Homophobie: Regenbogenfahnen von Salzburger Staatsbrücke gerissen

Staatsbrücke mit Regenbogenfahnen am 13.05.2015 (Bild: Georg Djundja)

Staatsbrücke mit Regenbogenfahnen am 13.05.2015 (Bild: Georg Djundja)

Wenn am 17. Mai weltweit der „Interationale Tag gegen Homophobie und Transphobie“ begangen wird, dann setzen sehr viele Städte ein sichtbares Zeichen für Toleranz und Akzeptanz gegenüber LGBTIs, in dem die Regenbogenfahne gehisst wird. Auch die Landeshauptstadt Salzburg setzt seit 2012 dieses Zeichen, doch wie schon letztes Jahr wurden auch heuer die Regenbogenfahnen von Vandalen heruntergerissen.

Die schockierenden Ergebnisse einer Erhebung der „Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA)“ zeigen, dass LGBTIs in Europa mit Homophobie und Transphobie konfrontiert sind und viele nicht nur mit verbaler, sondern auch Erfahrungen mit körperlicher Gewalt gegen ihre Person aufgrund der sexuellen Orientierung/geschlechtlichen Identität gemacht haben (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

IDAHO: 25 Jahre keine psychische Krankheit

Am 17. Mai 1990, also erst vor 25 Jahren, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus dem Katalog der psychischen Krankheiten gestrichen, doch noch immer behaupten viele homophobe GleichstellungsgegnerInnen, dass Homosexualität eine Krankheit bzw. keine natürlich sexuelle Orientierung sei und versuchen so, ihre Homophobie und die Diskriminierung einer Bevölkerungsgruppe zu rechtfertigen.

Aus diesem Grund des Streichens aus dem Krankheitenkatalag wird an diesem Tag jährlich der „Interanationale Tag gegen Homophobie und Transphobie“ (IDAHO = International Day Against Homophobia und Transphobia) begangen, um sichtbar auf die Diskriminierung und in vielen Ländern Kriminalisierung von LGBTIs hinzuweisen und gleiche Rechte für alle einzufordern

Zahlreiche Städte und Organisationen weltweit setzen ein Zeichen der Solidarität mit LGBTIs und hissen die Regenbogenfahne, dem weltweiten Symbol der LGBTI-Community – so auch die Landeshauptstadt Salzburg oder setzen öffentlichkeitswirksame Kundgebungen. In Wien beispielsweise setzen Ampelpärchen ein sichtbares Zeichen Toleranz und Weltoffenheit (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Salzburg: Regenbogenfahnen von Staatsbrücke gerissen

Seit 2012 setzt auch die Stadt Salzburg auf Initiative der „SoHo – Sozialdemokratie und Homosexualität“ ein sichtbares Zeichen der Toleranz und gegen Homophobie und Transphobie und hisst auf der Staatsbrücke im Herzen der Stadt die Regenbogenfahne.

Staatsbrücke ohne Regenbogenfahnen am 14.05.2015 (Bild: Georg Djundja)

Staatsbrücke ohne Regenbogenfahnen am 14.05.2015 (Bild: Georg Djundja)

2014 wurden diese von Vandalen erstmals heruntergerissen, nachdem es wenige Wochen zuvor einen homophobe Attacke gegen das Zentrum der „HOSI Salzburg“ gegeben hat, als auf dieses LGBTI-Zentrum geschossen wurde (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Auch 2015 setzt sich diese Serie homophob motivierter Attacken fort, selbst beim „Walkd4Idaho“ gab es 2014 Attacken gegen die TeilnehmerInnen.

Nachdem erst am Mittwoch die Regenbogenfahnen auf der Salzburger Staatsbrücke gehisst wurden, wurden bereits in der ersten Nacht bis auf 3 alle Regenbogenfahnen heruntergerissen, wie der SoHo Salzburg Vorsitzende Georg Djundja am Donnerstagmorgen auf Facebook berichtet – inklusive einer Ankündigung, weiter für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft zu kämpfen:

Und wir machen weiter! Genau deshalb!
Schon in der ersten Nacht wurden 5 von 8 Fahnen heruntergerissen. 
Es ist ein Vandalenakt mehr gegen unsere Community und gegen die Vielfalt in unserer Stadt.
Die Liste ist mittlerweile lang: 
Paintballschüsse auf die HOSI, Beschimpfungen und Eierwürfe während des walk4idahot, Vandalismus gegen Regenbogenfahnen oder persönliche Attacken und Beschimpfungen. 
Es soll jeder Mensch so leben können wie er will – unabhängig der sexuellen Orientierung, der Geschlechtsidentität, der Weltanschauung oder der Herkunft.
Salzburg ist bunt, dafür kämpfen wir weiter!!!

In zweiter Nacht wurden sämtliche Fahnen heruntergerissen

Forcher und Djundja bei der Hissung der Regenbogenfahnen auf der Staatsbrücke (Foto: SoHo Salzburg)

Forcher und Djundja bei der Hissung der Regenbogenfahnen auf der Staatsbrücke (Foto: SoHo Salzburg)

Noch am Mittwoch wurde eine der heruntergerissen Regenbogenfahnen durch eine neue erstetzt. Donnerstagfrüh waren dann sämtliche Regenbogenfahnen durch einen erneut homphob motivierten Vandalenakt heruntergerissen.

Ein Täter wurde beim Herunterreißen einer Fahne auf frischer Tat einem Zeugen gesehen. Dieser hat mit dem Fahrrad die Verfolgung aufgenommen und konnte den Täter am Alten Markt stellen, und diesen der inzwischen hinzugerufenen Polizei übergeben.

Gerald Forcher, Vorsitzender der „FSG Salzburg“ und Georg Djundja, Landesvorsitzender der „SoHo Salzburg“ und stellvertretender Bundesvorsitzender zeigen sich empört:

„Dies ist eine erneute Attacke gegen unsere Community. Mit dem gezielten herunterreißen der Regenbogenfarben, dem Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung, wollen Rechtsradikale ihren Hass gegen unsere Community zeigen.“

Für Djundja handelt es sich um gezielte Attacken einer rechten Gruppierung gegen LGBTIs in Salzburg:

„Nach den Paintball-Schüssen auf das HOSI-Zentrum, den Übergriffen bei der letztjährigen Demo anlässlich, des internationalen Tags gegen Homo- und Transphobie sowie den vermehrten persönlichen Angriffen ist dies der nächste Übergriff einer rechten Gruppierung in Salzburg.“

Regenbogenfahne auch am Sitz der Landesregierung gehisst

Doch nicht nur auf der Staatsbrücke in der Salzburger Innenstadt wurden Regenbogenfahnen gehisst. Auch die Salzburger Landesregierung setzt ein Zeichen für Toleranz, Akzeptanz gegenüber LGBTIs und der Vielfalt in der Gesellschaft.

Am Dienstag wurde auch vor dem Chiemseehof, dem Sitz des Salzburger Landtags und der Landesregierung die Regenbogenfahne gehisst – auf Initiative von Landesrätin Martina Berthold (Grüne), zuständig für Bildung, Kinderbetreuung, Gesellschaft, Sport, Integration, Asyl, Frauen, Chancengleichheit, gemeinsam mit Georg Djundja (SPÖ, SoHo Salzburg), Klaus Horvat-Unterdorfer (Grüne Andersrum Salzburg) und Gabriele Rothuber (HOSI Salzburg),

Auch vor dem Schloss Mirabel wurde von BGM-Stv. Anja Hagenauer mit Georg Djundja gemeinsam die Regenbogenfahne als Würdigung der Vielfalt Salzburgs gehisst.

Hagenauer und Djundja mit der Regenbogenfahne vor dem Schloss Mirabell (Foto: SoHo Salzburg)

Hagenauer und Djundja mit der Regenbogenfahne vor dem Schloss Mirabell (Foto: SoHo Salzburg)

Erneute Vandalenakte Auftrag an Politik

Diese jüngsten und wiederholten Vandalenakte zeigen, dass es jeden Tag gilt, gegen Homo-/Transphobiephobie und Hass gegen LGBTIs zu kämpfen und sich für die vollständige Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen PartnerInnenschaften einzusetzen.

Die SPÖ ist erneut aufgerufen, auf Bundesebene sich gegenüber dem Juniorkoalitionspartner ÖVP zu behaupten und jahrelangen Versprechungen der Öffnung der Ehe, auch endlich Taten folgen zu lassen und gegebenenfalls eine Abstimmung im Parlament ohne Klub- und Koalitionszwang zu ermöglichen, nachdem sich die ÖVP auch beim neuen Parteiprogramm der Homophobie, Ungleichbehandlung und Diskriminierung von LGBTIs „verpflichtet“ hat (thinkoutsideyourbox.net berichtete).

Im Salzburger Landtag wird die Landes-SPÖ den Druck auf die Bundespartei erhöhen und einen Antrag zur Öffnung der Ehe einbringen, der die rot-schwarze Bundesregierung zum Handeln auffordern wird. Djundja dazu:

„Die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen endlich der gelebten Realität in unserem Land angepasst werden! Denn wenn zwei liebende Menschen füreinander Verantwortung eingehen wollen, muss dieses Miteinander auch durch Gesetze geschützt werden. Die sexuelle Orientierung, die sexuelle Identität oder die Geschlechtsidentität darf dabei keine Rolle spielen.“

Ebenfalls muss der vollständige Diskriminierungsschutz für LGBTIs („Levelling-Up“) endlich umgesetzt werden. Für Hass gegen und Diskriminierung von Menschen aufgrund der sexuellen Orientierung/geschlechtlichen Identität darf im 21. Jahrhundert kein Platz sein.

Walk4Idaho – Demonstration gegen die Verletzung von Menschenrecht

Anlässlich des „Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie“ findet am Samstag, 16. Mai in Salzburg der dritte „Walk4Idaho“ statt. Dieser wird von der HOSI Salzburg, der „ÖH Salzburg“, der „SoHo Salzburg“ und den „Grünen Andersrum“ gemeinsam organisiert.

Die Demonstration startet um 14:30 Uhr beim antifaschistischen Mahnmal am Hauptbahnhof und führt vorbei bei AK/ÖGB über die Schwarzstraße zum Platzl bei der Staatsbrücke. Anschließend geht es zum Mirabellplatz und über die Franz-Josef-Straße zur Abschlusskundgebung in der Glockengasse.

(Hinweis: Artikel wurde am 16.05.2015 um 08:00 Uhr überarbeitet und um weitere Informationen ergänzt.)
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