„Out im Office?!“ – Ergebnisse einer Studie

Sexualität spielt am Arbeitsplatz immer wieder eine große Rolle

Viele schwule, lesbische, bisexuelle und transgender Beschäftigte erleben fast täglich Diskriminierung am Arbeitsplatz. Oftmals sind es kleine Lästereien hinter dem Rücken oder unsachliche Behauptungen, die im Raum stehen. Für viele ist diese Situation sehr unangenehm und dann ist schweigen oder lügen oftmals der angenehmste und einfachere Weg, um nicht ständig “Dauerthema” im Office zu sein.

Am 19. Juli 2017 hat das Institut für Diversity- & Antidiskriminierungsforschung (IDA) in Kooperation mit der Hochschule Fresenius und der Antidiskriminierungsstelle des Bundes eine Studie zur Arbeitssituation LSBT-Beschäftigter in Deutschland veröffentlich. 2.884 lesbische, schwule, bisexuelle und transgender Personen wurden dafür zu ihrer Arbeitssituation befragt. Eine erste Erhebung zu diesem Thema gab es zuletzt 2007.

In der Studie ist deutlich zu sehen, dass sich die Zahl lesbischer und schwuler Beschäftigter, die im Job offen mit ihrer Sexualität umgehen, in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hat. Leider zeigt sie aber auch, dass es noch immer eine sehr hohe Anzahl arbeitsplatzrelevanter Diskriminierung aufgrund dessen gibt.

Offenheit über die sexuelle Identität

Nicht einmal jede/r Dritte (28,9 %) aller lesbischen und schwulen Beschäftigten spricht offen mit KollegInnen über die eigene sexuelle Identität. Mehr als ein Drittel (30,5 %) spricht mit keinen oder nur wenigen KollegInnen darüber.

Vier von zehn lesbischer oder schwuler Führungskräfte sprechen mit allen MitarbeiterInnen offen über ihre sexuelle Identität, aber ebenso verheimlicht jede Vierte Führungskraft diese vor ihren MitarbeiterInnen.

Fast 56 % der bisexuellen Beschäftigten halten ihre sexuelle Identität vor allen oder fast allen Kollegen geheim.

Vor allem transgender Beschäftigte haben es besonders schwer im Arbeitsalltag. 69% halten deshalb ihre sexuelle Identität vor allen oder fast allen KollegInnen geheim. Ähnlich verhält es sich mit der Offenheit gegenüber den Führungskräften.

Diskriminierungserfahrungen

Mehr als drei Viertel (76,3 %) der lesbischen, schwulen und bisexuellen Teilnehmer gaben an, mindestens eine Form von Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren zu haben. Sie erleben vor allem voyeuristisch-gesteigerte Auseinandersetzungen (z.B. angaffen), werden ignoriert, ausgegrenzt oder sogar sexuell belästigt. Über 20 % der berichteten Vorfälle sind dabei sogar strafrechtlich relevant.

Mehr als jede/r Zehnte in dieser Gruppe wurde nach eigenen Angaben aufgrund der sexuellen Orientierung sogar schon entlassen, versetzt oder gar nicht erst eingestellt. Bei transgender Personen betrifft dies sogar jede/n Vierte/n.

Screenshot aus der Studie

Fazit

Die Befragung zeigt leider deutlich: LSBT-Personen erleben am Arbeitsplatz Ausgrenzung, Mobbing und Belästigungen”, sagt die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders, bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin.

Wir hoffen, dass dieses Versteck- und Schauspiel endlich ein Ende nimmt und nicht weitere zehn Jahre benötigt, um mehr Akzeptanz im Job und unter Kollegen zu erhalten. Einen entscheidenden Schritt zur Verbesserung der Situation müssen dabei vor allem Vorgesetzte machen. Sie müssen mit gutem Beispiel voran gehen und das Verhalten und den Umgang miteinander am Arbeitsplatz entscheidend prägen.

Die Ergebnisse der Studie im Detail können hier nachgelesen werden.

Video: www.tagesschau.de, 19.07.2017

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