Homosexualität ein Teufelswerk: Kirche macht (unglaubwürdigen) Rückzieher

Daniel Avila, Berater für Ehe und Familie“ der US-Bischofskonferenz und für das „Unterkomitee der Bewerbung und Verteidigung der Ehe“ hat in einem Artikel der offiziellen Zeitschrift der Erzdiözese Boston, Homosexualität als ein Werk des Teufels bezeichnet. Nach heftiger Kritik reagiert nun die römisch-katholische Kirche und rudert zurück. Am Mittwoch hat die Kirchenleitung den Artikel zurückgenommen und entschuldigte sich dafür. In einer Stellungnahme entschuldigt sich die Diözese, dass man „nicht den theologischen Fehler vor der Veröffentlichung“ entdeckt habe.

Avila bezog sich in seinem Kommentar für die Kirchenzeitschrift auf die jüngste Veröffentlichung des Hirnforschers Simon LeVay, der Hormanschwankungen im Mutterleib während der Schwangerschaft für das Entstehen von Homosexualität als Grund nannte. Avila leitete daraus ab, dass diese Schwankungen ein Werk des Teufels seien (thinkoutsideyourbox.net berichtete). So schrieb er:

“Deshalb, wann auch immer natürliche Ursachen die sonst üblichen biologischen Entwicklungen stören, was zu persönlich unerwünschten Entwicklungen der Anziehung zum gleichen Geschlecht führt, letztlich die Verantwortung, auf theologischer Basis, ist und sollte es dem Bösen zugeschrieben werden, und nicht Gott.”

Entschuldigung nach heftiger Kritik

Der Artikel erschien in der 1829 gegründeten Zeitung am 28. Oktober und zog massivste Kritik nach sich. Die römisch-katholische Kirche drückte nun die „Notstopptaste“ und ruderte zurück. In einer Stellungnahme entschuldigt sich die Kirche für die Aussagen und begründet die Veröffentlichung des Artikel damit, dass man „den theologischen Fehler vor der Veröffentlichung nicht erkannt habe„.

Auch Avila selbst entschuldigte sich für seine Worte und erklärte, dass er keine „Schmerzen und Verwirrung“ hervorrufen wollte, die seine Worte zur Konsequenz hatten. Die Aussagen von Avila würden nicht die Ansichten der US-Konferenz wiedergeben. Avila erklärte abschließend, dass alle Menschen nach dem Bild Gottes geschaffen seien. Dennoch dürfen Lesben und Schwule nicht das Recht auf eine Eheschließung erhalten, da dies sonst eine „Beschädigung der heiligen Ehe als dauerhafte Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau“ nach sich ziehen würde.

Unglaubwürdigkeit der rk Kirche

Auch wenn die römisch-katholische Kirche sich nun für ihre Aussagen entschuldigt hat, so ist es bezeichnend, dass in den vergangenen Monaten und Jahren regelmäßig und in subjektiv immer kürzeren Abständen derart diskriminierende Aussagen getätigt werden, die Menschen in ihrer Würde schwer verletzen und beleidigen. Die Entschuldigung ist schwer unglaubwürdig, wenn selbst der oberste Hirte der römisch-katholischen Kirche massivst gegen die Gleichstellungsbestrebungen von Lesben und Schwulen auftritt und sie in der Vergangenheit sogar als eine Gefahr für die Schöpfungsordnung dargestellt hat (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Unter Papst Benedikt XVI ist jedenfalls die römisch-katholische Kirche in keinster Weise weltlicher und toleranter geworden. Viel eher hat sie sich gesellschaftspolitisch noch weiter in die Vergangenheit orientiert und ruft zum „Kampf gegen die Entwertung der Ehe auf“, wenn Lesben und Schwule die ihnen zustehenden gleichen Rechte einfordern.

Dieses Auftreten gegen die gleichen Rechte von Lesben und Schwule und das Darstellen eines Bedrohungsszenarios, wenn homosexuelle Paare heiraten dürfen, steht im klaren Widerspruch zur eben ausgeführten Entschuldigung, wonach alle Menschen nach dem Abbild Gottes geschaffen wurden. Aussagen wie vom US-Kardinal Raymond Burke, wonach „sexuelle Beziehungen zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechts grundsätzlich böse“ seien (thinkoutsideyourbox.net), untermauern die Unglaubwürdigkeit der römisch-katholischen Kirche.

(Bild: vectorporal.com – CC-BY-2.0 – via Flickr)
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1 Kommentar

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  1. Skeptic 16 November, 2011 at 08:37

    Das alte theologische Problem ist und bleibt: a) entweder hat der „liebe Gott“ etwas geschaffen, weil er den Menschen damit prüfen wollte – dann ist es von Gott und welcher Theologe kann sich anmassen, diesen seinen Oberbefehlshaber zu kritisieren? oder b) es kommt vom „Bösen“, von „Satan“ – dann ist ja auch der eine planmässige Schöfung desselben Gottes, um die Szene etwas zu bereichern und den Menschen zu verführen und zu prüfen – auch diese (Zwischen-) Ergebnisse sind offenbar gottgewollt und welcher Theologe kann dann dem Menschen verdenken, dass er „darauf hereinfällt“ (wenn selbst studierte Moraltheologen denselben Verführungen oft nicht zu widerstehen vermögen, wie immer wieder auftretende „Skandale“ nahelegen?). Theologen, katholische zumal, die ja nach der Ohrenbeichte die meisten Sünden bereits hier auf Erden vergeben können, sitzen in ihrem Versuch, allgemeingültige Masstäbe aufzustellen, immer wieder Zirkelschlüssen auf.

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