Rette Leben! Spende Blut? Noch immer nicht für Schwule

Das Österreichische Rote Kreuz schlägt regelmäßig Alarm. Immer wieder wird dringend nach BlutspenderInnen gesucht und zum Blut spenden aufgerufen. An sich eine gute und wichtige Sache. Doch wird eine ganze Bevölkerungsgruppe kategorisch von der Möglichkeit des Blutspendens noch immer ausgeschlossen – obwohl vor einigen Jahren eine Änderung zugesagt wurde. Schwule dürfen nach wie vor kein Blut spenden. Damit wird eine gesamte Bevölkerungsgruppe aufgrund der sexuellen Orientierung diskriminiert.

Homosexuelle Männer werden generell als Risikogruppe eingestuft und dürfen kein Blut spenden. Diese Einstufung erfolgt unabhängig davon, ob ein „Risikoverhalten“ einer möglichen Ansteckung mit HIV/Aids vorliegt. Genau dies ist diskriminierend, da das Ausschließen mit einem Vorurteil begründet wird.

Will ein homosexueller Mann in Österreich Blut spenden, wird dieser beim Beratungsgespräch abgewiesen, da beim auszufüllenden Fragenkatalog unter anderem folgende Frage zu beantworten ist:

Wird die Frage “Hatten Sie als Mann Sex mit einem anderen Mann?” mit “Ja” beantwortet, wird der potentielle Spender automatisch als Risikogruppe eingestuft und als Spender nicht akzeptiert. Das stellt eine eindeutige Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung dar, zumal die Fakten über HIV/Aids zeigen, dass über 40 % aller Neuinfektionen mit der Immunschwächekrankheit HIV/Aids auf heterosexuelle zurückzuführen sind und nur ca 20 % auf homosexuelle Kontakte.

Ein aktuelles YouTube-Video zeigt die noch immer diskriminierende Praxis auf:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=deoLZsmiokI]

Dabei wurde bereits vor Jahren eine Änderung dieser diskriminierenden Praxis angekündigt. Die damalige Gesundheitsministerin Kdolsky (ÖVP) hat 2007 anlässlich des AIDS-Charity-Events “Life Ball” eine Vereinheitlichung des Fragenkatalogs in Aussicht gestellt. Allein blieb es bei der Ankündigung. Damit werden Schwule auch weiterhin einzig aufgrund Ihrer sexuellen Orientierung vom Blut spenden ausgeschlossen – auch wenn kein Risikoverhalten vorliegt.

Linktipp:

Rotes Kreuz – Blutspende

Anzeige

13 Kommentare

Add yours
  1. www.erstaunlich.at 6 April, 2010 at 22:08

    Ist das 30fach höhere Risiko medizinisch bewiesen, bzw. wie kommt man auf so einen Wert überhaupt. Das wäre eine interessante Frage, die es zu klären gilt. Interessant wäre auch zu wissen ob es rechtliche Folgen für einen schwulen Spender gibt, wenn dieser falsche Angaben macht.

  2. Andreas 7 April, 2010 at 18:01

    Ich ärgere mich regelmäßig wenn die Konserven knapp werden und daher dringend zum Blut spenden aufgerufen wird…

    Hab letzten September versucht zu spenden (nach wieder so einem Aufruf und 13 Jahren seit meiner letzten Spende) – aber wurde natürlich weggeschickt.

    Und das obwohl Frage 36 ohnehin generell auf unsafen Sex abzielt und Frage 41 explizit sogar nach einem einmaligen Risiko einer Infektion fragt.

    Damit ist die Frage 37 ob man als Mann Sex mit einem Mann hatte überflüssig und somit diskriminierend, also weg damit und ich kann endlich spenden.

  3. g0dric 7 April, 2010 at 23:34

    Hi,

    die obige Recherche ist naja…irgendwie darauf fokussiert, wie böse wir Homos sind. Mit Zahlen kann man herumspielen und Statistik kann auch lügen, das ich keine Neuigkeit.

    Werft mal ein Blick auf –>
    http://www.statistik.at/web_de/static/erkrankungsfaelle_an_aids_nach_risikogruppen_und_geschlecht_seit_1985_022358.pdf

    Zwischen den Jahren 1985 und 1998 gab es viele Infektion in der Risikogruppe „Homo/bisexuell“. Dieser Zeitraum treibt die Infektionen rasch in die Höhe. Dann sieht man, dass ab dem Jahr 1999 die Zahl der AIDS-Infektionen durch homo- bzw. bisexuellem Kontakt immer weniger als heterosexuellem Kontakt war.

    Berechnet man sturr die Summe der Infektion und daraus die Prozente, sind wir sozusagen die „Bösen“. Betrachtet man hingegen den Verlauf der Infektionen, schaut die Welt wieder ganz anders aus.

    Ich möchte hier ganz und gar nicht etwas verhamlosen, sondern vielmehr die Situation aus einem anderen Aspekt präsentieren.

    LG

  4. thinkoutsideyourbox.net 8 April, 2010 at 07:45

    @Erich:

    Ich kenne sehr wohl die von dir angeführten Zahlen, sie sagen
    jedoch nichts zur Thematik der Fähigkeit zum Blut spenden aus. Wieso?

    1)
    Historisch betrachtet waren früher hauptsächliche Schwule von HIV/Aids
    betroffen, doch hat sich dies geändert. Mittlerweile sind 40 % aller
    Neuinfektionen bei heterosexuellen Kontakten zu verzeichnen.

    2) Bei jeder
    Blutspende wird das Blut auf Erkrankungen wie beispielsweise HIV/Aids getestet.
    Zwar ist HIV/Aids nicht sofort nach der Infektion nachweisbar, aber darum gibt’s
    den Fragebogen, der ein Risikoverhalten abfragt.

    Liegt also ein Risikoverhalten
    vor, darf ohnehin nicht gespendet werden. Dieses Riskikoverhalten (z.B.
    ungeschützter Geschlechtsverkehr außerhalb einer monogamen Partnerschaft) hat
    aber rein gar nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun.

    Homosexuelle
    Männer sind, wenn kein Risikoverhalten vorliegt, genauso gute Blutspender wie
    heterosexuelle Männer.

    Die kategorische Ausschließung von der Blutspende rein
    mit der sexuellen Orientierung zu begründen, ist Diskriminierung.

    PS: Ich frage mich, wie du reagieren würdest, wenn dir mit Vorurteilen und falschen Argumenten bestimmte Rechte vorenthalten werden. Und nicht für eine kurze Zeit. Nein, seit Jahrzehnten. Insofern sind wir – um’s mit deinen Worten zu sagen – keine „militanten Homosexuelle“ – sondern Personen, die aus Überzeugung und mit Nachdruck für ihre ihnen zustehenden Rechte kämpfen.

  5. www.erstaunlich.at 8 April, 2010 at 10:29

    @Godric
    IHR ZITAT:
    die obige Recherche ist naja…irgendwie darauf fokussiert, wie böse
    wir Homos sind. Mit Zahlen kann man herumspielen und Statistik kann
    auch lügen, das ich keine Neuigkeit.
    ZITATENDE:
    Ich denke nicht, dass Sarkasmus den Ernst der Lage retten kann. Aber vielleicht bleibt Ihnen als Verschwörungstheoretiker (Statistik kann
    auch lügen..) gar keine andere Wahl.

  6. www.erstaunlich.at 8 April, 2010 at 19:12

    @Oliver
    Übrigens ist mir eines nicht ganz klar. Warum übt sich Schreuder auf seiner Seite in derart nobler Zurückhaltung, was dieses Thema betrifft. Ich weiß schon, jetzt kommt die Antwort: „Da musst Du Ihn selbst fragen.“ Ich wollte Dir nur einen Wink mit dem Zaunpfahl
    geben.
    MfG
    Erich Reder

  7. Godric 8 April, 2010 at 23:29

    @www.erstaunlich.at
    LOL! Das hat nichts mit Verschwörungstheorie zu tun. Ihr gepostetes Link hat die gleichen Ausgangsdaten wie meins. Möglicherweise hat die Aids-Statistik bei Ihrem Link die Daten von statistik.at benutzt oder umgekehrt.

    Ich weiß nicht inwiefern sie sich mit Statistik u. Wahrscheinlichkeitstheorie, Datenanalyse oder Informationsvisualisierung auskennen, möglicherweise gar nicht. Ich wiederhole es noch einmal: Mit Statistik kann man lügen, was aber nicht heißt, dass die Berechnungen bei Ihrem Link falsch waren. Sie waren richtig, kein Zweifel. Bis auf ein „kleinen“ Tippfehler, wo homo/bisexuell statt nur homosexuell gehört hätte.
    Viele Zahlen und Diagramme bedeuten bei genauem Hinsehen etwas ganz anderes, als suggeriert wird. Desweiteren sollte man sich nicht auf einen Prozentwert fixieren, sondern den gesamten Verlauf betrachten.

    LG

  8. David 11 August, 2010 at 16:40

    „zumal die Fakten über HIV/Aids zeigen, dass über 40 % aller Neuinfektionen mit der Immunschwächekrankheit HIV/Aids auf heterosexuelle zurückzuführen sind und nur ca 20 % auf homosexuelle Kontakte.“

    Dieses „Argument“ geht ordentlich nach hinten los, da der Anteil homosexueller Kontakte deutlich unter 1/3 liegt und somit das Risiko (bekanntlich definiert als Zahl der Ereignisse dividiert durch die Zahl der Personen), bei Homosexuellen nach wie vor deutlich höher als bei Heterosexuellen ist. Wenn man Statistiken verwendet dann diese bitte korrekt interpretieren.

Hinterlasse einen Kommentar

*