Literatur aus der Nische: LGBT-Themen sind im Kommen

LGBT-LiteraturEigentlich fing es ja sehr subtil an: Da wurden Beziehungen zwischen sexuell nicht mainstream-orientierten Menschen in Romanen mal ganz am Rande erwähnt. Oder in Gedichten und Briefen. Dann widmeten sich immer mehr Kurzgeschichten den Themen rund um Homosexualität oder dem Coming-Out. Und plötzlich ist ein eigenes Genre daraus geworden: die LGBT-Literatur.

Dabei gab es das Thema LGBT in der Literatur doch schon sehr lange. Oscar Wilder hat zum Beispiel bereits im viktorianischen Zeitalter mit Teleny einen homoerotischen Roman über die Liebesgeschichte zweier Männer geschrieben (der übrigens bei Rowohlt vor einigen Jahren in einer sprachlich recht ansprechenden Übersetzung aufgelegt wurde). Und auch in den lateinischen und griechischen Klassikern, die im Schulunterricht gelesen werden, wird die Thematik der gleichgeschlechtlichen Liebe immer wieder angedeutet. Selbst William Shakespeare beschreibt die Zuneigung zum gleichen Geschlecht im einen oder anderen seiner 154 Sonette. Es erstaunt somit schon, wie lange es LGBT-Literatur eigentlich schon gab, bevor man ein Label dafür hatte.

Eigene Verlage, eigene Verkaufsräume

Lange Zeit hatte es die Community schwer, ihre eigene Literatur zu veröffentlichen. Es gab einige kleinere Verlage, die die Werke auflegten, viel passierte aber in Eigeninitiative. Das ist inzwischen anders. Natürlich gibt es sie immer noch, die kleinen Verlage und speziellen Häuser, oder Buchhandlungen wie das Löwenherz in Wien, die sich hier spezialisiert haben und ihr eigenes Publikum ansprechen. Aber auch die Großen haben ihr Sortiment in der Sparte LGBT ausgebaut. Und nicht nur das: Die Literatur wird zunehmend vertont. Plattformen wie Audible bieten eine Vielzahl an LGBT-Romane als Hörbücher an und es werden laufend mehr. Der Blick über den Tellerrand lohnt sich also!

Buchbesprechungen auf Blogs, in eigenen Communities und mehr

Der Grund dafür liegt zum Teil daran, dass die LGBT Community im Gegensatz zu manchen anderen Strömungen sehr gut vernetzt ist und sich auf zahlreichen Blogs, in Magazinen online und analog, in Foren und Chaträumen reger Austausch beobachten lässt. Viele Seiten verstehen sich nicht nur als Magazine, sondern geben auch hilfreiche Literaturtipps und Empfehlungen.

An ihm kommt man nicht vorbei: Ralf König

Seit „Der bewegte Mann“ hat die deutsche LGBT Szene einen eigenen Comiczeichner, der zudem auch noch ein Mainstream-Publikum fasziniert. Es verwundert also nicht, wenn die Comics von Ralf König in jeder Liste von LGBT Literatur auftauchen.

Er präsentiert übrigens am Donnerstag, 19. Oktober 2017, im Schauspielhaus Wien in einer szenischen Comic-Lesung sein neues Buch „Herbst in der Hose“ – mit anschließender Signierstunde. In diesem Event wird er den Comic an die Wand projizieren und die Stimmen der Comicfiguren selbst sprechen. Inhaltlich geht es um sein berühmtes Kölner Schwulenpärchen Konrad und Paul, die in die Wechseljahre gekommen sind. Oder wie er es ausdrückt, in der „Andropause“. Ein heikles Thema für Männer, welches er aber mit seinem bekannten Batzen Humor präsentiert. Alle Infos und Tickets findet ihr unter: https://www.loewenherz.at/index_lw_nr.php?LWNR=16173

Aber noch eine macht von sich reden – Karen-Susan Fessel. Sie setzt sich in ihren teilweise autobiografisch motivierten lesbischen Romanen mit dem Anders-Sein auseinander, und zwar auf eine ganz eigene, zaghafte Art und Weise.

Zu Fiktion und Comics kommen Sachbücher und Biografien, Reiseführer und Reisetagebücher, Ratgeber und mehr. Es gibt eigentlich kein Genre der Literatur, das innerhalb der LGBT Literatur nicht auch bedient würde. Für die allgemeine Toleranz und Akzeptanz ist das unglaublich wichtig und wir wünschen uns noch mehr davon.

 

Bild: Pixabay

(Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Audible)

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