Ratschlag an Mobbing-Opfer: Verhaltet euch weniger schwul

Seit einigen Monaten gibt es eine traurige Serie an Suiziden homosexueller Jugendlicher, da diese aufgrund „gay bullying“, Mobbing und Hänseleien keinen Ausweg mehr sehen (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Auch gerade in der Schule ist Homosexualität vielfach ein „Konfliktthema“, das häufig auf mangelnder Aufklärung beruht. „Schwul“ ist in vielen Schulhöfen ein gängiges Schimpfwort. In der englischen Grafschaft Essex fand daher „Anti-Mobbing-Konferenz“ statt, um das Thema „Mobbing“ aufzugreifen. Im nun vorgelegten Bericht ist aufgelistet, wie hilflos manche PädagogInnen teilweise sind. So soll SchülerInnen, die Opfer von Mobbing aufgrund ihrer sexuellen Orientierung wurden, geraten worden sein,  „einfach weniger „schwul“ zu sein.

PädagegInnen in Essex sehen sich mit heftigen Protesten der Eltern konfrontiert. Bereits im März diesen Jahres fand eine „Anti-Mobbing-Konferenz“ statt, um Bewusstsein für das Thema Mobbing aufgrund der sexuellen Orientierung zu schaffen, Erfahrungswerte auszutauschen und Lösungen zu erarbeiten, wie betroffenen Jugendlichen Hilfe angeboten werden könne. Auf Wunsch der PädagogInnen wurde diese Versammlung – der auch SchülerInnen beiwohnten – einberufen, Hilfe und Unterstützung im Umgang mit Mobbing an Schulen zu erhalten.

Iin dem Bericht der Konferenz kam heraus, dass LehrerInnen SchülerInnen, die Opfer von Mobbing wurden, anstatt Hilfe angeboten zu haben, Ratschläge gegeben haben sollen, die einem jungen Menschen klar machen, dass er/sie sein/ihr „nicht den Normen entsprechendes Verhalten“ einfach beenden solle oder die Haare „anders tragen solle“, damit das Mobbing aufhöre. Kurz gesagt: „Verhalte dich weniger homosexuell.“

Mobbing aufgrund der sexuellen Orientierung ein großes Problem

Chris Gibbons von der Organisation für Homosexuellenrechte Stonewall erklärte gegenüber der britischen BBC:

„Es ist wirklich traurig zu hören, dass jungen Personen gesagt bekommen, dass sie nicht so sein können, wie sie sind. Es wirkt sich auf ihr Selbstwertgefühl, ihr Selbstvertrauen und der Freude an der Schule und letztlich an ihrer Verwirklichung in der Schule aus.“

Ähnlich wie in vielen Schulen in Österreich oder Deutschland (thinkoutsideyourbox.net berichtete) ist auch in England Homophobie und Mobbing aufgrund der sexuellen Orientierung ein großes Problem, wie Gibbons erklärte. Er zeigte gegenüber der BBC jedoch auch Verständnis, dass dieses Thema für Lehrkräfte ohne entsprechender Informationen und Schulungen schwierig zu behandeln sei:

„Wir verstehen, dass das für Lehrer schwierig sein kann, denn wenn sie keine diesbezügliche Ausbildung haben, müssen sie nicht unbedingt wissen, wie homophoben Mobbing vorgebeugt oder darauf reagiert werden kann.“

Der Bericht über diese Konferenz wurden von Julie Keating, Generalkonsulin der „Children’s Services Authorithy“ an den „Essex County Council“ weitergeleitet. Dieser ist sich unsicher, ob hinter den Ratschlägen („Verhalte dich weniger schwul“) nicht selbst homophobe Absichten stecken. Es wurde jedoch betont, dass alle Formen des Mobbings in Angriff genommen werden sollen.

Stephen Castle, Kabinettsmitglied erklärte gegenüber der BBC:

„Ich denke, der entscheidende Punkt für uns ist, sicherzustellen, dass Bullying in jedweder Form ernst genommen wird und ich denke, diese Konferenz hat dazu beigetragen.“

Kindern und Jugendlichen müsse – so Castle weiter – jedenfalls die Sicherheit gegeben werden, dass sie Mobbing melden können, um die Mobbing-Spirale zu druchbrechen.

(Bild: maewe – CC-BY-2.0 via Flickr)
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2 Comments
  1. Harry Gambler says

    Gerade die Homophobie in den Schulen zeigt die seit etwa 20 Jahren herrschende Krise in der Pädagogik. Ich glaube, wenn unsere Lehrer ihre Angst ablegen und sich mehr in Konflikte einmischen,dann wäre das Beitrag zu „weniger Mobbing“ ist mehr als „Nichts-Tun“.
    Übrigens, Lady Gaga hat nun eine Stiftung gegründet, auch besser als „Nichts-Tun“.
    http://www.ovb-online.de/nachrichten/stars/lady-gaga-sagt-mobbing-kampf-1473193.html
    MfG
    Harry Gambler

  2. thinkoutsideyourbox.net says

    Harry:

    Vielen Dank für deinen Beitrag.

    Es wird je nach Zeitgründen noch heute oder morgen einen Beitrag zu der gegründeten „Born This Way“-Stiftung von Lady Gaga geben.

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