Vor Vienna Pride: SPÖ Wien und Grüne Wien fordern Ehe für alle

"Made in Pride" und "Sichtbar 2015" (Bild: Alexandra Kromus / PID)Das größte LGBT-Event Österreichs feiert heuer zwei Jubiläen. Das „Pride Village“ feiert heuer sein 5. Bestehen und die Regenbogenparade wird zum 20. Mal stattfinden. Anlässlich dieses Geburtstags erklärten die veranstaltenden Vereine die Ziele für die LGBT-Veranstaltung und die für Antidiskriminierung zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) und Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) bekräftigten die Forderung nach der Ehe für alle.

Österreichs größter LGBT-Event bündelt einmal im Jahr im Frühsommer rund um den in vielen Ländern begangenen „Christopher-Street-Day“ alle Kräfte der Wiener Community.  Die zentralen Punkte der „Vienna Pride“ werden auch heuer wieder die Regenbogenparade am 20. Juni 2015 auf der Wiener Ringstraße und das „Pride Village“ von 16. bis 20. Juni 2015 am Rathausplatz sein.

2 Jubiläen: 5 Jahre „Pride Village“, 20 Jahre „Regenbogenparade“

Gefeiert wird 2015 gleich im Doppelpack, denn heuer begeht die Regenbogenparade ihr zwanzigstes und das Pride Village sein fünftes Jubiläum. Die Pride-Woche ist der definitive Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Wiener LGBT-Community und diese Veranstaltung zieht auch immer mehr BesucherInnen aus den Bundesländern und internationale TouristInnen in die Stadt.

Damit wird Vienna Pride auch als Wirtschaftsfaktor von Jahr zu Jahr bedeutender für die Stadt, die sich dabei von ihrer weltoffenen und modernen Seite zeigt.

Was 2011 als ein Pilotprojekt mit ein paar Liegestühlen am Naschmarkt begann, erreicht heuer am Rathausplatz eine beachtliche Größe: So wird es im „Pride Village“ bei 1.575 m2 überdachter Fläche 47 Zelte, drei Beach Areas, 19 Gastronomiestände sowie Informationstände von über 25 Organisationen aus der LGBT-Community geben.

Die Vereinssprecherin des „CSD Vienna“, Ewa Dziedzic zur „Vienna Pride“:

Hintergrund für die Aktivitäten rund um die Vienna Pride ist die Tatsache, dass – auch wenn in Österreich die Rahmenbedingungen für ein diskriminierungsfreies Leben für LSBT-Personen weitgehend gegeben sind – gesetzliche Ungleichbehandlungen erst Schritt für Schritt durch Gerichtsurteile beseitigt werden. Diskriminierungen im Alltag sind so nach wie vor ein Zeichen dafür, dass es nicht nur dringend einen Diskriminierungsschutz auch außerhalb des Arbeitsmarktes braucht – sondern auch weitere Schritte wie die Beseitigung der bestehenden Ungleichgbehandlungen im Partnerschaftsgesetz und die Öffnung der Ehe. Und dazu braucht es eine selbstbewusste Community, die mit der Politik kommuniziert, damit sich Menschen abseits ihrer sexuellen Orientierung und Identität in Wien und ganz Österreich „vor nichts fürchten müssen“. Im Pride Village bieten wir deshalb Vereinen, Organisationen, Firmen und Einzelpersonen eine Plattform, sich und ihre Arbeit in einem gemeinsamen Rahmen der Öffentlichkeit vorzustellen. Dazu sind natürlich auch BesucherInnen, die sich nicht der Community zurechnen, herzlich eingeladen – kurz: das Pride Village soll ein Ort sein, an dem jede/r willkommen ist, der/die eine offene und tolerante Stadt schätzt.“

Die Regenbogenparade findet heuer zum 20. Mal statt und setzt ein kräftiges Zeichen für die Gleichstellung von LGBTs. Christian Högl, Obmann der „HOSI Wien“, die zum 13. Mal die Regenbogenparade veranstaltet, zeigt sich über das weitere Wachsen der CSD-Demonstration erfreut:

„Wir dachten nie, dass dieser Event immer noch wachsen kann, aber die Anmeldungen und TeilnehmerInnen-Zahlen sprechen für sich: Wien braucht Vienna Pride und die Parade, und diese brauchen wiederum die Stadt Wien, um weiterhin für mehr Rechte und Akzeptanz zu werben. ‚Sichtbar 2015‘ – unter diesem Slogan wird die Jubiläumsparade mit einer Rekordzahl an angemeldeten Beiträgen mehr als 100.000 Menschen auf die Straße locken, um aktiv für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender- und intersexuellen Personen zu demonstrieren bzw. sich solidarisch mit den Anliegen der Bewegung zu zeigen.“

Das gesamte Programm der „Vienna Pride“ und der „Regenbogenparade“ gibt es hier (Klick).

SPÖ Wien und Grüne Wien fordern Ehe-Öffnung und Levelling-Up

Nach der Pressekonferenz mit VertreterInnen der Vienna Pride und Regenbogenparade wurde gemeinsam mit der Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Die Grünen) und der Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) traditionell am Rathaus die Regenbogenfahne gehisst.

Dabei betonten die beiden Politikerinnen unisono, dass es wichtig ist, gesellschaftspolitisch im 21. Jahrhundert anzukommen und die ÖVP ihre Blockade bei der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare beenden müsse (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Gleichzeitig ist die ÖVP aufgerufen, den Anti-Diskriminierungsschutz, das sogenannte Levelling-Up nicht länger zu verhindern (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Maria Vassilakou in Richtung der diskriminierenden ÖVP:

„Die ÖVP beweist sich immer wieder als Partei der Verhinderer, zuletzt hat sie etwa dafür gesorgt, dass es keine Ausweitung des Diskriminierungsschutzes gibt. Wir wollen das so genannte „Levelling up“, damit sich Lesben, Schwule und Transgender rechtlich gegen Diskriminierung wehren können. Und wir wollen, dass die Ehe allen offen steht, die heiraten wollen.“

Auch die Frauen- und Antidiskriminierungsstadträtin Sandra Frauenberger kritisierte die ÖVP, mit der die SPÖ auf Bundesebene eine Koalition bildet und sogar den Bundeskanzler stellt, für die Blockade. Frauenberger betonte weiter, dass Wien LGBT-Leben weitestgehend sichtbar macht:

„Das Motto der 20. Regenbogenparade „Sichtbar“ wird bei der Stadt Wien auf unterschiedlichste Art und Weise umgesetzt. Einerseits werden heuer erstmals mehrere Magistratsabteilungen mit einem Infostand am Pride Village die Stadt repräsentieren, das wieder im Herzen Wiens stattfindet. Andererseits haben in unserem neuen Buch „Mein lesbisches Wien“ vielfältige Autorinnen lesbisches Leben beschrieben und damit Frauengeschichte sichtbar gemacht. Denn egal ob lesbisch, schwul, hetero, bi, inter oder trans – Wien steht hinter dir.“

Die Aufforderung von Sandra Frauenberger an die ÖVP kann sich auch gleich die SPÖ auf Bundesebene zu Herzen nehmen, welche seit Jahren den Worten keine Taten folgen lässt (thinkoutsideyourbox.net berichtete), vor der ÖVP kapituliert und bis heute keinen koalitionsfreien Raum vereinbart hat. Stattdessen legt sich die SPÖ auf Landesebene im Burgenland mit der Homophobie der Rechtspopulisten ins Bett (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Parlamentarische BürgerInneninitiative: nach 3 Tagen bereits über 500 UnterstützerInnen

Vor wenigen Tagen startete das „Rechtskomitee Lambda (RKL)“ rund um Präsident Dr. Helmut Graupner, welches im Rahmen der Klageoffensive viele Erfolge vor den Höchstgerichten gegen die ÖVP-Homophobie und Diskriminierung feierte, die „Parlamentarische BürgerInneninitiative“ um die Ehe-Öffnung ins Parlament zu bringen und den Druck auf die ÖVP weiter zu erhöhen (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Damit die BürgerInneninitiative auf der Parlaments-Homepage elektronisch unterstützt werden kann, sind mindestens 500 Unterschriften notwendig. Bereits nach nur 3 Tagen wurde diese Anzahl erreicht.

Damit die Petition im Parlament auch wirklich etwas bewegen kann, sind laut Michael Pock, Vorsitzender des parlamentarischen Petitionsausschusses und Gleichbehandlungssprecher der NEOS, wie „derStandard“ berichtet, mindestens 100.000 Unterschriften notwendig.

Daher gilt es weiter, die Petition zu unterstützen, damit die ÖVP ihre ewiggestrige Blockade beendet und Österreich gesellschaftspolitisch im 21. Jahrhundert mit der Ehe für alle ankommt.

Links:

(Bild: Alexandra Kromus / PID)
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2 Comments
  1. […] Anlässlich der „Vienna Pride“ mit der „Regenbogenparade“ am Samstag feiert Wien sein LGBTIQ-Leben und die rot-grüne Stadtregierung erneuerte ihre Forderung nach der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und der Ausweitung des Diskriminierungsschutzes für LGBTIQ (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

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