Juni: Der queerste Monat des Jahres – mit wichtigem Hintergrund!

Im Juni 2011 finden auch heuer in Wien zahlreiche lesBiSchwule und queere Events statt und machen so den Monat zum queersten des Jahres. In den nächsten  Wochen werden Lesben, Schwule und transidente Personen verstärkt auf ihre Interessen und Forderungen hinweisen und diese einfordern (können), sowie auch zahlreiche Partys feiern. Im Folgenden eine Übersicht über die größten Events in der Bundeshauptstadt, welche im Juni 2011 stattfinden werden sowie, dass Vienna Pride, Regenbogenparade & Co mehr als nur reine Spaßveranstaltungen sein müssen und dürfen.

„identities 2011 – queer film festival wien“

Den Anfang macht bereits morgen, dem 2. Juni, das queere Filmfestival „identities 2011“, das bis einschließlich 12. Juni die besten queeren (Kurz)Filme und Videos präsentiert. In den kommenden Tagen werden in 60 Vorführungen knapp 100 Filme und Videos gezeigt werden.

Im heurigen Jahr präsentiert das Festival wie jeher einen Überblick über aktuelle queere Filme, die um Klassiker ergänzt werden. Passend zur neu aufgekommenen Debatte rund um das eingeforderte Recht von Lesben und Schwulen, eine „Familie sein zu dürfen“, werden auch filmische Entwürfe zum Thema (queere) Familie – mit und ohne Kinder – gezeigt.

Neben zahlreichen anderen Festival-Highlights ist auch die Vorführung von „Prayers For Bobby„, ein Film mit einer hervorragenden Leistung der Schauspielerin Sigourney Weaver, der auf einer wahren Begebenheit basiert und die religiöse Intoleranz gegenüber Homosexuellen und Homophobie thematisiert, ein Höhepunkt. (thinkoutsideyourbox.net stellte den Film bereits vor).

Hier der Trailer:

Zwar ist die Eröffnungsgala am 2. Juni im Gartenbaukino derzeit ausreserviert, doch laut VeranstalterInnen gibt es an der Abendkassa ab 20:00 Uhr gute Chancen auf einzelne Restkarten, da immer wieder einmal ein paar Tickets zu viel reserviert werden, nicht abgeholt werden und dann an der Abendkasse wieder verfügbar sind.

Infos und Programm: identities.at

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„Aids Hilfe Haus: Tag der offenen Tür“

Zwar ist dies keine reine queere Thematik, doch es hält sich beharrlich das Vorurteil, dass HIV/Aids hauptsächlich homosexuelle Männer betrifft, dabei entfallen ca 40 % aller Neuinfektionen in Österreich auf heterosexuelle Sexualkontakte. Im Rahmen der Bezirksfestwochen (6., Mariahilf) lädt das „Aids Hilfe Haus“ zu einem Tag der offenen Tür ein, wo der/die Interessierte sich über HIV/Aids, Ansteckungsrisiken oder die Tätigkeiten des Hauses informieren kann. Am Tag der offenen Tür können sämtliche Fragen gestellt und Berührungsängste bzw. Vorurteile abgebaut werden.

Das wird den BesucherInnen am Tag der offenen Tür unter anderem geboten:

  • Ausstellung über Angebote und Arbeitsweise der Aids Hilfe Wien
  • Einblicke in die Arbeitsbereiche der Aids Hilfe Wien
  • Anonyme Testmöglichkeit auf  HIV, Syphilis, Hepatitis B und C
  • Hausführungen (um 15.30, 17.30 und bei Bedarf öfter)
  • Sehenswerte Spielfilme und Dokumentationen
  • Kurzvorträge (um 15.00, 16.00, 17.00, 18.00 und 19.00)
  • Kondomtraining (um 14.30, 16.30 und 18.30)
  • Gewinnspiel mit tollen PreisenBuffet und Abendessen

6. Juni Tag der offenen Tür im Aids Hilfe Haus
Wo: Aids Hilfe Haus Wien, Mariahilfer Gürtel 4, 1060 Wien (U6-Station Gumpendorfer Straße)
Wann: Montag, 6. Juni 2011 von 14:00 bis 20:00 Uhr
Eintritt frei!
Weitere Infos:
aids.at

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Vortrags-/Diskussionsabend: „Islam und Sexualität”

Das “Forum Emanzipatorischer Islam” lädt zum Beginn der Vortragsreihe “Islam und Moderne – Emanzipatorische Ansätze” zu einem Vortragsabend über das Verhältnis des Islam zu (Homo)Sexualität (thinkoutsideyourbox.net berichtete). Ziel ist es, ein Verständnis zum Islam zugänglich zu schaffen, das eine offene Diskussion über islamische Traditionen und Quellen – die den Koran einschließen – ermöglicht und eine Emanzipation von (einengenden) religiösen Dogmen ermöglicht, da diese jedem/r Einzelnen die Freiheiten nehmen, Glaubensinhalte und -formen selbst zu bestimmen.

Vortragsabend: “Islam und Sexualität”
Wann: 09. Juni 2011, 20:00 bis 22:00 Uhr
Wo: Hörsaal des Instituts für Orientalistik, Hof 4, Campus Uni Wien; Spitalgasse 2, 1090 Wien
um Anmeldung wird ersucht: per Facebook oder E-Mail

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Straßenfest “Andersrum ist nicht verkehrt in Mariahilf”

Am 11. Juni wird auch heuer wieder in der Otto-Bauer-Gasse das Straßenfest “Andersrum ist nicht verkehrt in Mariahilf” zum insgesamt sechsten Mal gefeiert werden. Das Fest wird von der Bezirksvorsteherin des sechsten Wiener Gemeindebezirks, Renate Kaufmann, initiiert und auch von ihr persönlich organisiert. Neben dem  Feiern wird auch ein Schwerpunkt darauf gelegt, dass sich diverse LGBTI-Vereine und Initiativen sowie deren Arbeit vorstellen und so für mehr Akzeptanz und Toleranz sorgen.

Das vorläufige Programm (Zeitpunkte noch nicht 100 %ig fix)

  • 13.00 bis ca. 14.00 Mad‘elles Life Band FOLK / INDIE ROCk
  • 14.00 bis ca. 14.15 Eröffnungsansprachen Bezirksvertreterin Renate Kaufmann und ande
  • 14.15 bis ca. 15.00 Zirkus “Orange”
  • 15.00 bis ca. 15.30 Alexander Georg – das Beste aus seinem Kabarett-Programm “Schwul – aber nett
  • 15:30 bis ca. 16:30 Die Gablitzers 70er Jahre Musik
  • 16:30 bis ca. 17:30 Herr…liche Damen (Travestieshow)
  • 17:30 bis ca. 18:15 Sankil Jones – Firestarter ( Pop- Soul Dance)
  • 18:15 bis 19:00 Tamara Mascara DJ-line
  • ab ca. 22.00 Official After Party – Heaven Vienna

Straßenfest “Andersrum ist nicht verkehrt in Mariahilf”
Wann: 11. Juni 2011 von 13:00 bis 19:00 Uhr
Wo: Otto-Bauer-Gasse (Mariahilfer Str. bis Schmalzhofgasse), 1060 Wien

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Vienna Pride 2011 und Regenbogenparade

Vom 14. bis 19. Juni steigt in Wien die erste Vienna Pride, nach der erzielten Einigung zwischen „HOSI Wien“ und „CSD Vienna“ in ihrer neuen Form. Ziel ist es, die LGBTI-Community in der ganzen Vielfalt zu zeigen. Das heurige Motto des Vienna Pride ist „Show Your Face“ und soll bewusst machen, wie vielfältig die Community ist. Daher gibt es heuer erstmals ein eigenes Pride Village an der Wienzeile (neben Naschmarkt), wo zahlreiche Veranstaltungen und Informationsstände auf alle BesucherInnen warten.

Der Höhepunkt wird die diesjährige Regenbogenparade sein. Diese wird heuer erstmals auf einer anderen Route durch die Stadt führen und ein kräftiges, lautes und buntes Zeichen für Toleranz, Aktzeptanz und Vielfalt sein. Anstatt andersrum (entgegen der Fahrtrichtung) wird der Paradenzug heuer erstmals in Fahrtrichtung über den Wiener Ring ziehen. Treffpunkt ist ab 14:00 Uhr zwischen Börse und Franz-Josefs-Kai. Start ist um 15:00 Uhr. Anschließend zieht die Demonstration (und Party) entlang des Rings über Schwedenplatz, vorbai an der Urania, Stadtpark, über den Karlsplatz, vorbei am Heldenplatz und Parlament bis zum Rathausplatz, wo ab 18:00 Uhr erstmals die Abschlusskundgebung, die „Pride Celebration“ stattfinden wird. Danach geht es in zahlreichen Clubs weiter, wo die „Vienna Pride Night“ steigt.

Weitere Informationen zur Regenbogenparade und zur Vienna Pride

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Regenbogenführungen Uni Wien: „Homosexualität in der Welt der Wissenschaft“

Die Universität als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen: Der Diskurs über Homosexualität wurde nicht nur mit Skandalberichten in Boulevardblättern geführt, sondern auch an der Wiener Universität betrieben. Und so wie es auch in der Gesellschaft progressive Strömungen gab, die Homosexuelle vor Verfolgung schützen wollten und Gleichberechtigung einforderten, gab es auch reaktionäre, die mithalfen beim Versuch, Homosexualität und Homosexuelle aus dem öffentlichen Diskurs zu verbannen und schlussendlich zu vernichten. In den Rechtswissenschaften, der Medizin, Psychologie und den Sozial- und Kulturwissenschaften sind diese Pole zu beobachten, was auch im Rahmen dieses Spaziergangs zu verfolgen sein wird.

Heute präsentiert sich die Universität Wien in einem anderen Bild. Inzwischen gibt es zahlreiche Lehrveranstaltungen, in denen Homosexualität, Queer Theory oder queere Kunst unter emanzipatorischen Gesichtspunkten behandelt werden. In diesem Spannungsfeld bewegt sich der Rundgang durch das Gebäude der Universität Wien, der gemeinsam mit dieser von QWIEN – Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte entwickelt wurde. Die Universität Wien setzt dadurch ein Zeichen der Toleranz und Akzeptanz nach Außen und trägt zur Aufklärung zum Thema bei.

Homosexualität in der Welt der Wissenschaft
Wann: 17. Juni um 17:00 Uhr  und 18. Juni um 12:00 Uhr (Dauer: 60 min)
Wo: Universität Wien, Dr. Karl Lueger Ring, 1010 Wien
Kosten: 5,- Euro pro Person (3,- Euro pro Person für Studierende)
Anmeldung und weitere Infos: Veranstaltungsmanagement Universität Wien

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CSDs sind Demonstrationen für Akzeptanz, Toleranz und gleiche Rechte

Rund um die Regenbogenparade und die Vienna Pride und der einhergehenden Partys, darf nicht vergessen werden, wieso zehntausende Lesben, Schwule und transidente Personen alljährlich weltweit den Christopher-Street-Day begehen. Es ist eine Demonstration für Akzeptanz, Toleranz und rechtliche Gleichstellung einer ganzen Bevölkerungsgruppe. Es ist noch nicht so lange her (erst knapp 21 Jahre), dass Homosexualität von der WHO nicht mehr als Krankheit gelistet wird.

In zahlreichen Ländern wird dieser Bevölkerungsgruppe aber immer noch das Recht genommen, in Demonstrationen ihre Recht einzufordern. Erst kürzlich kam es in Moskau zu einem neuerlichen Verbot des CSDs und zahlreichen Verhaftungen und heftigen gewalttätigen Gegendemonstrationen. Im Jahr 2010 kam es nur wenige Kilometer von Wien entfernt, in der slowakischen Hauptstadt Bratislava zu tw. gewalttägigen Übergriffen bei der ersten „Bratislava Pride“. Das gleiche Bild stellte sich auch in der ungarischen Hauptstadt Budapest in den Jahren 2009 (und 2010) dar. Daher gilt auch heuer die Solidarität mit unseren östlichen Nachbarn. Aus diesem Grund rufen beispielsweise „Die Grünen Andersrum“ zu einer Solidaritätsfahrt zum „Dúhovy Pride“ am 4. Juni 2011. Infos dazu unter gruene-andersrum.at.

Daher unterstützt die Onlinepetition von Amnesty International für einen besseren Schutz europäischer CSDs und einer Beendigung der Diskriminierung von Lesben, Schwulen und transidenten Personen (thinkoutsideyourbox.net berichtete)!

Die Wahrung der Menschenrechte und das Recht, zu l(i)eben wen ich will, sind  leider noch immer keine Selbstverständlichkeit.

(Bild: Flickr – © David Goehring – CC-BY-2.0)
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2 Comments
  1. […] Mai ist auch heuer der mit Abstand “queerste” Monat des Jahres in Wien bzw. in Österreich. Neben dem “Queer Film Festival”, das seit 1. Juni bis […]

  2. […] aktuell die Entführung der bekannten syrischen Bloggerin Amina Abdallah zeigt. Während der “Vienna Pride” lädt die US-amerikanische Botschaft zu einer Podiumsdiskussion zum Thema “Gay […]

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