„Homo-Hetze“: „Christen“ fordern Diskriminierung von Lesben und Schwulen

Bild 4Die „Christliche Partei Österreich (CPO)“ – eine kleine Gruppe von erzkonservativen Gläubigen, die eine Politik nach den Geboten des christlichen Glaubens fordern – macht einen neuen Vorstoß gegen jedwede Art der rechtlichen Gleichstellung von Lesben und Schwulen. Wie bereits in der Vergangenheit, wird auf diskriminierende Art und Weise gefordert, einer ganzen Bevölkerungsgruppe die ihnen zustehenden Rechte abzusprechen. In altbekannter Art und Weise werden gesellschaftliche Realität ignoriert und Lesben und Schwule als „Gefahr“ für die „heilige Ehe“ zwischen Mann und Frau betrachtet.

Nun ruft die CPÖ rund um Bundesobmann Rudolf Gehring dazu auf, an die gläubigen Christen, welche erstaunlicherweise nur in den Reihen von FPÖ, BZÖ und ÖVP vermutet werden auf, einen Brief zu schicken. Darin wird vorgebracht, wieso es falsch ist, dass Lesben und Schwule die gleichen Rechte erhalten sollen. Wie so häufig von Gegnern der „Homo-Ehe“ werden auch hier wieder fadenscheinige Argumente vorgebracht. Das erste gleich am Beginn. So heißt es:

ich sende Ihnen dieses Mail aus großer Sorge um die Zukunft unseres Landes und wegen der äußerst bedenklichen Vorgangsweise.

Nun ja! War logisch, dass bei fehlen von sachlichen Argumenten, Lesben und Schwule als Gefahr für die Zukunft der Gesellschaft betrachtet und bezeichnet werden. Dieses Argument ist Humbug zum Quadrat, denn homosexuelle Menschen waren immer schon Teil der Gesellschaft. Der einzige Unterschied ist jedoch dieser, dass sich diese Bevölkerungsgruppe nun nicht länger diskriminieren lässt und offensicht die ihnen längst zustehenden Rechte einfordert.

Bereits kurz darauf folgt die nächste Erkenntnis, welche in Form einer Belehrung vorgebracht wird.

Wussten Sie, dass bereits jetzt heterosexuelle und homosexuelle Lebensgemeinschaften vor dem Recht gleichgestellt sind? Das Zivilrecht bietet schon heute die Möglichkeit, nichtehelichen Partnern Sicherheit zu geben.

Ja, nichteheliche Partner_innenschaften sind zivilrechtlich gleichgestellt, doch es geht hier darum, dass Menschen, unabhängig ihres Geschlechts, die Verantwortung für einander übernehmen möchten, diskriminiert werden. Aber zum nächsten Absatz.

Es ist unlogisch, die Probleme und Interessen homosexuell empfindender Menschen im Zusammenhang des Ehe- und Familienrechts verhandeln zu wollen. Denn es geht hier nicht um neue Lebensformen im Verhältnis von Mann und Frau in der Generationenfolge.

Probleme? Ja, es sind Probleme, weil Lesben, Schwule und transidente Person vor einander rechtlich fremde Personen sind und keine Rechtsanspruche geltend machen dürfen. Diese Probleme entstehen aber nur aus einem Grund. Reaktionäre Kräfte versuchen zu verhindern, dass diese Personengruppen die gleichen Rechte erhalten. Die CPÖ liegt falsch, wenn sie behauptet, dass es unlogisch sei, die Beziehungen von homosexuellen und transidenten Personen im Zusammenhang mit dem Eherecht zu verhandeln. Worin besteht bitte der Unterschied? Ist die Liebe untereinander von homosexuellen Personen eine andere? Nein. Daher ist es sehr wohl logisch, diese Form der Liebe und Fürsorge füreinander genau in diesem Zusammenhang zu behandeln.

„Leistung der Ehe“ für die Gesellschaft

Im nächsten vorgebrachten Argument wird erneut mit der besonderen Leistung der Eheleute für die Gesellschaft argumentiert. So heißt es:

Alle bestehenden ehe- und familienrechtlichen Regelungen betreffen die Leistungen der Ehe von Mann und Frau im Interesse der Gesellschaft, wie die Sicherung der Generationenfolge durch potentielle oder realisierte Elternschaft.

In der Annahme, dass diese Aussage auf das Zeugen von Kindern abzielt, kann entgegnet werden, dass die Ehe diese Funktion längst nicht mehr übernimmt. Viele Ehepaare haben entweder keine Absicht Kinder zu zeugen oder können diese aus verschiedensten Gründen keine Kinder bekommen. Ferner ist zu berücksichtigen, dass 2008 bereits fast 40 % der Kinder unehelich das Licht der Welt erblickten. Die CPÖ hält also an einem Gesellschaftsbild fest, bzw. will dieses anderen Menschen vorsetzen, welches längst keine Gültigkeit mehr besitzt.

Darüberhinaus wird ignoriert, dass es längst sogenannte Regenbogenfamilien gibt und Lesben und Schwule genauso gut befähigt sind, Kinder mit Liebe und Zuneigung zu erziehen und ihnen Werte vorzuleben. Die Ignorierung dieser Tatsache kann nur auf einer verzerrten Wahrnehmung der gesellschaftlichen Realität beruhen bzw. sie will nicht wahrgenommen werden.

Der Entwurf übernimmt fast alle Bestimmungen für Ehepaare und ist weder notwendig noch angebracht.

Die CPÖ und Rudolf Gehring kann beruhigt werden. Das vorgelegte Gesetz zur „Eingetragenen Partnerschaft“ bedeutet in keinster Weise eine Gleichstellung mit der Ehe. Viel mehr beinhaltet es offensichtlich mindestens 72 Ungleichstellungen. Insbesondere das Verbot der Fremdkindadoption oder der medizinisch unterstützten Fortzpflanzung ist hier als klarer Diskriminierungsfall anzuführen.

Jedoch ist es längst überfällig und daher notwendig und angebracht, homosexuellen Paaren eine rechtliche Gleichstellung und Absicherung zu geben. Gründe wurden zuvor bereits angeführt. Leider war die ÖVP nicht bereit, die gesellschaftliche Realität anzuerkennen und eine völlige Gleichstellung zu ermöglichen.

Dieses Sondergesetz ist daher letztlich keine Gleichstellung, da für eine Bevölkerungsgruppe ein eigenes Rechtsinstitut geschaffen wird. Es ist daher zu hoffen, dass erstens auch die Hardliner in der ÖVP erkennen, dass Lesben und Schwule die gleichen Rechte (und Pflichten) verdienen, zweitens, Sie Herr Gehring, nie die Möglichkeit erhalten, ihr reaktionären und menschenfeindliches Gedankengut umzusetzen, und drittens, die in sich in Vorbereitung befindlichen Klagen gegen das „Homo-Ehe“ Gesetz Erfolg haben werden. Insofern ist auch eine Resolution des Europäischen Parlaments zur Niederlassungsfreiheit von „Familien“. Mit diesem Entschließerung fordert das EP alle Mitgliedsländer auf,  die Niederlassungsfreiheit auch für gleichgeschlechtliche Paare zu gewährleisten. Alles andere als die völlige rechtliche Gleichstellung ist nicht tragbar, da damit eine Zwei-Klassen-Gesellschaft etabliert wird.

Zudem ist eine „Pseudotrauung“ von Homosexuellen am Magistrat/Bezirkshauptmannschaft ein missverständliches, die Eheschließung abwertendes Symbol.

Diese Verachtung von Liebe ist untragbar und bedarf keiner weiterer Erläuterungen. Nur so viel: Die Ehe von Mann und Frau wird in keinster Weise tangiert und es steht außer Frage, dass jede Liebe das Recht verdient, sich gleich feiern zu dürfen.

Zuletzt wird auch noch die Trennung von Religion und Staat ignoriert, denn die „katholischen“ PolitikerInnen sollten sich an der Richtlinie der Glaubenskongregation 2003 orientieren, welche vom heutigen Papst, Benedikt XVI, herausgegeben wurde:

Nicht zuletzt wollen wir die katholischen Mitglieder der Bundesregierung und in weiterer Folge auch des Nationalrates und des Bundesrates daran erinnern, dass der heutige Papst Benedikt XVI. in seiner damaligen Eigenschaft als Präfekt der Glaubenskongregation schon 2003 klare Richtlinien für katholische Politiker aufgestellt hat: sie haben die sittliche Pflicht, klar und öffentlich Widerspruch zu äußern und gegen Gesetzesentwürfe zu votieren, die homosexuelle Lebensgemeinschaften rechtlich anerkennen wollen!

Zu „böser“ Letzt möchte Gehring klar machen, dass seine Worte gegen Lesben und Schwule nicht als Hetze aufzufassen ist. So schreibt er unter P.S.:

Selbstverständlich ist für mich wie für alle katholischen Christen die Weisung des „Katechismus der Katholischen Kirche“ (Abschnitt 2358) maßgeblich: „Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. (…)“

Mitleid? Nein Danke! Wir kämpfen für unsere Rechte!

Mitleid? Lesben und Schwulen brauchen das Mitleid von Herrn Gehring nicht, denn sie wissen, dass Homosexualität und gänzlich normale Ausprägung von Sexualität ist. Ihre Worte sind sehr wohl homophob und menschenverachtend. Doch dies ist bekanntlich nicht das erste Mal. Bereits in der Vergangenheit sind Mitglieder der CPÖ, früher „Die Christen“ durch homophobe Entgleisungen aufgefallen. So hat Daniel Dragomir im Sommer davon gesprochen, dass es in „seiner Gemeinde keine Homosexuellen geben darf“ oder davon, dass Homosexualität gesundheitsgefährdend“ sei. Oder als die Partei im Frühjahr 2008 „Homo-Lebenstil = tödlich“ plakatierte. Sie betreiben sehr wohl Hetze! Und das können sie durch Ihre Fußnote nicht beschwichtigen.

Viel mehr sollten alle aufgeklärten Menschen Mitleid mit Herrn Gehring und seinen reaktionären, menschenfeindlichen Ansichten haben. Für ihn muss es ja ein Graus sein, zu sehen, wie schrittweise aufgeklärte Menschen die ihnen zustehenden Rechte erkämpfen. Und glauben Sie mir Herr Gehring. Als aufgeklärter, weltlicher Mensch werde ich keine Ruhe geben, bis ihr reaktionären, homophobes Gedankengut an sämtlichen Menschen abprallt und Lesben, Schwule und transidente Personen all die Rechte haben, die ihnen Menschen wie Sie vorzuenthalten versuchen.

All jene, die ebenfalls der Ansicht sind, dass ALLE Menschen die GLEICHEN Rechte verdienen, mögen bitte die Petition „Ertsklassige Rechte – für völlige Gleichstellung jetzt!“ unterschreiben.

(Bildquelle: erstklassigerechte.at)

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11 Comments
  1. […] entnommen von “think outside your box“ Tweet this!verlinken Kommentare (0) Trackbacks (0) Einen Kommentar schreiben […]

  2. Peter says

    Irgendwie fehlt die Logik in der Argumentation – wo bleibt die christliche Nächstenliebe? Er sieht ja ein, dass die Veranlagung nicht selbst gewählt wird, dennoch fordert er eine diskriminierende Behandlung. Dann könnte man ja auch sagen schwarzen Menschen seien weniger Wert – sie haben ihre Hautfarbe zwar nicht gewählt, aber… oder Menschen eines anderen Glaubens, in den sie hineingeboren werden – denn diese Menschen dienen nicht der Weitergabe des Christentums. Andersbehandlung von Homosexuellen, Andersgläubigen… Gab es das nicht schon mal? Hoppala…

  3. […] Denn Gleichstellung bedeutet die Öffnung der Ehe und kein Sondergesetz. Ähnlich wie die “Christliche Partei Österreich” oder Claudia Badion-Ortner stellt auch Alpen Donau Info eine mögliche Gefahr für die Gesellschaft […]

  4. […] Denn Gleichstellung bedeutet die Öffnung der Ehe und kein Sondergesetz. Ähnlich wie die “Christliche Partei Österreich” oder Claudia Badion-Ortner stellt auch Alpen Donau Info eine mögliche Gefahr für die Gesellschaft […]

  5. monika says

    Hilfe…jetzt will sich der Obmann Göring, Verzeihung Gehring auch noch als Bundespräsidentkanditat aufstellen lassen!

  6. […] “Homo-Hetze”: Christen fordern Diskriminierung von Lesben und Schwulen […]

  7. […] Eine ausführliche Entgegnung zu den diskriminierenden Forderungen gibt es hier. […]

  8. […] Lehre ist die Basis allen Handelns. Homosexualität ist eine Verirrung. Lesben und Schwule dürfen keine EPG eingehen. Ein entsprechendes Gesetz hätte er nicht unterschrieben. Darüberhinaus unterstellt er […]

  9. […] CPÖ wieder in ihrem Element und startete eine Kampagne, um die PolitikerInnen aufzuklären, wie gefährlich doch die Homo-Ehe für Österreich […]

  10. Blume says

    Es gibt viele Familien – Ehepaare! – die ihre Kinder körperlich und seelisch misshandeln. Der Beitrag solcher Eltern in unserer Gesellschaft ist, daß sie Seelenkrüppel zu produzieren! Da wäre so manches Kind in einer Homo-Ehe mit Sicherheit besser aufgehoben.

  11. Suttonthb says

    tcnpzchsk cheap oakley sunglasses anuraeg nike litgxyqcsv ghd oocjtqlq nike free run gddivbknw.

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