Life Ball-Chef Keszler über Situation in Russland entsetzt und Kritik an Faymann

Als im Juni 2013 das Gesetz gegen die ‚öffentliche Propagierung von nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen‘ vom russischen Präsidenten Wladimir Putin unterzeichnet wurde, war klar, dass damit die Arbeit zur HIV-Prävention kaum mehr möglich sein werde. Nun besuchte der Life Ball-Macher Gery Keszler Russland und erklärte auf Facebook, dass über die Situation in Russland völlig entsetzt ist.

Seit der Verabschiedung des Gesetzes gegen „Homosexuellen-Propaganda“ in Russland ist die ohnehin bereits homophobe Stimmung im Land noch deutlich dramatischer geworden. Regelmäßig sorgen Berichte für Entsetzen, wenn LGBT-Jugendliche von nationalistischen Gruppierungen richtiggehend gehetzt, gequält, verfolgt und im Internet an den Pranger gestellt werden.

Das Anti-Homosexuellen-Gesetz sorgt aber auch dafür, dass HIV/Aids-Prävention und Aufklärungsarbeit kaum mehr möglich ist, da öffentlich nicht über sämtliche Infektionsmöglichkeiten aufgeklärt werden kann. Auch sorgt es für ein Klima der Kriminalisierung von Homosexuellen oder auch HIV-Positiven und an Aids erkrankten Personen.

Life Ball-Chef Keszler über Situation in Russland entsetzt

Erst vor kurzem zeigte eine Dokumentation auf Phoenix die dramatische Situation von LGBTs in Russland (thinkoutsideyourbox.net berichtete) und auch Gery Keszler zeigt sich nach seiner Rückkehr aus Russland über die Zustände in der Putin „Demokratur“ entsetzt.

Auf Facebook veröffentlichte Keszler einen Artikel, in dem er auch den österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) heftig kritisierte, dass dieser für das Begräbnis von einem der größten Personen aller Zeiten, Nelson Mandela, keine Zeit hatte, aber dem homophoben Putin mit dem Besuch der Eröffnung der Olympischen Spiele in Sotschi in wenigen Tagen in den Allerwertesten kriecht.

Keszler-Beitrag auf Facebook

Hier nun der gesamte Beitrag, den Gery Keszler auf Facebook veröffentlicht hat:

„Meiner Betroffenheit muß ich hier Luft machen. Hat mich doch das Ausmaß der persönlich erlebten Homophobie und der Konzeptlosigkeit der russischen Regierung im Umgang mit der landesweiten AIDS Situation erst jetzt nach meiner Rückkehr aus Moskau so richtig erschüttert. Die Russisch-Orthodoxe Kirche und die russische Regierung legitimieren die Anfeindungen aus der Bevölkerung gegenüber gleichgeschlechtlich Liebenden und Menschen mit HIV. Greifende Programme um die Pandemie zu bekämpfen gibt es nicht. Internationale Organisationen wie der Global Fund oder UNAIDS haben längst ihre Aktivitäten eingestellt. Putin meint das Problem selbst lösen zu können. Die Selbsthilfegruppen werden bei Annahme von finanzieller Unterstützung durch das Ausland als Kollaborateure registriert, nich ohne Konsequenzen. ORF, Krone und News, die mich begleitet haben, werden in Kürze ausführlich darüber berichten.

Daher mangelt es dem österreichischen Bundeskanzlers betreffend der Teilnahme in Sotschi an staatsmännischer Weitsichtigkeit. Kann er nicht einfach wie bei der Beerdigung von Nelson Mandela fernbleiben. Da war es auch nicht wichtig, als die internationale Politgröße geschlossen anreiste. VIP Tribünen wie bei den Olympischen Spielen oder zuletzt in Kitzbühel (als ein einziges Zuwinken von Arnold Schwarzenegger ihm minutenlang ein Lächeln und Herzenswärme ins Gesicht zauberte) haben ihre Anziehungskraft. Aber ist es den Sportlern, die sich ein Leben lang auf Olympia vorbereiten, nicht total egal, ob da ein Kanzler mitfährt? Das Bild von Österreich könnte aber dadurch wiedermal beschädigt werden.

Wir haben die Verantwortung mit solchen Situationen sensibler als andere Länder umzugehen und Deutschlands Politiker sollte uns ein Beispiel sein. Denn hoffentlich werden wir über diese Spiele nie einen, auch noch so kleinen Vergleich mit Olympia 1936 ziehen müssen, als die Politiker auf ihren Tribünen zuschauten, wie die Sportler zum Hitler Gruß ihre Hand heben mussten, während die ersten Opfer in Lager verschleppt wurden.

Life is about seizing the moment, Herr Bundeskanzler, lets give it an opportunity!“

Den Worten von Gery Keszler ist nur mehr zuzustimmen, denn auch wenn Bundeskanzler Werner Faymann erst am Donnerstag bei seiner Rede im Europarat die Diskriminierung von Homosexuellen verurteilt hat, so hat es der Bundeskanzler nicht gewagt, die homophobsten Länder in Europa, eben auch Russland direkt, beim Namen zu nennen und Wladimir Putin für dessen menschenrechtsfeindliche Politik direkt zu kritisieren…

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