Paris: Schwules Paar verprügelt und Störaktion gegen LGBT-Frühlingsfest

Die politische Debatte über die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule in Frankreich, wo konservative Gruppen in den vergangenen Wochen mehrfach hunderttausende Menschen mobilisiert haben, sorgt nun auch für Klima des Hasses gegen Homosexuelle. Nun wurde bekannt, dass am Samstag in Paris ein homosexuelles Paar auf offener Straße brutal verprügelt wurde, nur weil dieses Arm in Arm durch die Straßen marschierte. Ebenfalls wurde das Frühlingsfest der LGBT-Vereine in Paris am Wochenende von GegnerInnen gestört.

Wurde in Umfragen bislang eine deutliche Zustimmung zur Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare, die von Präsident Francois Hollande und seiner Regierung geplant ist, erhoben, ist die Stimmung mittlerweile am Kippen, wie jüngste Umfragen zeigen. Auch im Senat, der nun über den Gesetzesentwurf debattiert, wird es ein knappes Rennen werden (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Schwules Paar in Paris verprügelt

Die massiven und populistischen Demonstrationen und Mobilisierungen von konservativen und gläubigen Gruppen scheint nun dafür zu sorgen, dass sich in Frankreich eine Stimmung der Intoleranz und Homophobie gegen Lesben und Schwule ausbreitet, die noch dazu mit nicht haltbaren Aussagen gegen die Gleichstellung von Lesben und Schwulen wettern (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Bei einer Massenkundgebung gegen die Ehe-Öffnung Ende März in Paris kam es zu Übergriffen von KundgebungsteilnehmerInnen gegen die Polizei (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Wie nun bekannt wurde, wurde am Samstag ein schwules Paar Opfer eines Hassverbrechens. Das gleichgeschlechtliche Paar wurde zunächst von einer Gruppe junger Männer mit homophoben Schimpfwörten beleidigt und schließlich mit Schlägen versehen. Der einzige Grund für diesen Akt der Gewalt war, dass das Männerpaar Arm in Arm durch die Straßen flanierte.

Eines der Opfer, der Niederländer Wilfried De Brujin, er seit Jahren in Paris lebt, hat auf seinem Facebook-Profil ein Foto seiner Verletzungen öffentlich gepostet und beschreibt seine Verletzungen. So spricht er von gebrochenen Knochen und das Foto zeigt ausgeschlagene Zähne und blaue Flecken am gesamten Gesicht. So schreibt er:

„Sorry, euch das zu zeigen. Es ist das Gesicht der Homophobie. Letzte Nacht im 19. Arrondissement wuren Oliver und ich brutal zusammen geschlagen, nur weil wir Hand in Hand gingen. Ich wachte in der Ambulanz, bedeckt mit Blut, fehlende Zähne und gebrochene Knochen um die Augen, auf.“

Die brutale Attacke ist das Schlimmste und Abscheulichste, doch war es nicht der einzige homophobe Vorfall in Paris am Wochenende. Auch ein LGBT-Fest wurde gestört.

Homophobe Störaktion gegen Fest „Frühling der LGBT“

Am Wochenende fand in Paris das alljährliche „Printemps des Assoces“ (Frühling der LGBT-Vereine). Doch diesmal wurde das Fest von Personen unter dem Namen „Printemps francais“ (französischer Frühling) gestört. Die homophoben Störenfriede zogen in der Nacht von Samstag auf Sonntag zum Veranstaltungsort und kleisterten Wände, Glastüren und Veranstaltungsplakete mit Plakaten und Hetzschriften gegen die Ehe-Öffnung zu.

Die Gruppe hat zunächst ihren homophoben Vandalenakt auf YouTube gestellt, mittlerweile jedoch wieder gelöscht. Schnelle YouTube-UserInnen haben das Video jedoch neuerlich hochgeladen. Die Sprecherin der Gruppe, Beatrice Bourges, Vorsitzende des „Kollektivs für das Kind“ und früher im Führungsgremium der „Manif pour tous“ war, jener Gruppe, die zu den Kundgebungen gegen die Ehe-Öffnung aufgerufen hat, feierte die Aktion auf Twitter als Erfolg, wie „queernews.at“ berichtet.

Generell berichten viele LGBT-AktivistInnen, dass sie in den vergangenen Wochen vermehrt mit Homophobie und Anfeindungen zu kämpfen haben. LGBT-AktivistInnen gegen für die jüngsten homophoben Gewaltakte den populistischen GleichstellungsgegnerInnen die Schuld für das Klima der Intoleranz und des Hasses gegen Lesben und Schwule. So wird berichtet, dass seit Beginn der Debatte über die Ehe-Öffnung für Lesben und Schwule homophobe Übergriffe um 30 % zugenommen haben.

Elisabeth Ronzier, Chefin der Organisation „SOS Homophobie“ erklärte, wie „queer.de“ berichtet:

„Das ist die Rechnung für die Ablehnung des Gesetzes. Diese Leute behaupten, sie seien nicht homophob, sind es aber doch. Homophobie ist trivialisiert worden.“

Aus Anlass der homophoben Akte in Paris hat die LGBT-Gruppierung „Act Up“ für den 10. April zu einer Kundgebung gegen Homophobie aufgerufen.

(Bild: Wilfried De Brujin auf Facebook)
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10 Comments
  1. […] berichtete), es Vandalenakte gegen LGBT-Verein gibt oder sogar gewalttätige Übergriffe (thinkoutsideyourbox.net berichtete), ist die rasche völlige Gleichstellung ein Gebot der […]

  2. […] die durch Paris Hand-in-Hand gingen und deswegen von homophoben Jugendlichen verprügelt wurden (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Gleichzeitig wurde das LGBT-Frühlingsfest in Paris von homophoben Vandalen […]

  3. […] Homophobie berichteten, wo erst kürzlich in Paris ein schwules Paar zusammengeschlagen wurde (thinkoutsideyourbox.net berichtete), geht die sozialistische Regierung von Präsident Francois Hollande mit Stimmen anderer […]

  4. […] Erst vergangenes Wochenende wurde in Paris ein Männerpaar brutal verprügelt, nur weil die beiden Männer auf der Straße ihre Liebe nicht verstecken und Händchenhaltend durch die Straßen flaniert sind (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  5. […] Ungeachtet des Aufrufs von Premierminister Jean-Marc Ayrault kam es am Mittwoch Abend in der nordfranzöischen Stadt Lille zu einem erneuten Übergriff, nachdem erst vor kurzem die Organisation “SOS Homophobie” von einem dramatischen Anstieg von homophoben Attack sprach und in Paris ein Männerpaar auf offener Straße brutalst zusammen geschlagen wurde (thinkoutsideyourbox.net berichtete). […]

  6. […] und auch Homosexuelle Opfer von homophoben Übergriffen werden, wie vor wenigen Tagen in Paris (thinkoutsideyourbox.net berichtete) oder vor kurzem in Lille, wo eine Schwulen-Bar angegriffen wurde (thinkoutsideyourbox.net […]

  7. […] auf eine Schwulenbar (thinkoutsideyourbox.net berichtete), verprügelte Homosexuelle (thinkoutsideyourbox.net berichtete), Drohungen gegen PolitikerInnen, die die Ehe für Lesben und Schwule unterstützen, sowie […]

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  10. J.Clauss says

    Es geht nur um die Liebe zueinander..

    Der Liebe ist es egal, ob sie unter Männern und Frauen wirksam ist oder unter gleichgeschechtlichen Personen..
    Statt sich davor zu fürchten sollte man sich selber mal fragen, WARUM man sich davor fürchtet.

    Die unbändige Angst, von den „Falschen“ geliebt zu werden? Oder der Frust, nicht von DER Person geliebt zu werden, die einem das eigene EGO oder die eigenen gesellschaflichen Zwänge vor schreiben?

    Liebe ist was universelles..

    Ist ein Mensch ein Sodomist, weil er z.B. seine Haustiere lliebt?

    Oder ein Rechter, nur weil er seine Heimat liebt?

    ICH meine, EGAL was wir lieben, es hat niemand das Recht, dem ANDEREN vor zu schreiben, WAS, WANN und WEN er zu lieben hat..

    Nur…
    Man sollte es auch niemandem aufzwingen, der es NICHT lieben mag..

    Tolleranz muss auf beiden Seiten wachsen und gegenseitige Provokationen sollten vermieden werden..

    Tolleranz ist also (zumindest meiner Ansicht nach) eine Sache von BEIDEN Seiten.

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