USA: Mehrheit für Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule

In den USA wird in zahlreichen Bundesstaaten sowie im nahenden Präsidentschaftswahlkampf wird heftig um die Homo-Ehe diskutiert. In den letzten Monaten konnten dabei die BefürworterInnen der Gleichstellung von Lesben und Schwule Erfolg verbuchen und auch auf „Don’t Ask Don’t Tell“ in der US-Armee wurde abgeschafft. Nun zeigt eine landesweite Umfrage, dass eine relative Mehrheit der US-AmerikanerInnen für die rechtliche Gleichstellung ausspricht.

Die landesweite Umfrage wurde vom „Pew Center for the People and the Press (PRC)“ durchgeführt, erhob darin die Einstellung der US-Bevölkerung zu drei Themen, nämlich Waffenrecht, Ehe-Gleichstellung und Abtreibung.  Die Umfrage wurde zwischen dem 4. und 15. April durchgeführt. Insgesamt wurden 3.008 Erwachsene in den gesamten USA befragt.

Dabei erhob die Umfrage auch, wie die einzelnen Bevölkerungsgruppen in den USA zu den drei Themengebieten stehen. Die Ergebnisse der Umfrage wurden mit den Ergebnissen aus den Jahren 2004 und 2008 verglichen, die ebenfalls vom PRC erhoben wurden.

Es ergaben sich zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen, sei es Alter, Ethnizität, Religion/Weltanschauung sehr unterschiedliche Umfrageergebnisse – von großer Zustimmung zum Eherecht für Lesben und Schwule, bis hin zu hochgradiger Ablehnung der Gleichstellung für gleichgeschlechtliche PartnerInnenschaften.

Knappe (relative) Mehrheit für Ehe-Recht für Lesben und Schwule

In den nun veröffentlichten Ergebnissen der Umfrage des „Pew Center for the People and the Press (PRC)“ zeigt sich erstmals, dass sich eine knappe Mehrheit der befragten US-AmerikanerInnen für den definierten Begriff „Homo-Ehe“ ausspricht.

Waren es im Jahr 2004 erst 31 % und im Jahr 2008 39 % der Befragten, die für Lesben und Schwule das Recht zu heiraten befürworteten, so sprachen sich 2012 47 % der befragten US-BürgerInnen dafür aus, dass Lesben und Schwule im Ehe-Recht gleichgestellt werden sollten.

Dem gegenüber steht ein Rückgang der GegnerInnen der Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare. Sprachen sich im Jahr 2004 ganze 60 % der Befragten gegen das Ehe-Recht aus und waren es im Jahr 2008 51 %, so lehnen im Jahr 2012 nur mehr 43 % das Ehe-Recht für Lesben und Schwule ab.

Großer Meinungswechsel innerhalb weniger Jahre

Damit zeigt sich, dass sich die Bemühungen von LGBT-Organisation in den vergangenen Jahren belohnt gemacht haben, denn immer mehr BürgerInnen scheinen zu erkennen, dass es sachlich keinen einzigen Grund gibt, wieso Lesben und Schwule das Recht auf die Ehe, wenn diese eine eingehen möchten, verweigert werden soll.

Lehnten im Jahr 1996 noch 65 % der US-Bevölkerung das Ehe-Recht für Lesben und Schwule ab, so hat sich diese Zahl in den vergangenen Jahr drastisch reduziert. Im Jahr 2011 waren die USA ziemlich genau in zwei Lager geteilt. 46 % unterstützten die Gleichstellung im Ehe-Recht für Lesben und Schwule. 45 % lehnten diese ab. Der Rest hatte keine Meinung oder wollte sich nicht festlegen.

Großer Faktor Religion/Weltanschauung und politisches Spektrum

Die Umfrage erhob auch, wie die unterschiedlichen Ethnizitäten der USA zu den einzelnen Themengebieten stehen. Darüberhinaus wurde auch bezüglich Religion/Weltanschauung und die Positionierung im politischen Spektrum befragt. Hier ergeben sich große Unterschiede, ob mensch sich für oder gegen das Ehe-Recht für Lesben und Schwule ausspricht.

Die größten BefürworterInnen der Gleichstellung im Ehe-Recht findet sich bei jenen Personen, die sich als nicht religiös bezeichnen bzw. keiner Religions-/Glaubensgemeinschaft angehörig bezeichnen. Hier befüworten 3/4 der Befragten die Gleichstellung von Lesben und Schwule. Die KatholikInnen sind bei dieser Frage sehr gespalten. 2012 sprachen sich 46 % für die Ehe-Öffnung aus, im Jahr 2011 waren es jedoch noch über 50 %.

Die größte Ablehnung der Gleichstellung von Lesben und Schwulen und der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare findet sich bei den evangelikalen ProtestantInnen. Hier spricht sich nur eine kleine Minderheit von 14 % für die „Homo-Ehe“ aus.

Die USA werden politisch dominiert von zwei großen Parteien. Auf der einen Seite die Demokraten des derzeit amtierenden US-Präsidenten Barack Obama und auf der anderen Seite die Republikaner, die in den Vorwahlen mit offen homophober Rhetorik gegen Lesben und Schwule aufgetreten sind, um bei den konservativen WählerInnen möglichst viele Punkte zu sammeln.

Diese Grundhaltung kann zwar nicht auf alle jeweiligen ParteiwählerInnen und Parteimitglieder abgewälzt werden, doch eine Tendenz ist sehr wohl zu erkennen. Liberale unterstützen mit großer Mehrheit, nämlich 68 %, das Ehe-Recht für Lesben und Schwule. Jene, die sich als moderat einstufen, sprechen sich mit knapper Mehrheit (56 %) für die Ehe-Öffnung aus. Bei den Konservativen dagegen gibt es eine klare Ablehnung. Nur 25 % sprechen sich für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen aus.

Ähnlich sehen die Zahlen für die WählerInnen der beiden großen Parteien aus. 59 % der Personen, die die demokratische Partei wählen, sprechen sich für die Ehe-Öffnung aus, bei den Republikanern sind es dagegen nur 23 %. Unabhängige bzw. WechselwählerInnen sprechen sich im heurigen Jahr zu 52 % für die Gleichstellung aus.

Faktor Geschlecht und Alter

Ein weiterer Faktor, ob eine Person eher für die Gleichstellung von Lesben und Schwule sich ausspricht oder diese eher tendentiell ablehnt, sind laut der Befragung das Geschlecht und das Alter. Demnach lehnen eher Männer die Gleichstellung von Lesben und Schwulen ab, als Frauen. Insgesamt sprachen sich 52 % der Frauen für die Gleichstellung aus, dagegen jedoch nur 42 % der Männer.

Je jünger die Befragten sind, desto eher sprechen sie sich für die gleichen Rechte von Lesben und Schwule aus. Bei den nach 1981 geborenen sprechen sich knapp 2/3 für die Gleichstellung aus. Dagegen lehnt die ältere Bevölkerung diese mit deutlicher Mehrheit ab und es sprechen sich nur knapp 1/3 für die Ehe-Öffnung aus.

Zuletzt große politische Erfolge für Lesben und Schwule

In den vergangenen Wochen und Monaten konnten Lesben und Schwule in den USA zahlreiche politische und gerichtliche Erfolge verbuchen. So beschloss der US-Bundesstaat Maryland Ende Februar die Ehe-Öffnung und wurde damit der 8. US-Staat der die Diskriminierung von Lesben und Schwulen beendete (thinkoutsideyourbox.net berichtete). In weiteren US-Bundesstaaten gibt es politische Bemühungen die Ehe für Lesben und Schwule zu öffnen.

Auch gerichtlich konnten einige Erfolge verbucht werden. Ebenfalls im Februar befand das Berufungsgericht, dass Proposition 8 verfassungswidrig sei (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Dennoch ist das Verbot der Homo-Ehe weiter in Kraft, da ein letztinstanzliches Urteil abgewartet wird, da ein letztinstanzliches Urteil abgewartet wird. Und auch der „Defense Of Marriage Act (DOMA)“ wurde bereits zum 2. Mal für verfassungswidrig erklärt (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Derzeit ist die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in insgesamt 8 US-Bundesstaaten möglich. Das sind Washington, Maryland, Vermont, New York, New Hampshire, Massachusetts, Iowa und Connecticut. Daneben hat auch noch die Hauptstadt Washington D.C. die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet.

(Bild: Jennifer Morrow – CC-BY-2.0 – Flickr)
Anzeige

5 Kommentare

Add yours
  1. locke 26 April, 2012 at 22:22

    Eigentlich ist es traurig, dass es noch nicht überall erlaubt ist, in unserer Zeit sollte man wirklich etwas offener und verständnisvoller sein, als noch vor 50 Jahren. Und ein Land wie die USA, sollte vom „Fortschritt“ her eigentlich auch in diesem Gebiet ein Vorreiter sein…

  2. Barack Obama spricht sich erstmals klar für Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule aus | thinkoutsideyourbox.net 10 Mai, 2012 at 06:30

    […] Die jüngsten Aussagen Obamas jedenfalls sind sehr erfreulich und spiegeln auch den Wandel in der US-Gesellschaft weiter. Vor 10 Jahren befüwortete nur ca jedeR 3. US-BürgerIn die Ehe für Lesben und Schwule, doch dies hat sich – trotz oder gerade wegen der massiven und haltlosen Angriffe der religiösen Rechte –   massiv geändert. Jüngste Umfragen zeigen, dass mittlerweile eine knapp (relative) Mehrheit der US-AmerikanerInnen die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule unterstützt (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  3. [BLOCKED BY STBV] First Lady Michelle Obama: "Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paaren einfach nicht richtig" - mit Video | thinkoutsideyourbox.net 5 Juni, 2012 at 16:15

    […] Als Anfang Mai Barack Obama in einem “NBC Meet the Press”-Interview sich für die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule aussprach, schrieb der erste afro-amerikanische US-Präsident Geschichte. Erstmals sprach sich ein amtierender US-Präsident für das Ehe-Recht für Lesben und Schwule aus (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Damit bekundete er seine Unterstützung, was eine (relative) Mehrheit der US-Amerikanerin begrüßt – das Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

Hinterlasse einen Kommentar

*