindliche Organisation “National Organization for Marriage” will eine Volksabstimmung erzwingen. Die NOM ist jene Organisation, die in der Vergangenheit vor einem “Sturm” warnte, der von Lesben und Schwule ausgehe und die USA bedrohe (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Um eine Volksabstimmung zu erzwingen, muss die Organisation bis zum 6. Juli 2012 insgesamt 120.577 Unterschriften von Wahlberechtigten im US-Bundesstaat sammeln. Die Abstimmung würde dann vermutlich im November diesen Jahres stattfinden.

Laut Umfragen befürwortet zwar die Mehrheit der Bevölkerung des US-Bundesstaates an der Westküste die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule, doch bleiben gerade junge WählerInnen bei derartigen Volksbefragungen häufig daheim und gehen nicht zur Abstimmung. Es wird daher – sollte die “National Organization for Marriage” genügend Unterschriften von Wahlberechtigten sammeln – darauf ankommen, dass die LGBT-Community genügend Menschen mobilisieren kann, dass die “NOM” eine Niederlage erzielt und das Gesetz nicht gekippt wird.

Andernfalls droht eine ähnliche juristische Schlammschlacht, wie sie der Westküstenstaat Kalifornien gerade erlebt, wo seit der mehrheitlichen Annahme von Prop8 in einer Volksabstimmungen die Gerichte bemüht werden. Erst kürzlich befand auch das Berufungsgericht, dass Proposition 8 der Verfassung widerspreche. Ein Erfolg für die LGBT-Bewegung (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Die Gegner des Ehe-Rechts für Lesben und Schwule, allen voran die republikanischen Präsidentschaftswerber und christlich-fundamentale Organisationen schäumen und kündigen weitere Beschwerden ein (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Aktuell ist die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in sechs US-Bundesstaaten möglich. Das sind Vermont, New York, New Hampshire, Massachusetts, Iowa und Connecticut (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Daneben hat auch noch die Hauptstadt Washington D.C. die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet.

(Bild: Jennifer Morrow – CC-BY-2.0 – Flickr)
Anzeige

7 Kommentare

Add yours
  1. "Wettrennen" um Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule in US-Bundesstaaten: Wer ist der Nächste? | thinkoutsideyourbox.net 18 Februar, 2012 at 10:50

    […] Jedoch droht eine verpflichtende Volksabstimmung, wenn LGBT-feindliche Organisationen, wie z.B. die “National Organization for Marriage” die notwendigen Unterschriften bis 6. Juli 2012 120.577 Unterschriften sammelt. Umfragen zeigen jedoch eine Mehrheit für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen im Bundesstaat Washington (thinkoutisdeyourbox.net berichtete). […]

Hinterlasse einen Kommentar

*