Regenbogenparade strahlte trotz Buttersäure-Attacke und Neonazi-Umtrieben

Am 14. Juni zog zum bereits 19. Mal die Regenbogenparade, die Wiener Christopher-Street-Day-Demonstration, entgegen der Fahrtrichtung über die gesamte Wiener Ringstraße. Viele zehntausende TeilnehmerInnen setzten auch dieses Jahr ein buntes, lautes, forderndes und friedliches Zeichen für Gleichstellung, Akzeptanz, Toleranz und gleiche Rechte für alle. Erstmals jedoch wurde auf die Regenbogenparade eine Attacke versucht und laut (unbestätigten) Berichten zogen Rechtsextreme durch die Straßen Wiens und griffen (vermeintliche) TeilnehmerInnen an.

Seit 19 Jahren zieht einmal im Jahr in Wien die Regenbogenparade über die Ringstraße und fordert gleiche Rechte für LGBTs. Noch nie in der Geschichte gab es dabei eine gewalttätigen Attacke gegen die Demonstration bzw. gegen TeilnehmerInnen – bis zum Jahr 2014.

Buttersäureanschlag auf Grünen-Truck

Die offen lesbische Politikerin der Grünen und Abgeordnete zum Europäischen Parlament nimmt ebenso wie der Grüne-Bundesrat Marco Schreuder alljährlich traditionell an der Regenbogenparade teil. Erstmals wurde am Samstag dabei eine Attacke durchgeführt.

Gegen den Truck der Grünen wurde eine Attacke mit Buttersäure verübt. Dabei wurde Lunacek getroffen. Lunacek wurde von der übel riechenden Flüssigkeit getroffen, während Sie ein Interview für den ORF gab.

Von dieser feigen und zu verurteilende Attacke gegen eine friedliche Demonstration, die einzig gleiche Rechte für alle fordert, zeigte sich Lunacek in ihrem Kampf für gleiche Rechte bestärkt und gleichzeitig schockiert. So erklärte sie bei der Abschlusskundgebung am Rathausplatz:

Es gab noch nie einen Anschlag bei der Regenbogenparade. Wir müssen denjenigen, die Angst und Hass streuen, ein klares Nein sagen.“

Lunacek erklärte weiter, dass solche Vorfälle wie bei der Regenbogenparade zeigen würden, dass es nicht ausreicht, nur für Toleranz zu kämpfen. Vielmehr müsse für Anerkennung und Respekt gekämpft werden. LGBTs werden nicht länger an den Rang der Gesellschaft gedrängt werden können, denn wir sind mieten drin und gleichberechtigter Teil:

„Und niemand wird uns daraus mehr vertreiben.“

HOSI Wien: Angriff „macht nachdenklich“

Die HOSI Wien von Obmann Christian Högl, die seit vielen Jahren die Regenbogenparade veranstaltet und durchführt, erklärte zu dem feigen Angriff, dass dieser bedenklich Zwischenfall ihn traurig stimme.

Verletzt wurde von diesem Angriff mit der übel riechenden Flüssigkeit glücklicherweise niemand. Für Högl handelte es sich um einen Einzelfall, der sich auch offenbar direkt gegen Ulrike Lunacek gerichtet habe, dass sie ist eine der prominentesten homosexuellen Personen in Österreich.

Der Angriff auf Ulrike Lunacek am Truck der „Grünen Andersrum“ wurde zur Anzeige (gegen unbekannt) gebracht. In der Anzeige wird laut Berichten von einer Schadensumme von € 50.000,- gesprochen, da unter anderem das Equipment eines Reporters zu Schaden gekommen ist.

Dem Angreifer wird schwere Sachbeschädigung vorgeworfen und trug laut Polizei weißes Poloshirt, hat dunkle Haare und ist von „eher festen Statur„.

„Christliche Fundi“-Demo mit Rechten am Stephansplatz

Gleichzeitig zur Regenbogenparade fand am Stephansplatz eine Demonstration unter dem Titel „Marsch für die Familie“ von religiösen FundamentalistInnen statt, die Homosexualität und Sexualkundeunterricht ablehnen, Frauen das Recht auf Selbstbestimmung abspricht (Abtreibung verbieten), die Eingetragene Partnerschaft abschaffen und beispielsweise die Ehe im Verfassungsrang als Verbindung zwischen Mann und Frau definieren möchte. An dieser Demo aus dem fundamental-klerikalen Kreisen nahmen rund 50 Personen teil.

Nachdem in den letzten Jahren die Minidemo am Rande der Wahrnehmung war, dürfte heuer „Unterstützung“ herbeigerufen worden sein, denn wie zahlreiche Bilder belegen, dürften sich auch Personen darunter gemischt haben, die aus dem benachbarten EU-Ausland angereist sind und dem rechtsrechten bis neonazistischen Rand zuzuordnen sind.

Laut Marin Juen war mindestens einein Vertreter der Organisatioin „Europäische Aktion in Deutschland“, dem Flyer nach eine antisemitische, rassistische und völkische Verbindung, Teilnehmer der Kundgebung.

Juen, der die „Fundi“-Demo dokumentierte, berichtet auch davon, dass die TeilnehmerInnen versucht haben, die MedienvertreterInnen bei der Arbeit zu behindern. Auch wurden diese von den Fundi-Demo-TeilnehmerInnen beschimpft. Wie „Neuwal“ berichtet, wurde ein Teilnehmer der Fundi-Demo nach mehrfachen Tätlichkeiten gegen JournalistInnen von der Polizei abgeführt und durchsucht bzw. eine Identitätsfeststellung vorgenommen.

Gegen die Hetze und den propagierten Fundamentalismus demonstrierten ca 150 bis 200 GegendemonstrantInnen, die den Marsch vom Stephansplatz zum Morzinplatz verhindern wollten, was nicht gelang. Die Polizei eskortierte die Hetzer durch die Innenstadt.

VSStÖ: „Polizei kriminalisiert friedliche DemonstrantInnen“

Der VSStÖ, der gegen die Kundgebung der religiösen FundamentalistInnen mobilisierte und Marsch zu verhindern versuchte,, dem sich ca. 150 bis 200 Personen anschlossen, spricht in einer Aussendung von Polizeigewalt gegen friedliche GegendemonstrantInnen. So Jessica Müller, Vorsitzende des „Verbands Sozialistischer Student_innen“, von einem „Skandal“:

„Am Tag der Regenbogenparade, an dem wir Vielfalt feiern, geht die Polizei gewaltsam gegen friedliche Demonstrant_innen vor, die es nicht zulassen wollen, dass christliche Fundamentalist_innen ungestört Homophobie, Sexismus und die Diskriminierung von Menschen mit anderen Identitäten predigen dürfen.“

So seien laut Müller unter anderem auf Flyern die Abschaffung des Verbotsgesetzes, sowie der Anschluss Österreichs an Deutschland gefordert worden. Müller kritisiert weiter, dass die Polizei diese Hetze toleriert und DemonstrantInnen, die sich gegen Neonazismus und Homophobie aussprechen und dagegen kämpfen kriminalisiert werden. Müller weiter:

„Dass die Polizei nun jene festnimmt, die sich den Hasspredigten dieser Neonazis und Fundamentalist_innen in den Weg stellen ist der nächste in der Serie an Polizeiskandalen der letzten Monate!“

Sieben Mitglieder des VSStÖ, darunter auch die Vorsitzende, wurden aufgrund der Störung einer Versammlung (§285 StGB) angehalten und ihre Identität festgestellt.

Twitter-Berichte über „cruisende“ Neonazis und Übergriff auf Regenbogenparaden-TeilnehmerInnen

Die Demonstration im ersten Bezirk Wiens, bei der laut Berichten augenscheinlich auch Personen neonazistischen Hintergrund teilnahmen, ist nicht die einzige bedenkliche Entwicklung. So gibt es auf Twitter zahlreiche Meldungen, dass am Samstagabend Neonazis durch die Straßen Wiens marschierten, um heimgehende CCSD-TeilnehmerInnen anzugreifen.

So postete beispielsweise auch Marco Schreuder, Bundesrat der Grünen eine Warnung auf Twitter:

Leute, angeblich sind rechtsradikale Schlägertrupps aus Ungarn in Wien um Heimgehende zu erwischen. Seid vorsichtig.“

Auf Rückfrage, wer die Quelle ist, twitterte Schreuder, dass diese Info von BeobachterInnen der Fundi-Demo stammt. Dass an dieser Warnung etwas dran sein könnte, bestätigten auch zahlreiche andere Twitter-BenutzerInnen.

So schrieb eine andere Twitter-Nutzerin von einem Attacke in den Abendstunden:

„zwei teilnehmer der #viennapride 2014 sind bei der uni von vier maennern mit einer glasflasche attackiert worden #regenbogenparade #wien“

Zwar wurden bislang die Twitter-Meldungen von den Sicherheitsbehörden nicht bestätigt, doch sorgten sie jedenfalls für ein großes Unbehagen, wenn die Teilnahme von Personen mit rechten bis rechtsextremen Hintergrund an der Gegendemo zur Regenbogenparade dokumentiert sind.

Medien-FAILS zu Regenbogenparade

Wie bereits in den vergangen Jahren schafften es auch dieses Jahr sämtliche Medien nicht, über die Regenbogenparade, die im Rahmen der Vienna Pride stattfand, adäquat zu berichten. Anstatt über die vielen gesellschaftspolitischen Forderungen zu berichten, wird einzig und allein wieder über die Schrillheit der Regenbogenparade geschrieben und mit Bildern „untermauert“.

Sämtliche Medien, egal ob Qualitätsmedium oder Boulevard, sparen die gesellschaftspolitischen Forderungen in der Berichterstattung aus. Einzig die Attacke auf Ulrike Lunacek findet Eingang in die Berichterstattung. Über die (bislang nicht bestätigten) gewaltbereiten neonazistischen Umtriebe am Tag und Abend der Regenbogenparade liest sich bislang kein Wort in sämtlichen Medien.

Der ORF lieferte überhaupt wieder DAS #Fail des Tages. So wurde die Berichterstattung über die Regenbogenparade in der Kategorie „Lifestyle“ auf ORF.at veröffentlicht.

Bild: Screenshot ORF.at

Resümee: Die Regenbogenparade strahlte auch 2014 mit 150.000 TeilnehmerInnen farbenfroh, friedlich und laut über den homophoben Attacken und setzte ein forderndes Zeichen für Liebe, Akzeptanz und gleiche Rechte für alle.

(Bild: thinkoutsideyourbox.net)
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