Regenbogenparade: 100.000 fordern Ehe für alle – Gewalt bei Gegendemo

Am vergangenen Samstag fand auf der Wiener Ringstraße die 20. Regenbogenparade statt. Leider hatte der Wettergott dieses Jahr Wolken, teilweise Regen und sehr kühle Temperaturen den 100.000 TeilnehmerInnen geschickt. Dies tat jedoch der Stimmung keinen Abstrich und es wurde ein buntes, kräftiges Fest mit ernsthaften politischen Forderungen.

Zum 20. Mal gingen LGBTs und ihre UnterstützerInnen auf die Straße, um für die noch immer vielen vorenthaltenen Rechte zu demonstrieren und ein sichbares Zeichen der Vielfalt zu setzen, Toleranz und vor allem Akzeptanz einzufordern.

Motto der Jubiläumsparade „Sichtbar 2015“

Angelehnt an das Motto der ersten „Regenbogenparade“ im Jahr 1996, die das Motto „Sichtbar 1996“ trug, war das Motto der diesjährigen „Regenbogenparade“ „Sichtbar 2015“. Seit 13 Jahren organisiert die „HOSI Wien“ die Regenbogenparade, welche seit 5 Jahren im Rahmen der „Vienna Pride“, die vom Verein „CSD Vienna“ organisiert wird, stattfindet

Schon vor dem Start der 20. Regenbogenparade zeigte sich der Obmann der HOSI Wien“, Christian Högl  zufrieden:

„Die Stimmung heuer ist mit der Stimmung bei der allerersten Parade vergleichbar. Damals war Aufbruchstimmung. Heuer gehen wir auf die Straße und haben das Gefühl angekommen zu sein.“

Auch heuer wurden die Regenbogenparade, die mit knapp 50-minütiger Verspätung vor dem Rathausplatz gestartet ist, von zwei Straßenbahngarnituren der „Wiener Linien“, die in Regenbogenfarben angemalt sind und den „Pride Girls“ und „Pride Boys“ angeführt. Insgesamt nahmen knapp 60 Gruppen an der Demonstration für die Rechte von LGBTIQs teil.

Viele politische Forderungen auf der Regenbogenparade 2015

Wie schon in den vergangenen Jahren setzte sich auch heuer der Trend fort, dass wieder verstärkt politische Forderungen auf der „Regenbogenparade“ kommuninziert werden – neben dem – und das ist gut so – Partycharakter der Demonstration, was die Regenbogenparade einzigartig macht.

Auf zahlreichen Schildern und Plakate waren Forderungen nach der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare oder dem Ausbau des Diskriminierungsschutzes für LGBTs zu lesen. Beides dringende politische Fragen, die von der ÖVP noch immer und ohne sachlichen Argumenten blockiert werden (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Angelehnt an die „Ampelpärchen“ in Wien, die vor dem Song Contest von der Verkehrsstadträtin und Vizebürgermeisterin Maria Vassilkaou (Grüne) initiiert wurden und nun dauerhaft bleiben (thinkoutsideyourbox.net berichtete), verkleideten sich zwei Männer als Ampelpärchen mit dem Spruch:

„Das Ampelpärchen sagt: Grünes Licht für die Öffnung der Ehe.“

Auch 3 im Nationalrat vertretene Parteien bei Regenbogenparade

Neben zehntausenden TeilnehmerInnen, vielen Vereinen und Unternehmen aus ganz Österreich, die ihre Solidarität mit der LGBTIQ-Community zeigten und klare Forderungen an die Politik stellten, nahmen auch 3 im Nationalrat vertretene Parteien teil.

So waren die „SPÖ“, die erst kurz davor im Parlament gegen einen Entschließungsantrag der „Grünen“ zur Öffnung der Ehe gestimmt hatte (thinkoutsideyourbox.net berichtete), die „Grünen“ und die „Neos“ auf der Parade vertreten. Bei letzterer Partei hatte ein Abgeordneter im Parlament gegen den Antrag der Grünen zur Ehe für alle gestimmt. Passend zum Abstimmungsverhalten der SPÖ erhielt die SPÖ eine Startnummer ganz am Ende des Demonstrationszuges.

„Pride Speech“ am Rathausplatz

Nachdem die Demonstration den gesamten Ring in Wien entgegen der Fahrtrichtung bei stark wechselndem Wetter von Regen, Wind, Kälte und dann wieder Sonne umrundet hatte, trafen die zehntausenden TeilnehmerInnen und die teilnehmenden Gruppen wieder am Rathausplatz ein, wo die „Pride Speech“ die Regenbogenparade beendete.

Hier haben VertreterInnen der Organisation und der Politik in Reden die vollständige Gleichstellung von LGBTs gefordert – darunter die Wiener Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ), Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Untermalt wurde die Abschlussveranstaltung von Acts auf der Bühne.

Gegendemonstration von FundamentalkatholikInnen – mit Gewalt

Gleichzeitig zur Regenbogenparade, die ein buntes Zeichen der Vielfalt, Toleranz, Weltoffenheit propagierte, demonstrierten am Stephansplatz FundamentalkatholikInnen und AbetreibungsgegnerInnen, wie schon 2014 (thinkoutsideyourbox.net berichtete) unter dem Motto „Marsch für die Familie“ gegen die gleichen Rechte von Lesben und Schwulen und die Ehe-Öffnung. Letztere ist ohnehin nicht mal erlaubt in Österreich.

Unter den nur rund 250 TeilnehmerInnen war laut Medienberichten auch die Bezirksvorsteherin des ersten Bezirkes, Ursula Stenzel (ÖVP) und der Neo-ÖVP-Nationalratsabgeordnete und Marcus Franz, der schon in der Vergangenheit mit homophoben Aussagen aufgefallen ist (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Die Polizei erklärte am Samstagabend, dass es zu Einsatz von Pfefferspray gekommen ist,

„Da sich einige Gegner gegenüber der Polizei äußerst aggressiv verhielten, musste vereinzelt vom Pfefferspray Gebrauch gemacht werden. Zwei Personen wurden vorübergehend festgenommen, eine dritte befindet sich in Haft.“

Gänzlich anders wird die Situation von der „Österreichischen HochschülerInnenschaft“ dargestellt, die von übertriebener Polizeigewalt und „willkürlichen Festnahmen“ spricht. In einer Aussendung der HöchschülerInnenschaft heißt es:

„Wieder einmal räumte die Polizei Rechtsextremen die Straße frei, kesselte und verletzte Antifaschist_innen wie Passant_innen und nahm dabei auch wahllos Personen fest. Einsatzleiter Oberstleutnant Werner Granig selbst gab Befehle zu Pfeffersprayeinsätzen gegen bloß umherstehende oder sich vom Geschehen wegbewegende Personen.“

Die queer feministische Politologin Ewa Dziedzic dokumentierte die Polizeiaktionen in der Innenstadt mit Fotos und stellte diese auf Twitter. So heißt es in einem Tweet:

Bereits zuvor hat die Polizei eine Gegendemonstration gegen den „Marsch für die Familie“ untersagt.

All das zeigt, dass die Regenbogenparade auch im nächsten Jahr wieder ein lautstarkes, lebensbejahendes und buntes Zeichen für Vielfalt, Respekt, Toleranz, Weltoffenheit und gleiche Rechte für alle setzen muss.

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