Tschechien: Fast 1.400 Eingetragene Partnerschaften seit 2006 und Beginn der Prague Pride

Am 13. August hat in der tschechischen Hauptstadt die diesjährige „Prague Pride“ mit einem umfangreichen Kultur-, Kunst- und Eventprogramm. Der Höhepunkt wird am Samstag der Christopher-Street-Day sein. Zum Beginn der „Prague Pride“ verkündete der tschechische LGBT-Aktivist Milda Slehofer, dass seit der Einführung der Eingetragenen Partnerschaft im Jahr 2006 fast 1.400 gleichgeschlechtliche Paare ihre PartnerInnenschaft registrieren haben lassen. „Pünktlich“ zur „Prague Pride“ wettern erneut Ewiggestrige gegen die Gleichstellung von Lesben und Schwule und kritisieren die USA für die Unterstützung der „Prague Pride“.

Die Tschechische Republika war der erste post-kommunistische Staat der ehemaligen „Ostblock-Staaten“, der die PartnerInnenschaftn von Lesben und Schwulen gesetzlich anerkannte und ein Rechtsinistitut einführte. Im Jahr 2006 erhielten Lesben und Schwule die Möglichkeit, ihre PartnerInnenschaft mit einer Eingetragenen Partnerschaft zu registrieren, die in bestimmten Bereichen eine rechtliche Absicherung und Rechte brachte. Von einer Gleichstellung kann – ebenso wie in Deutschland oder Österreich – längst keine Rede sein. So haben verpartnerte gleichgeschlechtliche Paare auch in Tschechien kein Adoptionsrecht.

1.390 Eingetragene Partnerschaften seit 2006

Seit der Einführung der Eingetragenen Partnerschaft für Lesben und Schwule im Jahr 2006 sind insgesamt 1.390 gleichgeschlechtliche Paare diese eingegangen. Im ersten Halbjahr 2012 wurden insgesamt 102 Eingetragene Partnerschaften von Lesben und Schwulen begründet. Von den seit 2006 1.390 eingegangenen Eintragenen Partnerschaften wurden bislang 130 wieder aufgelöst.

Die Mehrheit der Eingetragenen Partnerschaften wird – wie auch in Österreich – von männlichen Paaren eingegangen. So haben zwischen July 2006 und Juni 2012 insgesamt 963 männliche und 427 weibliche Paare eine Eingetragene Partnerschaft begründet. Die Mehrheit dieser PartnerInnenschaften (446) wurden in der tschechischen Hauptstadt Prag eingegangen.

Prague Pride: Hetzte von konstervativer Gruppe und Präsidentschaftskanzlei

Im vergangenen Jahr nahmen ca 8.000 Menschen an der „Prague Pride“ teil. Für heuer erwarten die VeranstalterInnen deutlich mehr TeilnehmerInnen. Trotz dieser sachlich nicht haltbaren Argumente von GleichstellungsgegnerInnen werden auch anlässlich des Starts der diesjährigen Prague Pride die selben Argumente wieder gebracht.

Der Prager Bürgermeister Bohuslav Svoboda erklärte seine Unterstützung für die „Prague Pride“ und übernahm auch die Schirrmherrschaft für die Veranstaltung. Damit setzt der konservative Politiker ein wichtiges Zeichen. Auch die US-Botschaft unterstützt die „Prague Pride“. Der Botschafter der USA in Prag, Norman Eisen erklärte bei der Eröffnungsveranstaltung:

„Ich bin zutiefst geehrt, heute hier zu sein und die Bemühungen der USA und Präsident Obama um die Rechte der weltweiten LGBT-Community zu gewährleisten.“

Ganz entgegengesetz dieser toleranten und weltoffenen Haltung präsentieren sich die Präsidentschaftskanzlei des tschechischen Präsident Vaclav Klaus, welche die CSD-TeilnehmerInnen als „abartige MitbürgerInnen“ beschimpfte.

Die erzkonservative Abtreibungsgruppierung „D.O.S.T.“ steht den Beleidigungen aus der Präsidentschaftskanzlei um nichts nach. Sie hat nicht nur zu einer Gegendemonstration von „normalen Menschen“ aufgerufen, sondern beschuldigten auch die USA einem „kulturellen Imperialismus“. So heißt es in einem offenen Brief:

„Wir können uns nichts schlimmeres vorstellen als eine Form des kulturellen Imperialismus, denn Washington versucht die Annahme der „Gay Agenda“ der Gesellschaft mit traditionellen Werten aufzuzwingen.“

Für den Vorsitzen der erzkonseravtiven „D.O.S.T.“ (deutsch: genug) ist klar, worum es sich bei der „Prague Pride“ im Grunde einzig und allein geht:

„Das Festival ist hauptsächlich eine einwöchige Party der Homoerotik und der Pornoindustrie.“

Slehofer anlässlich Prague Pride: „Homophobe Menschen versuchen, die Öffentlichkeit vom Gegenteil zu überzeugen“

Slehofer erklärte auch, dass die von GleichstellungsgegnerInnen vorgebrachten Argumente, wie jene, dass die Eingetragene Partnerschaft von Lesben und Schwule, die traditionelle Ehe und traditionelle Werte gefährden würden, als haltlos sich erwiesen haben.

Slehofer zu den neuerlichen Anschuldigen von homophoben Gruppierungen und PolitikerInnen:

„Die Erfahrungen mit schwulen und lesbischen Paaren zeigen, dass von den angeblichen KämpferInnen für die traditionellen Werte nur zweckdienliche Fakten verwendet werden, um die Mehrheit der anständigen Lesben und Schwulen, die ehrliche BürgerInnen und gut erzogene Menschen sind, ordnungsgemäß ihre Pflichten erfüllen und Steuern zahlen, zu beleidigen.“

Neben den USA haben acht weitere BotschafterInnen in Prag einen Unterstützungsbrief für die „Prague Pride“ unterzeichnet. Das sind die BotschafterInnen von Belgien, Kanada, Finnland, Irland, Norwegen, Schweden, der Schweiz und Großbritannien. Für Dänemark und Holland unterzeichnete der Botschaftbeauftragter.

(Bild: Prague Pride)
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