Life Ball: Gery Keszlers HIV-Coming-Out: Danke.

Samstag Abend stieg im Wiener Rathaus der 23. Life Ball und auch dieses Jahr besuchten zehntausende Menschen die opulente Eröffnungsshow am Rathausplatz in Wien. Und dennoch ist 2015 etwas anders. Gery Keszler hat nach Jahrzehnten sein Coming-Out: HIV-Positiv.

Seit vielen Jahren ist der Life Ball in Wien eines der weltweit größten Charity Events im Kampf gegen HIV und Aids und sammelt jährlich Millionen Euro um Menschen weltweit den Zugang zu HIV-Medikamenten zu ermöglichen, Prävention und Aufklärung zu betreiben und auch die Forschung nach Therapie- und Heilungsmöglichkeiten für an HIV-erkrankten Menschen voran zu treiben.

Jedes Jahr berichten die Mainstream-Medien fast ausschließlich, welcher Promi kam, wer wie viel oder wie wenig getragen hat, doch vergessen viele, worum es beim Life Ball tatsächlich geht.

Um den Kampf gegen HIV/Aids und die Stigmatisierung, Diskriminierung und Kriminalisierung von HIV-Positiven und an Aids erkrankten Personen.

Gery Keszler über seine HIV-Erkrankung: „Ich war einer der allerersten in Österreich

2015, dem Jahr, wo Wien im Blickfeld der Weltöffentlichkeit steht und unmittelbar an den Life Ball, der Eurovision Song Contest in Wien stattfindet, ist der Life Ball anders. In seiner 23. Auflage war die Eröffnungsrede von Life Ball-Vater Gery Keszler die persönlichste seines Lebens.

Keszler widmete den diesjährigen Life Ball dem erst kürzlich an Aids verstorbenen Freund Horst, einem langjährigen Wegbegleiter und Mitarbeiter des Life Ball-Teams. Keszler betonte in einer emotionalen Rede, dass das Ableben von ihm eine „unerwartete Katstrophe“ und weiter:

“Ich hätte nicht gedacht, dass ich 2015 den Ball einem Freund widmen muss. Den goldenen Life Ball widme ich dir, Horst!”

Keszler erinnerte weiter, wofür der Life Ball stehe, um schließlich mit dem persönlichsten Moment der nun 23-jährigen Life Ball-Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen:

„Ich war einer der ersten in Österreich, der sich mit HIV infiziert hat.“

Er habe sich vor über 30 Jahren in Australien an HIV angesteckt. So viele Freunde mussten mittlerweile gehen:

„Ich weiß nicht, warum ich hier stehe. So gesund. Ich habe so viele Freunde verloren.“

 Dieses Schicksal teilt Keszler mit vielen anderen Menschen, die ebenfalls an dieser noch immer unheilbaren Erkrankrung verstorben und eine große Lücke hinterlassen haben. Keszler weiter, warum er an die Öffentlichkeit geht:

„Ich will den Betroffenen Mut machen.“

Ob es kommendes Jahr die Gala brauche, wisse er nicht, so Keszler in seiner Rede weiter, doch er dankte den Gästen für die enorme Unterstützung, um schließlich den Life Ball mit einer finalen Botschaft offiziell zu eröffnen:

„Egal, was man ist (…), herzlich willkommen beim Life Ball.“

Keszlers HIV-Coming Out: Danke.

Gery Keszler gilt ein großes Danke. Zunächst natürlich dafür, dass er seit vielen Jahren dieses wichtige Event im Kampf gegen HIV/Aids organisiert und so Millionen Menschen hilft, aber im besonderen diesmal gilt ein Danke ihm persönlich – für seine Offenheit, Ehrlichkeit und den Mut, mit seiner Erkrankung an die Öffentlichkeit zu gehen.

Noch immer werden HIV-positive Menschen stigmatisiert, kriminalisiert und diskriminiert. Wenn selbst Gery Keszler, der in Österreich sinnbildlich für den Kampf gegen HIV/Aids steht, diese Erkrankung für mehrere Jahrzehnte geheim hält und erst nach über 30 Jahren den Mut hat, zu sagen, dass auch er erkrankt ist, so zeigt das, welch‘ weiter Weg noch zu gehen sein wird, damit Menschen als Menschen gesehen werden und nicht mehr nur als HIV-positiv oder an Aids erkrankt gebrandmarkt werden.

Ja, HIV und Aids ist eine Krankheit, aber das macht den Menschen nicht weniger wert, als andere. Sie verdienen die gleiche Würde, Respekt und Chancen im Leben, ohne auf ihre Erkrankung reduziert zu werden, die lediglich ein Teil ihres Lebens sind. Das Leben ist viel mehr.

Danke Gery, dass du nach so vielen Jahren den Mut hattest, mit deiner Erkrankung an die Öffentlichkeit zu gehen. Hoffentlich ist dieser mutige Schritt ein weiterer Schritt, um mit der Stigmatisierung und Kriminalisierung von HIV-positiven und an Aids erkrankten Menschen endlich abzuschließen, vielen anderen HIV-Positiven und an Aids erkrankten Menschen neuen Mut zu machen. Danke.

Link: Life Ball

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