Italien: 1 Millionen demonstrieren für Eingetragene Partnerschaft für LGBT

Italien ist das letzte große westeuropäische Land, das kein Rechtsinstitut für die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen PartnerInnenschaften bietet. Sämtliche Versuche sind bislang am massiven Lobbying der katholischen Kirche gescheitert. Nun erfolgt ein neuer Versuch – auch aufgrund eines Gerichtsurteils. Hunderttausende Menschen gingen dafür nun auf die Straße.

Im Sommer 2015 hat der „Europäische Gerichtshof für Menschenrechte“ Italien verurteilt,  da es gleichgeschlechtlichen Paaren keine Möglichkeit gibt, ihre PartnerInnenschaft anzuerkennen und damit rechtlich abzusichern (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

1 Millionen Menschen fordern das Recht auf Liebe

Unter dem Motto „Es ist Zeit“ gingen in beinahe 100 italienischen Städten bis zu 1 Million Menschen auf die Straße, um die Politik aufzufordern, endlich tätig zu werden und gleichgeschlechtlichen Paaren die Möglichkeit der Anerkennung ihrer PartnerInnenschaft mit dem Rechtsinistitut der Eingetragenen Partnerschaft zu ermöglichen.

Allein zu den Kundgebungen in den großen Metropolen Rom, Neapel, Turin oder Mailen kamen hunderttausende Menschen. Teilweise nahmen auch BürgermeisterInnen an den Kundgebungen teil, aber auch der stellvertretende Außenminister Benedetto Della Vedova demonstrierte für das Recht auf Anerkennung der Liebe von gleichgeschlechtlichen Paaren.

Gabriele Piazzoni von „Acrigay“, wie „queer.de“ berichtet:

„Wir haben mehr als eine Million versammelt. Ein großer Teil der Zivilgesellschaft. Eine Million Alarme aus allen Ecken des Landes bedeuten, dass das Parlament sie hören muss. “ 

Die Anerkennung der Liebe von zwei Menschen des gleichen Geschlechts wäre ein Zeichen der Zivilgesellschaft und ein Wert für alle, dass es keinen Platz für Diskriminierung und Ungleichbehandlung geben dürfe. Die Einführung der Eingetragenen Partnerschaft kann daher nur ein Zwischenschritt sein. Gleiches Eherecht für alle muss das letzte Ziel sein.

Solidaritätskundgebungen in europäischen Städten

Doch nicht nur in Italien gingen Menschen auf die Straße, um für die überfällige Einführung von der Eingetragenen Parnterschaft für gleichgeschlechtliche Paare zu demonstrieren.

So gingen auch in einigen europäischen Metropolen, darunter London, Frankfurt, Brüssel, Dublin, Kopenhagen oder auch Wien Menschen auf die Straße und demonstrierten für den Botschaften Italiens für das Recht auf Liebe.

Über diese Unterstützung in anderen Ländern freute sich Gabriele Piazzoni weiter:

„Ein historischer Tag für dieses Land. eine große Mobilisierung, die die Leidenschaft und das Bedürfnis zeigt von so vielen, die für den Wert der Gleichheit einstehen.“

Gegenkundgebungen von Religiösen und der Rechten

Während in einigen Städten die BürgermeisterInnen für die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen PartnerInnenschaften mitdemonstrierten, nahmen in anderen Städte die Stadtoberhäupter an Gegendemonstrationen teil, oder kündigten an, am „Tag der Familie“ gegen die Einführung der Eingetragenen Partnerschaft zu demonstrieren, der kommenden Samstag ebenfalls hunderttausende Menschen auf die Straße bringen wird.

Gerade die römisch-katholische Kirche ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass Italien eines der letzten Länder in Europa ist, wo gleichgeschlechtliche Paare keinerlei Rechtsinistitute erhalten.

Auch jetzt lobbyiert sie gemeinsam mit der politischen Rechte gegen diese überfällige Gleichstellung von LGBTs. Selbst Papst Franziskus hatte erst am Freitag betont, dass es

„keine Verwirrung geben kann zwischen der von Gott gewollten Familie und jeder anderen Art von Verbindung.“

Senat berät erstmals über Entwurf

Kommenden Donnerstag wird der Senat erstmals über die von Premierminister Matteo Renzi geplante Einführung von Eingetragenen Partnerschaften zu beraten. Der Entwurf wurde schon mehrfach von GleichstellungsgegnerInnen verzögert.

Es bleibt abzuwarten, ob Renzi selbst innerhalb seiner Koalitionsregierung die nötigen Mehrheiten findet, sind doch auch seine RegierungsvertreterInnen mit diskriminierende Abänderungsanträgen aufgefallen, die den Gesetzesentwurf weiter verzögert haben.

Möglich auch, dass Renzi sich die nötigen Mehrheit aus Oppositionsparteien holt, denn aufgrund der Verurteilung des EGMR ist Italien aufgefordert, ein Rechtsinstitut einzuführen.

 One Million Voices For Equality! Italy, it’s time!

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