Vatikan-Zeitung verlangt Referendum über Ehe-Öffnung in Frankreich

Am 23. April 2013 hat die französische Nationalversammlung in einer finalen Abstimmung mit deutlicher Mehrheit die Ehe für Lesben und Schwule geöffnet. In den vergangenen Wochen mobilisierten GleichstellungsgegnerInnen zu vehementen Protesten, die vermehrt auch in Gewalt ausuferten. Auch die katholische Kirche rief zum Protest auf und mobilisierte. Nun kritisierte das vatikanische Zeitung ‚L’Osservatore Romano‘, ähnlich zum Vatikan-Sprecher Federico Lombardi, den Gesetzesenwurf ‚Ehe für alle‘ .

In den vergangenen Monaten erlebte Frankreich eine wohl beispiellose Kampagnisierung von diversesten Gruppierungen, darunter Konservative, Rechtsextreme und Glaubensgemeinschaften, gegen das Wahlversprechen von Präsident Francois Hollade. Immer wieder kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und zu vermehrten Übergriffe auf Homosexuelle (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Trotz des Protestes und der offen homophoben und gewaltbereiten Rhetorik von GleichstellungsgegnerInnen (thinkoutsideyourbox.net berichtete) hielt die sozialistische Regierung von Premierminister Jean-Marc Ayrault Wort und öffenete mit Unterstützung von anderen Linksfraktionen die Ehe für Lesben und Schwule (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Vatikan-Zeitung verlangt Referendum

Nachdem bereits in Frankreich die Kirche massiv gegen die Ehe-Öffnung kampagnisierte, schaltet sich nun die Zeitung „L’Osservatore Romano“ im Vatikan ein und verkennt dabei, dass Frankreich ein laizistischer Staat ist. Die Zeitung beansprucht die Ehedefinition für die Kirche und behauptet, dass das Gesetz gegen den Willen der Mehrheit der BürgerInnen umgesetzt wurde:

„Es ist ein sehr ideologischer Schritt, etwas, das nicht den Willen der Mehrheit respektiert.“

Faktum ist jedoch, dass laut verschiedenen Umfragen zwischen 55 und 65 % der BürgerInnen die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule befürworten (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Somit hat – anders als die katholische Kirche – die Mehrheit verstanden, was es heißt, dass alle BürgerInnen gleich behandelt werden.

Weiters forderte die Zeitung Frankreich bzw. die sozialistische Regierung auf, die Öffnung der Ehe und des Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare einem Referendum zu unterziehen, denn:

„Das Projekt muss auf JedeN hören. Die zivile Gesellschaft muss sprechen und muss gehört werden.“

Jean-Marc Ayrault habe nicht auf die BürgerInnen gehört, so die Zeitung weiter. Auch hier liegt die Zeitung falsch. Ayrault und Hollande haben einzig das umgesetzt, was sie versprochen haben. Alle BürgerInnen im Eherecht unabhängig der sexuellen Orientierung (weitestgehend) gleich zu behandeln und dafür wurden sie bei der letzten Wahl auch gewählt.

Federico Lombardi: „Ehe ist zwischen Mann und Frau“

Am 24. April 2013 mischte sich auch der Vatikansprecher Federico Lombardi ein und beanspruchte die Definition des Ehebegriffs für die Glaubensgemeinschaft. Für ihn ist – ganz auf Linie von Papst Franziskus – die Ehe eine Verbindung zwischen Mann und Frau:

„Die Ehe ist zwischen Mann und Frau und JedeR sollte wissen, dass er/sie einen Vater und eine Mutter hat.“

Auch Lombardi vergisst dabei, dass die Kirche keinen Anspruch hat, die zivilrechtliche Ehedefinition für sich zu beanspruchen.

(Bild: dslrtravel.com – CC-BY-2.0 – Flickr)
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